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Trink-Besuche bei alten Menschen

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Annette Otto von der Caritas reicht einen Trank.
Annette Otto von der Caritas reicht einen Trank. © FR/Müller

Viele ältere Menschen trinken bei den aktuellen Temperaturen zu wenig. Die Caritas in Oberursel schickt deshalb extra Betreuer los. Von Desirée Brenner

Von Desirée Brenner

"Na, wie ist es mit dem Trinken, Frau Müller?", fragt Edeltraud Lintelow. "Na ja", sagt die 88-jährige, "geht so". Eine Antwort, die Lintelow, Leiterin der Caritas-Sozialstation Oberursel, fast jeden Tag hört. Sie weiß, dass alte Menschen, obwohl sie mehr Flüssigkeit benötigen, weniger Durst empfinden. Deshalb will sie Ihnen helfen. "Soll ich ihnen noch etwas Apfelsaft mit Wasser nachschenken?" Der Trick mit dem Lieblingsgetränk funktioniert auch diesmal wieder. Frieda Müller trinkt.

Für die 250 Kunden, die von den 50 Mitarbeitern der ambulanten Pflege zuhause betreut werden, bietet die Sozialstation seit vergangenem Jahr im Sommer ein "Trinkpaten-Programm" an. Jeden Tag kommen die Pfleger dann mehrmals vorbei, um die alten Menschen zum Trinken zu animieren. Meist falle es schnell auf, wenn jemand zu wenig trinke. Der Getränkekasten werde langsamer leer, die Menschen würden plötzlich vergesslich, der Urin rieche stärker. "Wenn man die Haut mit den Fingern zusammendrückt und sie sich nicht sofort zusammenzieht, ist das ein Alarmzeichen", so Lintelow.

"Wer als alter Mensch nicht genug trinkt, nimmt an seiner Umwelt kaum mehr teil", so Lintelow. Das Blut werde dicker, die Hirn- und Herzdurchblutung verlangsame sich. Bedeutet: Die Menschen werden verwirrt, dämmern dahin, der Körper zieht sich auf seine Grundfunktionen zurück. Um das zu vermeiden, motivieren die Trinkpaten ihre Kunden. "Zum Beispiel trinkt man selbst einfach mit und schwärmt davon wie gut es schmeckt", so Lintelow.

Die Pfleger erstellen zusammen mit dem Kunden einen Trinkplan, auf dem festgelegt wird, was wie viel wann getrunken wird. "Der größte Schatz bei alten Menschen ist die Vergangenheit", so Lintenow. Wer früher etwas gern getrunken habe, tue es heute auch. Bei Demenzkranken helfe es, überall dort, wo die Person den Tag über auf jeden Fall vorbeikomme, "Getränkeinseln" aufzubauen. So stelle man zum Beispiel ein eingeschenktes Glas Apfelsaft auf den Weg zur Toilette bereit und klebe noch einen Erinnerungs-Zettel dran. Die Trinkpatenbesuche kosten etwa acht Euro pro Besuch oder werden von der Pflegekasse übernommen, wenn das Budget noch nicht ausgeschöpft ist.

Frieda Müller nimmt am Trinkpaten-Programm teil, obwohl sie zurzeit nicht daheim ist. Mit Frieda Reichel lebt sie zurzeit in der womöglich einzigen Krankenwohnung Deutschlands, die von einer Sozialstation betrieben wird.

Sie hat zwei Zimmer, liegt oberhalb der Sozialstation an der Hohemarkstraße 23 und kostet 32 Euro pro Tag. Frieda Müller fühlt sich hier wohl, denn die Räume sind hell und in der Küche gibt es alles, was ein selbstständiger Mensch braucht: Spülmaschine, Herd, Kühlschrank. Das Bad, in der eine behindertengerechte Dusche mit Haltegriff steht, gefällt Mitbewohnerin Erika Reichel. Sie ist hier, solange ihre Familie im Urlaub ist. Zuhause muss die 85-Jährige gewaschen werden, weil ihre Dusche im ersten Stock liegt. Sobald ihre Familie aus dem Urlaub zurückkehrt, wird sie wieder nach Hause ziehen.

Die Krankenwohnung wird aus den verschiedensten Gründen zwischen einem Tag und drei Monaten lang belegt. Sie ist laut Edeltraud Lintelow eine gute Möglichkeit, vorübergehende Heimaufenthalte zu vermeiden. Allerdings sei es eine Herausforderung für die Sozialstation, ihre Mieter zu verköstigen oder auch mal das kaputte Fernsehgerät zu reparieren.

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