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Trude Hellbusch-Tomaschek-Ausstellung

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Von: Andrea Herzig

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Ursula Grezecha-Mohr erklärt ein Bild von Trude Hellbusch-Tomaschek.
Ursula Grezecha-Mohr erklärt ein Bild von Trude Hellbusch-Tomaschek. © Monika Müller

Eine Ausstellung im Gotischen Haus dokumentiert, wie die Malerin Trude Hellbusch-Tomaschek Themen einmal konkret, einmal abstrakt verarbeitet. Sie kannte alle modernen Stilrichtungen, sie ließ sich zeitlebens von der Avantgarde inspirieren und war gut, in allem, was sie tat.

Trude Hellbusch-Tomaschek malte meistens, was vielen gefiel. Ihre Bilder hatten handliche Formate, passten über das Sofa in Mittelschichthaushalten und hinter Schreibtischwände in nicht allzu großen Büros. Einige fanden ihren Weg auch ins Rathaus Bad Homburg.

Landschaften, Stadtansichten, Gartenecken, Blumen, Berge. All das malte die 1982 in Bad Homburg verstorbene und in Prag aufgewachsene Malerin mit großer Fertigkeit. Sie war ausgezeichnet ausgebildet worden an den Hochschulen von Wien und München. Sie konnte Grafik genauso wie Malerei und Skulptur, sie war geschult in textilem Gestalten, sie beherrschte viele Techniken. Sie arbeitete als Gebrauchsgrafikerin und als Lehrerin, entwarf Wappen, zum Beispiel das der Kur- und Kongressvereins, malte Auftragsporträts.

In Bad Homburg, wo die 1902 in Lübeck geborene Malerin seit 1945 mit ihrem Mann lebte, hatte sie eine Reputation. Sie war die künstlerische Leiterin des Künstlerbundes Taunus. Sie war unglaublich fleißig, stellte jedes Jahr neue Bilder aus. Die Ausstellungseröffnungen waren ein gesellschaftliches Ereignis, alte Presseartikel dazu zeigen Hellbusch-Tomaschek stets an der Seite des Oberbürgermeisters.

Die Malerin verkaufte gut – und finanzierte damit sich und ihrem Ehemann Viktor Hellbusch Reisen in die ganze Welt, wie sie in den 1950 er bis 1970er Jahren des 20. Jahrhunderts noch wenig üblich und vor allem sehr teuer waren. Ihr Bruder lebte in den USA, Hellbusch-Tomaschek stellte ihre Bilder auch in New York aus.

Auch wenn ihr Werk gut dokumentiert ist, der Mensch Hellbusch-Tomaschek bleibt ein Rätsel. Denn die Malerin, von der in Bad Homburg vor allem ihre sehr guten, aber konventionellen Arbeiten bekannt waren, hatte eine andere Seite. Sie war eine hochmoderne, und in der Rückschau gewiss unterschätzte Künstlerin.

Neben dem Konkreten widmete sich Hellbusch-Tomaschek dem Abstrakten. Die Ausstellung im Gotischen Haus dokumentiert, wie sie Themen einmal konkret, einmal abstrakt verarbeitet. Sie kannte alle modernen Stilrichtungen, sie ließ sich zeitlebens von der Avantgarde inspirieren und war gut, in allem, was sie tat.

Die Ausstellung im Gotischen Haus zeigt vom Konstruktivismus geprägte Arbeiten. Das Titelbild des Katalogs, leuchtende Mohnblumen, sieht Museumsleiterin Ursula Grzecha-Mohr in enger Verbindung zum Spätimpressionismus. Hellbusch-Tomaschek hat Monotypien hergestellt, entdeckte in den 1970er Jahren den Siebdruck, arbeitete plastisch mit Acrylfarben. Aber auch ihre Aquarelle sind von höchster Qualität, wie Ausstellungskurator Peter Lingens belegt.

Warum die Malerin nur weitgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit immer wieder neue künstlerische Wege ging, bleibt ein Rätsel. Lingens bedauert, dass die Malerin nur kleinformatige Bilder gemalt hat, doch die Künstlerin lebte mit ihrem Mann, von dem man nur weiß, dass er Kaufmann war und auch als Russischlehrer gearbeitet hatte, in einer kleinen Wohnung am Marienbader Platz. Trudl Hellbusch, wie sie sich privat nannte, malte vermutlich ausschließlich auf beengtem Platz zu Hause.

Man weiß nicht viel von der Künstlerin, bedauert Lingens. Sie hat wohl wenig über Privates geplaudert, nichts über ihre künstlerischen Beweggründe und Ziele weitergegeben. Auch Freunde und Zeitzeugen können nicht viel berichten. Als sie 1982 starb, erbte ihr Mann ihre Werke. Die Malerin hatte sie mit Fotos genau dokumentiert, so dass man heute in die Würdigung auch Bilder einbeziehen kann, die längst verschollen sind.

Das Paar hatte keine Kinder. Als die Malerin starb, verkaufte Viktor Hellbusch einige Werke. Als er 1988 90-jährig ebenfalls starb, kümmerte sich eine Freundin um die Bilder und hielt sie zusammen. Das Ehepaar war weit gereist, Trude hatte in den 1930ern sieben Jahre in England gelebt, sie muss eine welterfahrene Frau gewesen sein. Trotzdem baute sie ihre Qualitäten als Malerin nie öffentlichkeitswirksam aus. In der Kunstliteratur habe sie kaum Spuren hinterlassen, sagt Lingens. Das sei wohl typisch für die Biografien vieler Künstlerinnen der damaligen Zeit, urteilt Grzecha-Mohr.

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