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Zu Unrecht beschuldigt

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Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.
Justitia, Göttin der Gerechtigkeit. © ddp

40.000 Euro soll die Frau ihnen gestohlen haben - so behauptet es ein Usinger Ehepaar. Doch das Gericht glaubt eher die Version der beschuldigten Gerichtsvollzieherin. Von Sabine Maurer

Von Sabine Maurer

Die Geschichte war von Anfang bis Ende dubios. Es geht um 40.000 Euro in einem Badeanzug, eine angeblich diebische Gerichtsvollzieherin und ein Ehepaar, das es mit der Wahrheit offenbar nicht ganz so genau nimmt.

Das völlig überschuldete Paar aus Usingen, das sich jetzt vor dem dortigen Amtsgericht verantworten musste, will die 40.000 Euro in einem Badeanzug in einer Kommode versteckt gehabt haben. Bei einer Pfändung vor fast drei Jahren sollen die Gerichtsvollzieherin oder ihre beiden Helfer dieses Geld gestohlen haben, behauptete das Ehepaar und erstattete Anzeige wegen Diebstahls. Die ganze Geschichte kam der zuständigen Staatsanwältin jedoch mehr als seltsam vor. Und so ging der Schuss für das Pärchen nach hinten los: Die Verfahren gegen die Gerichtsvollzieherin und deren Gehilfen wurden eingestellt, dafür wurde nun gegen das Paar wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung ermittelt.

Während der mehrtägigen Verhandlungen vor dem Amtsgericht erschien auch dem Richter die Version der beiden Usinger nicht allzu glaubwürdig. "Sie wussten doch, dass die Gerichtsvollzieherin kommt. Warum sollten Sie also Geld in einer Kommode verstecken, die gepfändet wird?", fragte er. Zumal das Geld den beiden noch nicht mal gehört haben soll, sondern einem Rentner aus Friedrichsdorf.

Dieser sagte gleich mehrfach aus und erzählte - mehrfach laut von der Angeklagten korrigiert - jedes Mal eine neue Geschichte. "Seine Aussage macht überhaupt keinen Sinn", befand der Richter in seiner Urteilsbegründung. Er verurteilte die beiden Angeklagten jeweils zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten. Außerdem müssen den zu Unrecht Beschuldigten insgesamt 3000 Euro bezahlen. "Die drei waren lange dem Verdacht des Diebstahls ausgesetzt und fürchteten sogar, ihre Jobs zu verlieren", erklärte der Richter seine Entscheidung.

Für den Rentner aus Friedrichsdorf wird das Usinger Gerichtsverfahren noch ein Nachspiel haben. Die Staatsanwältin will gegen ihn ein Verfahren wegen Falschaussage einleiten.

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