Waldemar Schütze (Ombudsmann des Hochtaunuskreises), Landratsamt, Bad Homburg, im Bild: x von 3
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Waldemar Schütze.

Hochtaunus

Trotz Arbeit auf Sozialhilfe angewiesen

  • vonHarald Konopatzki
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Die Wohnungsnot hat sich zu einem der größten Probleme der Leistungsempfänger im Hochtaunus entwickelt. Waldemar Schütze erreicht als ehrenamtlicher Fürsprecher eine schnellere Bearbeitung der Anträge.

Einen wie Waldemar Schütze hätten andere Landkreise auch gern. Denn der 75-Jährige legt sich für seine Sache mächtig ins Zeug. Der ehrenamtliche Ombudsmann des Hochtaunuskreises ist seit dem Jahr 2012 für Anliegen unter anderem von SGB II-Leistungsbeziehern zuständig. „Der zeitliche Aufwand entspricht durchaus einer halben Stelle“, sagte Schütze bei der Präsentation seines achten Jahresberichts.

Anfangs, sagt Schütze, habe es teilweise „chaotische Zustände“ gegeben. „Rechtliche Grundlagen wurden damals missachtet.“ Viele Mängel seien mittlerweile beseitigt, viele seiner Vorschläge aufgegriffen worden, resümiert er. Die beiden Seiten – Schütze als unabhängiger Fürsprecher der Klienten, die sich ungerecht behandelt fühlen, und das Jobcenter als die Behörde, die geltendes Recht umzusetzen hat – haben längst zusammengefunden.

Bis zu 80 Anfragen

Oft gehe es heute um Missverständnisse. „Die Formulare und Anträge sind kompliziert“, da sind sich Schütze und die verantwortliche Dezernentin, Katrin Hechler (SPD), einig. Schütze nennt als Beispiel „Lernförderung“ und „Schulbedarf“. Werden die Begriffe im Antrag verwechselt, könne das zur Ablehnung eines im Grunde gerechtfertigten Anliegens führen.

Eine engmaschige Beratung hilft. „Wichtig ist, dass ein Ombudsmann zum Beispiel Akteneinsicht verlangen kann und somit wirklich auf Augenhöhe interagiert“, sagt Schütze, dessen erklärtes Ziel es ist, Probleme einvernehmlich zu lösen.

Sechzig bis achtzig Anfragen, Anrufe und persönliche Vorsprachen in der regelmäßigen Sprechstunde kommen im Monat zusammen. Schütze führt seinen Arbeitsnachweis akribisch – 497 gesendeten E-Mails stehen demzufolge 794 empfangene gegenüber. Der Mailverkehr ist ebenso zurückgegangen wie die Zahl der Fälle. Genau 793 Beratungen hatte Schütze 2019, im Vorjahr waren es noch 896 gewesen. Die meisten betrafen Fragen zu Leistungsbewilligungen im Rahmen des SGB II und Hilfe bei Schreiben an das Kundenreaktionsmanagement.

Waldemar Schützes Sprechzeiten als Ombudsmann des Hochtaunuskreises sind immer dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr in Haus 3 des Landratsamtes, 3. Stock, Zimmer 327.

Zu erreichen ist Schütze auch telefonisch unter 06172 / 999 88 88 oder per E-Mail: ombudsmann@hochtaunuskreis.de.

Der Ombudsmann ist unabhängig, arbeitet ehrenamtlich und kostenlos für Bürger. Er untersucht unparteiisch die ihm vorliegenden Fragen oder Beschwerden. Ist die Beschwerde begründet, setzt er sich bei der Verwaltung für eine entsprechende Korrektur ein. red

Schütze berät auch zur Grundsicherung im Alter (SGB XII) und bei Erwerbsminderung. Die sinkenden Fallzahlen seien nicht darin begründet, dass das Jobcenter aufgrund der guten Konjunktur weniger Klienten zu betreuen hätte. „Die Zahlen sind unterm Strich mit rund 11 000 Personen in 5000 Bedarfsgemeinschaften konstant, da wir mehr mit den hohen Wohnungskosten zu tun haben“, erklärt Dezernentin Katrin Hechler. So steige der Anteil an Menschen, die zwar arbeiten, wegen der hohen Mieten aber trotzdem aufstocken müssten.

Die Wohnungssuche hat Schütze denn auch als eines der großen Probleme identifiziert – dagegen tun kann er allerdings wenig. Mit der guten Kooperation des Kundenreaktionsmanagements ist Schütze hingegen sehr zufrieden. „Das Jobcenter arbeitet zunehmend besser.“ Auch externe Beratungsstellen, etwa von Vereinen, helfen bei der Vermittlung.

Langsam baue man auch den Berg an unerledigten Widersprüchen ab. Zu diesem türmten sich in Spitzenzeiten 2500 Fälle auf, mittlerweile sind es laut Stephanie Marx vom Kundenreaktionsmanagement noch 1500.

„Die Stelle ist in dieser Form in Hessen einmalig“ wissen Schütze und Hechler, die von Anfragen anderer Jobcenter berichten, die ähnliche Modelle etablieren wollen. „Dafür braucht es aber jemanden, der es wirklich ernsthaft betreibt“, sagt Hechler mit Blick auf Schützes großes zeitliches Engagement.

Positiv für das Jahr 2019 sieht Schütze Verbesserungen im organisatorischen Bereich. Die Bearbeitung von umfangreichen Anträgen zur sozialen Bildung und Teilhabe wurde zusammengefasst und vereinfacht. Für Familien mit wenig Geld bedeutet dies, dass die Fahrt mit dem Schulbus sowie das Schulessen kostenlos sind. Auch die Voraussetzungen für Nachhilfestunden vereinfachten sich, so Schütze.

Eine weitere Verbesserung: Bei Neuanträgen steht jetzt ein Team zur Vorprüfung zur Verfügung, was für eine deutlich schnellere Bearbeitung der Hauptanträge sorge. Außerdem sei das Servicetelefon personell verstärkt worden.

Im Bericht für 2018 hatte Schütze kürzere Antragsbearbeitungszeiten eingefordert, damit es beispielsweise nicht zu Wohnungskündigungen oder Stromsperren der Stromanbieter komme. Ein Anfang ist nun gemacht, denn es gibt eine direkte Anlaufstelle zur Prüfung von Mietangeboten bei Wohnungswechsel. Inzwischen geschieht dies meist innerhalb einer Woche. Trotzdem weist Schütze erneut auf die großen Probleme seiner Klientel bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum hin.

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