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Mario-Sebastian Fertig ist neuer Pächter im Bad Homburger Bahnhof. Im Hintergrund das Gemälde „Die Jagd nach dem Glück“.

Gastronomie

Happy Hour im Bad Homburger Bahnhof

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Mario-Sebastian Fertig hat gleichzeitig die Gastronomie im Hessenpark und im Kulturbahnhof übernommen.

Mario-Sebastian Fertig traut sich eine Menge zu. Mit gerade einmal 30 Jahren ist er mit seiner GHC Service OHG nicht nur neuer Pächter der Gastronomie im Hessenpark inklusive Hotel, sondern hat mit dem Jahreswechsel zusätzlich die Bewirtung im Bad Homburger Bahnhof übernommen – einer Location, die auch schon einigen alten Hasen des Gewerbes mächtig Kopfzerbrechen bereitet hat.

Seit der Wiedereröffnung des sanierten Empfangsgebäudes 2013 als „Kulturbahnhof“ ist Fertig bereits der fünfte Pächter. Das ist ihm bewusst, blauäugig geht er die Sache jedenfalls nicht an. Optisch seien die Räume ein „Juwel“, schwärmt er, geschäftlich allerdings „eine schwierige Immobilie“. Trotz der 20 000 Menschen, die jeden Tag im Bahnhof unterwegs sind, könne er nicht mit viel Laufkundschaft rechnen, weiß der Restaurantfachmann. Dennoch traut er sich zu, neben dem bisher schon recht ordentlich laufenden Veranstaltungsangebot auch das Tagesgeschäft zu beleben.

Dabei setzt er nicht mehr auf gehobene Kulinarik wie vor ihm die heimische Gastronomen-Familie Kofler, sondern auf „Multi-Cuisine“, einer internationalen Mischung aus Burgern, Pasta, asiatischen Gerichten und Schnitzeln. „Alles frisch gekocht“, wie der neue Pächter betont. Zielgruppe ist ein „junges und jung gebliebenes Publikum“ im Alter von 18 bis 60 Jahren aus Bad Homburg sowie den zahlreichen Bürogebäuden rund um den Bahnhof. Sie will er etwa mit einer Happy Hour zum After-Work-Cocktail an den Bahnhof locken, wo im Gastraum ein Ambiente aus eleganten, rustikalen und hippen Elementen wartet. Mit seinem „urbanen Stil“ passe es perfekt zur neuen Ausrichtung. „Am Interieur haben wir fast nichts geändert“, sagt Mario-Sebastian Fertig. Das gilt auch für das große Wandgemälde mit dem Titel „Die Jagd nach dem Glück“ an der Stirnseite.

Auf Glück allein will der neue Pächter sich aber nicht verlassen. Um den Gastraum auch sonntags zu füllen, bietet er seit Kurzem einen Brunch an - was sich auch ohne große Werbung schon herumgesprochen zu haben scheint. „Beim ersten Mal hatten wir 70 Gäste“, ist Fertig selbst überrascht. Auch mit Ü-30-Partys und anderen Events möchte er den „Wartesaal“ beleben, wie das Lokal nun heißt.

Bad Homburg: Beach Club am Bahnhof im Sommer geplant

Platz hat er jedenfalls genug. Denn neben dem eigentlichen Restaurant mit etwa 80 Plätzen stehen ihm eine Bar und der Wintergarten mit bis zu 400 Plätzen zur Verfügung. Er kann für Firmenevents oder private Feiern gemietet werden. Aber auch Konzerte oder eine Varieté-Show kann Fertig sich hier vorstellen. Zudem möchte er im Sommer auf der Freifläche zwischen dem Wintergarten und dem Musikclub Gambrinus Sand für einen Beach Club aufschütten lassen.

Holger Reuter, Geschäftsführer der Kur- und Kongress Gesellschaft (KuK), die über eine Tochterfirma für den Kulturbahnhof zuständig ist, hofft, dass der neue Pächter mit seinen Ideen für frischen Wind in dem historischen Gebäude sorgen kann. Der Verwaltungsrat der städtischen KuK wolle am Bahnhof einen ständigen Restaurantbetrieb mit verlässlichen Öffnungszeiten erhalten. Wichtig sei dabei vor allem „eine gute Küche in überschaubarer Zeit zu bezahlbaren Preisen“. Dass Mario-Sebastian Fertig mit seiner GHC Service OHG parallel auch die Gastronomie im Hessenpark übernommen hat, sieht Reuter nicht als Nachteil. Die Doppelstruktur könne für Synergieeffekte sorgen, etwa was die Vermarktung oder das Personal angehe.

Auch Fertig selbst ist zuversichtlich, beide Objekte gleichermaßen gut bespielen zu können. Wobei er und sein Team im Hessenpark für insgesamt 14 Veranstaltungsflächen zuständig sind. Die wichtigsten sind das Landhotel und das Wirtshaus „Zum Adler“ am Marktplatz, das derzeit grundlegend saniert wird, sowie die Martinsklause auf dem eigentlichen Museumsgelände.

Bei dem Hotel handele es sich um ein etabliertes Tagungshotel, sagt Mario-Sebastian Fertig. Das Restaurant sei trotz der Winterzeit auch an den Wochenenden bereits recht gut besucht gewesen. Zudem seien für 2019 schon jetzt mehr als 100 Veranstaltungen gebucht, darunter viele Hochzeiten.

Vor allem für den „Adler“ hat er sich einiges vorgenommen. Nach der Sanierung, für die der Hessenpark 700 000 Euro investiert, soll das Gasthaus nicht nur wie bisher während der Öffnungszeiten des Freilichtmuseums zugänglich sein, sondern auch am Abend. Dabei ist das Konzept auf die hessischen „Nationalgetränke“ Apfelwein und Bier ausgerichtet, es soll aber auch einen Hähnchen-Show-Grill geben.

Hessenpark-Direktor Jens Scheller erhofft sich zudem eine bessere Verzahnung von Museum und Gastronomie. So soll es an bestimmten Thementagen künftig auch die dazu passenden kulinarischen Angebote geben. Die Zusammenarbeit habe sich bislang gut angelassen, betont Scheller. Für Irritationen hatte zuvor die Nachricht gesorgt, dass ein anderes Unternehmen, an dem Mario-Sebastian Fertig beteiligt war, Insolvenz anmelden musste. Dabei handelt es sich um die Howa Management GmbH, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, in der Rhön das Wirtshaussterben aufzuhalten. Dafür gab es zwar 2017 den hessischen Gründerpreis, die Unternehmung sei aber „von vorneherein sehr risikoreich“ gewesen, räumt Fertig ein.

Die GHC Service OHG, die noch ein Berghotel am Hoherodskopf und die Rimbachfarm im Main-Kinzig-Kreis betreibt, sei von der Insolvenz nicht betroffen, er selbst bereits Mitte des vergangenen Jahres bei der Howa ausgeschieden, betont der 30-Jährige. Um den Neuanfang auch geographisch deutlich zu machen, befindet sich der Firmensitz von GHC inzwischen in Bad Homburg.

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