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Regisseur erklärt Hauptdarsteller den brisanten Fall.
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Regisseur erklärt Hauptdarsteller den brisanten Fall.

Tatort-Dreh

Tukur kneift, Thieme schmeißt

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Limousine, Pferd und Engelsgeduld: FR-Mitarbeiter Olaf Velte war beim „Tatort“-Dreh im Kransberger Schloss mit dabei.

Am Schlossberg rangiert ein blauer Lastwagen. Schmal ist die Straße; Zentimeterarbeit. Ein Mann mit Funkgerät weist ein, irgendwo knirscht es bedenklich. Obwohl die Zufahrten zu dem Kransberger Wahrzeichen abgeriegelt sind, herrscht arge Platznot rund um das hochgelegene Areal. Kleine und große Autos, Menschen und Material, ein paar Hunde: Der Hessische Rundfunk setzt seinen 65. „Tatort“ in wildromantischer Taunuslandschaft in Szene.

„Motiv: Haus Bemering/Innenhof“ ist auf dem tagesaktuellen Produktionsplan vermerkt. Zum Einsatz kommen Hauptdarsteller Ulrich Tukur als LKA-Ermittler Felix Murot, Bemering-Darsteller Thomas Thieme und Tobias Langhoff, der einen schwarz gekleideten Fahrer gibt. Blickpunkt im Hof des Schlosses ist ein glänzender 600er Benz mit roten Ledersitzen – ebenso angemietet wie das geschichtsträchtige Bauwerk und weitere Privathäuser im Ortskern. Über die Höhe der Mieten will Christian Bender von der HR-Pressestelle nicht reden: „Das geschieht alles nach Absprache.“ Jedenfalls habe man im Gegensatz zur leer stehenden Zulassungsstelle in Usingen am Kransberger Schloss nichts umbauen müssen. Dort gehört, daran zweifelt keiner im dreißigköpfigen Filmteam, das hochherrschaftliche Flair zur Grundausstattung.

Es ist der 15. Drehtag. Tukur und Thieme kommen aus dem dunklen Durchgang, die Limousine steht bereit. Verabschiedung, einsteigen, den Motor starten – ein Vorgang weniger Minuten. Nah fährt die Kamera heran. Jemand läuft ins Bild. „Das machen wir noch mal“, sagt Regisseur Justus von Dohnányi. Ausgangsposition. Tukur kneift die Lippen, Thieme schmeißt die Autotür. Dann brummt ein Flugzeug, das Hausglöckchen tönt, ein Fenster spiegelt. Wieder fährt die Kamera, die Sätze wiederholen sich.

Vor dem Abend soll noch eine zweite Szene im Kasten sein – diesmal mit Pferd. „Das soll ein Sanfter sein“, so der Ausstatter mit Blick auf den hereintrappelnden Braunen. Stellprobe ohne Kamera. Thomas Thieme, der zwischen 1984 und 1990 im Vordertaunus gewohnt hat, variiert seinen Text: „Was darf ich anbieten? Tee, Sherry – oder ein paar auf die Fresse?“ Zeit zum Loslassen. Der Drehtag wird erst nach Mitternacht enden.

Hinter dem Hauptgebäude wird das Abendessen vorbereitet. Ein Geruch von Bratkartoffeln zieht hinüber zum Bergfried, auf dem sich die Krähen tummeln. Kaffee und Cola machen die Runde, Zigaretten werden angezündet. Toto, der Hund von Ulrich Tukur, verdöst den Tag. Im Filmgeschäft ist die Engelsgeduld eine wahre Gabe. Wer die HR-Produktion im Dezember auf dem Bildschirm sieht, ahnt davon nichts.

Aus dem schauerkalten Gewölbekeller, in dem sich Dramatisches abspielt, geht es hinter die alten Gebäude, wo der Goldflieder das vergehende Sonnenlicht fängt. Eine Sense hängt an der Wand. Vom Hof her die Stimme des Regisseurs: „Danke. Licht aus. Umbau.“ Und die Kransberger Dorfglocke beginnt den Abend einzuläuten.

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