Im US-Wahlkampf wurde Donald Trump auf die Rolle genommen.

Kuriose Ausstellung in Bad Homburg

Mit Trump den Hintern abputzen

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Die Saalburg zeigt unter dem Titel „Drauf geschissen!“ eine Kulturgeschichte der Toilette – mit reichlich kuriosen Exponaten.

Wenn schon, denn schon! In seiner neuen Sonderausstellung befasst sich das Saalburg-Museum mit der Kulturgeschichte der menschlichen Notdurft. Während andere ein solches Thema womöglich mit verdruckster Zurückhaltung angehen würden, hat Saalburg-Direktor Carsten Amrhein die verbale Offensive gewählt. „Drauf geschissen!“, lautet der grelle Titel. Der aber den Vorteil hat, dass niemand, der sich die rund 200 Exponate und 27 Schautafeln ansieht, behaupten kann, er habe nicht gewusst, worauf er sich einlässt.

Bei aller verbalen Drastik basiert das Ganze zudem – wie in dem rekonstruierten Römerkastell üblich – auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage. So bekommt man nicht nur einen Stock mit Schwamm zu sehen, womit sich einst die Legionäre den Hintern abgewischt haben, oder ein Reiseklo aus viktorianischer Zeit. Man erfährt auch eine Menge über Toilettentechnik und -gewohnheiten von den alten Ägyptern bis zur Weltraumstation ISS.

Ein Schwerpunkt liegt naturgemäß auf der römischen Antike. Deshalb wurde die Ausstellung, die ursprünglich von der Sächsischen Burgen- und Schlösser- GmbH konzipiert worden ist und schon an fünf verschiedenen Orten in Deutschland zu sehen war, für die Präsentation auf der Saalburg noch einmal gründlich überarbeitet.

Für Kurator Peter Knierriem stellte das kein großes Problem dar. In den 90er Jahren hatte der heutige Leiter der sächsischen Schlösser-Gesellschaft seine ersten Berufsjahre in dem Römerkastell bei Bad Homburg verbracht. Seitdem habe man den Kontakt gehalten, sagt Saalburg-Chef Amrhein, und auch schon einmal eine gemeinsame Ausstellung entwickelt. Damals ging es um Weihnachtsschmuck.

Latrinen, „Kackstühle“ und „Scheißnasen“

Museumsdirektor Carsten Amrhein (links) und Kurator Peter Knierriem an der Selfiewand.

Und diesmal eben um Latrinen, „Kackstühle“ und „Scheißnasen“, wie die Vorbauten an den mittelalterlichen Burgen genannt werden, in denen sich einst die alten Rittersleut‘ entleert haben. Das Thema sei nicht nur ein menschlich-allzumenschliches, erläutert Amrhein, es werde auch immer wieder von den Besuchern bei Führungen durch die Saalburg angesprochen. Und bei der Sonderausstellung im vorigen Jahr, in der sich die Besucher vor diversen gemalten Hintergründen selbst als Römer in Szene setzen konnten, sei die Latrinenwand der klare Favorit der Selfie-Schützen gewesen.

Deswegen ist die Wand auch Teil der neuen Schau. Die römischen Latrinen bieten darüber hinaus eine gute Gelegenheit, den kulturgeschichtlichen Wandel zu verdeutlichen, den die vermeintlich „stillen Örtchen“ im Laufe der Zeit durchgemacht haben. Denn die Römer verrichteten ihre Notdurft gerade nicht heimlich, still und leise; Latrinen waren gesellige Treffpunkte, in denen auch die große und kleine Politik diskutiert worden ist. „Das Wort ,Scheißhausparole‘ passt in diesen Zusammenhang“, merkt Peter Knierriem an.

Um Politik geht es auch in einer Vitrine mit Schmähpostkarten und anderen Gegenständen, mit denen etwa Adolf Hitler, Osama bin Laden und George W. Bush (die beiden Letzteren in Form von Klobürsten) lächerlich gemacht werden sollten. Die aktuellsten sind Klopapierrollen mit den Konterfeis von Donald Trump und Hillary Clinton aus dem jüngsten US-Präsidentschaftswahlkampf.

Aber auch der lokale Bezug kommt nicht zu kurz. So ist ein Toilettenpapierhalter zu sehen, den Kaiser Wilhelm II. in seiner Bad Homburger Sommerresidenz verwendet hat – in einem als Klo umfunktionierten Frankfurter Schrank. Dieser war aber nicht das erste moderne WC in dem Barockschloss. Bereits 1829 hatte sich Landgräfin Elisabeth in ihrem Schlafzimmer eine Toilette mit Kirschbaumsitz einbauen lassen – und dabei eine sehr vorausschauende und umweltfreundliche Technik gewählt: Der Spülkasten wurde mit Brauchwasser aus der Dachrinne gespeist.

An der Saalburg selbst wurden zwei Latrinenanlagen ausgegraben. Eine vor den Toren des Kastells als Teil einer Therme und eine im Inneren der Anlage, die von den Soldaten genutzt wurde. Sie befindet im Nordosten, „an der tiefsten Stelle“, erläutert Museumsleiter Amrhein. So konnte die Kloake unter der Mauer abfließen. Womit sie aus dem Römischen Reich auf germanisches Gebiet verschwand.

Die Ausstellung

Die Sonderausstellung „Drauf geschissen!“ ist bis zum 20. Oktober im Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg zu sehen.

Geöffnet ist das Museum täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Euro für Erwachsene, Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.

Die Saalburg, Am Römerkastell 1, ist mit der Bad Homburger Stadtbuslinie 5 und der Taunusbahn erreichbar. 

www.saalburgmuseum.de

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