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Unterwegs im Nachtbus

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Warten auf den Nachtbus an der Konstablerwache.
Warten auf den Nachtbus an der Konstablerwache. © FR/Kraus

Die Buslinie n32 transportiert Bad Homburgs Nachtaktive nach Frankfurt und wieder zurück. FR-Mitarbeiterin Julia Wacket ist mitgefahren.

Von Julia Wacket

0.53 Uhr, Freitagnacht in Bad Homburg. In der Kurstadt ist es leise geworden. Die Fußgängerzone hat sich zur Taxizone verwandelt. Düster und still liegt der Kurhausplatz da, bis plötzlich ein holpriges Motorgeräusch aufklingt. Es ist der Bus n32, der Freitag- und Samstagnacht Bad Homburgs Nachtaktive über den Hessenring, Kurhaus und Dornholzhausen nach Frankfurt bringt. Wenn Bad Homburg ruht, ist er unterwegs. Er chauffiert Nachtschwärmer und Nachtarbeiter.

Nur wenige Passagiere

Im n32 ist es ruhig. Viele blaue Sitze sind unbesetzt. Diese "gähnende Leere" am frühen Samstagmorgen ist im Nachtbus keine Seltenheit. "Das ist ganz normal", erklärt Busfahrer Bui Kam Ale Albairak. Zwei bis drei Leute, fünf maximal, befördere er um diese Uhrzeit in seinem Nachtbus nach Frankfurt. Von Frankfurt nach Bad Homburg seien es mehr. Manchmal sind Betrunkene unter den Fahrgästen.

Außer "Nachtschwärmern" schätzen besonders Nachtarbeiter den Bus. Viele, wie der 31-jährige Bad Homburger Patrick Levüi, der in Frankfurt arbeitet, fahren mit ihm freitags und samstags nach Feierabend heim. So auch der 43-jährige Gastronom Olaf Sonnenberg aus Bad Homburg. "Der Nachtbus ist eine gute Alternative zum Taxi", meint er.

Es gibt auch besondere Nachtreisende, den Japaner Ko Hei Ota zum Beispiel. Mit einem filmreifen Anhaltemanöver stoppt sein Taxi an der Haltestelle Polizeistation. Der kleine Mann stolpert in den Bus, im Gepäck Trolley, Laptop und Gitarre. Leicht außer Atem erklärt Ota, dass er auf dem Weg zum Hauptbahnhof Frankfurt ist, um dort einen Zug nach Italien zu nehmen. "Der n32 ist der einzige Bus, der um die Zeit nach Frankfurt fährt." Er wünscht sich jedoch eine Haltestelle am Frankfurter Hauptbahnhof, da er in Frankfurt nun entweder wieder ein teures Taxi nehmen oder sein Gepäck selbst schleppen muss, um zum Bahnhof zu kommen.

Auf der Rückfahrt von Frankfurts belebter Konstablerwache bleibt es ruhig im Bus. Vier Fahrgäste sitzen vorne, jeder für sich. Diese Stimmung kennt Julian L. gut. Der Friedrichsdorfer nutzt den Nachtbus einmal pro Woche zum Ausgehen. "Mein Lebensmittelpunkt ist abends in Frankfurt. Daher ist der Nachtbus für mich sehr wichtig geworden." Schlimme Pöbeleien habe er noch nie erlebt. "Sonst nehme ich immer den letzten Bus. Dort sind dann mehr Leute, aber die ruhige Stimmung bleibt", sagt der 19-Jährige. Auch ein weiterer Mann empfindet den Nachtbus als eine "sichere" Einrichtung. "Das Einzige, das mal passieren kann, ist, dass sich einer hinten übergibt", sagt er. Für viele der befragten Fahrgäste ist der Nachtbus eine "super Einrichtung" und unverzichtbar.

Doch es gibt auch Verbesserungsvorschläge. Ein Fahrgast fragt, wie Busfahrer Albairak einen Konflikt schlichten könnte, wenn er kaum Deutsch spricht. Der Nachtbus sollte öfter fahren, regt ein anderer Gast an. Und auch unter der Woche, meint Julian L. Nach der letzten S-Bahn um ein Uhr komme er mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr nach Friedrichsdorf.

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