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Der Unverbiegbare

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Von: Andrea Herzig

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Peter Löw, noch mit schmalem Jedermann-Band.
Peter Löw, noch mit schmalem Jedermann-Band. © Michael Schick

Peter Löw erhält das Schwarze Band der Bad Homburger Stadtgesellschaft, den höchsten aller Narren-Orden. Und zwar nicht nur, weil ihm das Band gut steht.

Es ist ein alljährliches Ritual. Die Stadtgesellschaft versammelt und feiert sich und vergibt am Aschermittwoch den höchsten aller Narren-Orden: das Schwarze Band von Bad Homburg in Samt und Seide, zu verleihen an einen, „der die Narrheit im Ernst der Zeit erkannt und ihr in Tun und Lassen Rechnung getragen hat“.

Das war in diesem Jahr, dem 40. Jahr der Verleihung, der Unternehmer und Dachdeckermeister Peter Löw. Einer, der seit Jahren ein begehrendes Auge auf das Ordensband geworfen hatte, wie er freimütig gestand.

Warum? Der augenfälligste Grund: Es steht ihm gut. Stifterwitwe Marliese Bernecker legte das breite, handgefertigte Ehrenband um das volle graue Haupthaar des 63-Jährigen. Da gibt’s nix, das konnte sich sehen lassen. Da zuppelte so mancher Anwesende das eigene schmale Bändchen vergebens auf dem Resthaar zurecht. Nur bei Winnetou selig sah je ein Stirnband fescher aus.

Der zweite Grund: Er hat es verdient, und er weiß es. Mit Selbstironie blickte Löw auf seine Taten und Narreteien zurück. Und widersprach jenen Gerüchten, es sei schon damals im Juni 1955 im Schwesternhaus zu einem konspirativen Treffen mit Ex-OB Michael Korwisi gekommen. Dieser habe das Haus zu jenem Zeitpunkt nachweislich bereits wieder verlassen gehabt. Korwisi wurde an gleicher Stelle zwei Monate früher geboren.

Und so ging es weiter. Bekannt war allen „Davongekommenen“, so die traditionelle Anrede der Büßergesellschaft, der Zwist Löws mit seiner Ex, der CDU. Im Herbst hat er sie verlassen. Er ist kein Parteisoldat, er lässt sich nicht verbiegen, wenn er jemanden (Korwisi) für gut und dessen Anliegen (den Einsatz für die Aktionsgemeinschaft) für richtig hält.

Ganz habe er der Partei dann noch nicht den Rücken gekehrt, gab Löw nun bekannt. Es kleben doch wieder Wahlplakate an seinem Zaun, und CDU-Kreischef Jürgen Banzer ließ den auch von der Parteiräson nicht Beugbaren in der Kreis-Union unterschlüpfen. Insofern ist die 40. Verleihung ein Novum, sind doch die Jahre einer Wahl bisher politisch nicht engagierten Narren vorbehalten gewesen.

Die vorgeblich Verkaterten – das gehobene Durchschnittsalter der Davongekommenen ließ karnevalistische Exzesse am Fastnachtdienstag zwar unwahrscheinlich erscheinen, aber wer weiß – bekamen noch weitere Wahrheiten ums Büßerband gehauen. Moderator Johannes Hübner entlarvte mit gewandtem Wortwitz so manche städtische Narretei wie den dauerhaft kaputten Aufzug im Bahnhof, die Biotonne oder das englisch ausgesprochene „KC“, vulgo „Move & Groove-Center“, am Bahnhof. Oder das Gejammer über den klammen Haushalt, wo doch jetzt fünf Milliönchen übrig sind.

Zu jeder Pointe, jeder Gedankenpause und jedem Namedropping prostete sich die Gesellschaft zu. Eigentlich, verriet Marliese Bernecker, sei in diesem Jahr eine Quelle ungewöhnlicheren Geschmacks an der Reihe gewesen. Doch das Aufheulen mehrerer Stammbüßer sei so groß gewesen, dass Bernecker die verträglichere Elisabethenquelle servieren ließ. Doch auch diese wirkte. Viel mehr als normales Mineralwasser, vor allem auf nüchternen Magen. Und so kam es, dass die wahre Herausforderung für die Davongekommenen die sich in die Länge ziehende Veranstaltung war, nicht der Fastnachtskater.

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