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Trauerspiel in Grün

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Der schönste Sportplatz der Stadt soll für ein nobles Wohngebiet geopfert werden. Das Parlament entscheidet am Donnerstag.

Von Jürgen Streicher

Es müsste den Genossen und den Grünen eigentlich schmecken, dass gut betuchte Oberurseler oder reiche Neubürger das geplante neue Hallenbad bezahlen sollen. Wenn die Stadt dafür nicht einen schönen Sportplatz in wunderbarer Lage am Rand des innerstädtischen Grünzuges Portwiesen opfern müsste. Eine Spielwiese mit klassischer Aschenbahn, genutzt von sportlichen Randgruppen, soll weichen für ein Spielbecken, das ebenfalls nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung genutzt werden wird.

Die Parlamentarier, die heute indirekt über zwei wichtige Sportflächen entscheiden, müssen abwägen und Prioritäten setzen. Natürlich ist der Schulschwimmsport ein wichtiges Argument. Und das Vereinsschwimmen ebenfalls, ganz abgesehen von den leidenschaftlichen Freizeitschwimmern, die am liebsten täglich ihre Bahnen ziehen – ob draußen oder drinnen. Ein neues Hallenbad würde der Stadt gut zu Gesicht stehen, auch wenn es immer nur eine Minderheit für die körperliche Ertüchtigung erreicht. Mit dem Sportplatz ist das nicht anders.

Generationen von Oberurselern haben ihre erste sportliche Sozialisation auf dem Altkönigplatz erlebt. Ihre sportliche Initiation sozusagen, bei den Schulwettkämpfen der Bundesjugendspiele etwa. Laufen, Springen, Werfen. Auf der idyllisch am Bachpfädchen gelegenen Grünanlage mit der gepflegten Hainbuchenhecke als Sicht- und leichter Lärmschutz zur Altkönigstraße und zum Steinmühlenweg hin. Direkt am Bach, umsäumt von alten Eichen, Birken und Kastanien mit dem kleinen Hügel im hinteren Bereich, der den Sportlern in Pausen Überblick und mit seinen Bäumen Schatten bietet.

Natürlich ist der Sportplatz mit den uralten Umkleidekabinen in die Jahre gekommen. Lässt an Turnvater Jahn und seine ewigen Getreuen denken, wenn sich Seniorensportler dort mit Schleuderball und der Vorbereitung auf die Abnahme des Deutschen Sportabzeichens beschäftigen. Die Unkrautbüschel, die aus der Aschenbahn wuchern, die nicht eingefassten Sandgruben für den Weitsprung, die Kugelstoßfläche ohne richtigen Ring. Marginalien. Mit dem entsprechenden Willen ließe sich wieder ein perfekter Sportplatz daraus machen, auch wenn die „Stadionrunde“ nur 370,65 Meter und nicht die üblichen 400 Meter misst.

Die städtische Sportanlage („Kein öffentlicher Bolzplatz“ steht auf einem Schild am kleinen Sportlereingang vor den Kabinen) wird genutzt, das ist eine Tatsache. Von Abteilungen der TSG Oberursel, die den Platz einst für wenig Geld an die Stadt verkauft hat und sich jetzt darüber grämen wird. Von Schulen für den Schulsport, von Freizeit- und Betriebssportgruppen. Und von Vereinen, die keinen eigenen Fußballplatz zur Verfügung haben. Den Sportplatz an der Feldbergschule als mögliche Ersatzfläche öffentlich zu verkaufen, wäre Etikettenschwindel. Für Fußballspiele ist er zu klein, Leichtathleten bietet er überhaupt keine Möglichkeiten. Und Exoten wie Prellballern schon gar nicht.

Filetstück in bester Lage

Sportplatz oder Hallenbad, das ist die Frage geworden, die das Parlament spaltet. Zumindest bei der Entscheidung, wie das neue „Parkbad“ finanziert werden könnte. Einen Widerspruch zum städtischen Leitbild, in dem sich Oberursel als Stadt im Grünen anpreist, sehen Grüne und SPD im Willen zum Verkauf des grünen Filetstücks in bester Lage. Auch die Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG) will den Platz halten. Dem Verkauf des Parkplatzgeländes unterhalb des Schwimmbades für Wohnbebauung würden alle Fraktionen bedenkenlos zustimmen.

Für die Ur-Oberurseler unter den Parlamentariern dürfte es heute Abend eine Gewissensentscheidung sein, denn alle werden von sportlichen Erlebnissen auf dem Altkönigplatz zu berichten wissen. Welchen Preis ist das neue Hallenbad wert? Muss dafür das Tafelsilber verkauft werden oder lassen sich neben dem Parkplatz nicht auch andere städtische Flächen lukrativ verkaufen? Denn was weg ist, ist weg. Und die grüne Lunge atmet wieder ein bisschen kürzer. Natürlich will niemand die Portwiesen ankratzen.

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