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Umgeben von Kunstwerken

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Von: Olaf Velte

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Im Kunst-Raum: Maria Lucia und Ingo Klöcker.
Im Kunst-Raum: Maria Lucia und Ingo Klöcker. © michael schick

Das Sammler-Ehepaar Klöcker lebt inmitten von Darstellungen des Weiblichen. „Unsere Sammlung ist gewachsen wie eine Pflanze, alles hat im Haus seinen Platz gefunden, ganz natürlich“, sagt Maria Lucia Klöcker.

Im Flur haben Dario Fo und Willi Sitte ihren Platz. Zwei Frauen-Porträts, deren stilistische Verwandtschaft auffallend ist. „Ein guter und ein böser Kommunist – beide beeinflusst von dem Champagner-Kommunisten Picasso“, sagt Ingo Klöcker. Zwei Schritte weiter verweist der „Akt im roten Sessel“ auf die Frauen des Wolfgang Mattheuer. Ein Gang durch das Homburger Haus reißt Zeit- und Lebenshorizonte auf, verstrickt Kunst und Alltag ins Unentwirrbare.

Hier also die Quelle, aus der sich die aktuelle Ausstellung der Altana-Kulturstiftung im Sinclair-Haus speist. Maria Lucia und Ingo Klöcker umgeben sich seit den ausgehenden 1980er Jahren mit einer Sammlung, die dem Bildnis des Weiblichen gewidmet ist und einzigartig sein dürfte. Erstmals waren 150 der mittlerweile mehr als 200 erworbenen Werke vor zwei Jahren im Duisburger Lehmbruck-Museum zu sehen: Ein Füllhorn, das künstlerische Handschriften der vergangenen sechs Jahrzehnte in sich birgt.

Schon früh hatte das Ehepaar sein Thema gefunden. Von dem „Interesse an der Kunst“ war es kein weiter Weg bis zu „einer Sammlung, die in sich sinnhaft ist“. In allen Räumen der Klöckerschen Wohnstatt ist zu erleben, dass Sinnhaftigkeit auf Vielfalt basiert. Da bedecken Fotografien von Barbara Klemm die Wand, wacht eine Lindenholz-Skulptur von Werner Stötzer hinter der Haustür, teilen sich Gemälde von Clive Head, Michael Triegel und Werner Tübke einen Eckplatz im Treppenhaus.

International ist das, von umgreifender Verschiedenheit. Maria Lucia Klöcker lässt keinen Zweifel daran, dass jede Arbeit hierher gehört: „Unsere Sammlung ist gewachsen wie eine Pflanze, alles hat im Haus seinen Platz gefunden, ganz natürlich.“ Nie, so ihr Ehemann, habe man fürs Depot zusammengetragen. „Wir sammeln auch keine Namen.“ Was sich zeigt, prägt den Lebensraum, ist Gegenüber, schafft Atmosphären.

„Ein Kunstwerk soll eine Geschichte erzählen.“ Geschichten, die nicht erbaulich sein müssen, die keine Facette des Daseins ausklammern. Fündig wird das seit 1990 in der Kurstadt wohnende Ehepaar auf Messen und in Galerien. In einem Vierteljahrhundert ist ein Netzwerk entstanden, haben sich Freundschaften entwickelt. „Da gibt es mittlerweile viele private Kontakte.“

Eine Freundin ist die dänische Malerin Nina Sten-Knudsen, deren monumentales „Girl with a Knife“ gerade im Sinclair-Haus präsentiert wird. Maria Lucia und Ingo Klöcker haben das Gemälde auf der Art Cologne entdeckt – „wir waren überwältigt“. Dass ihr Haus für das Großformat zu klein ist, konnte das Glück nicht trüben. Heute hängt das rätselvolle Bildnis einer das Messer in ihrer Hand taxierenden Frau, hinter der sich grandios eine Landschaft dehnt, als Leihgabe im Würzburger Dommuseum. „Ein Bild, mit dem man nicht fertig wird.“

Wenn die Arbeitstage in Kanzlei und Buchhandlung beendet sind, wartet im eigenen Heim eine eigenwillige Gesellschaft zeitgenössischer Kreativkräfte. Dann kann es sein, dass die „Leipziger Schule“ sich zu Wort meldet, dass Kiki Smith ein Gespräch unter vier Augen fordert. Eine Vielzahl an Stimmen, an Stimmungen. „Die Bilder kommunizieren untereinander, wir kommunizieren mit den Bildern“, so Maria Lucia Klöcker. Ihr Mann sagt: „Sie sagen auch etwas aus über uns, unsere Lebensgeschichte.“ – Die derzeit ausgestellten Kunstwerke haben Lücken hinterlassen.

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