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Totenkopf an der Kirchentür

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Hans Brütting ist kein Pirat, der die Kirche besetzt hat. Er ist Schädlingsbekämpfer. Mit giftigen Gasen kämpft er gegen die Holzwürmer in den Holzbalken. Dann erst kann die Sanierung von St. Ursula beginnen.

Von Jürgen Streicher

Der Totenkopf mit gekreuzten Knochen auf dem Warnhinweis hat Linda Koall ziemlich nervös gemacht. Als sie dann auch noch gelesen hat, dass das „giftige und geruchlose Bekämpfungsgas zu tödlichen Vergiftungen führen kann“, hat sie ein richtig „mieses Gefühl“ bekommen. Mit Sulfuryldifluorid wird zurzeit versucht, den Holzwürmern in der St.-Ursula-Kirche den Garaus zu machen. Linda Koall aber, Anwohnerin der St.-Ursula-Gasse, „will nicht fünf Tage begast werden“.

Keinerlei Gefahr für die Nachbarn verspricht indes Begasungsleiter Hans Brütting von der Spezialfirma aus dem fränkischen Lauf, die mit dieser Methode in der gesamten Republik den Holzwurm in Kulturgütern bekämpft. Der Warnhinweis mit Totenkopf sei eine Verpflichtung gemäß TRGS 512 (Technische Regeln für Gefahrstoffe), die alles über Begasungen auf 44 Seiten definiert. Dazu gehört auch die Kennzeichnung, die das Wort „Gefahr“ und das Symbol für „Giftig“ enthalten muss.

Komplett luftdicht verpackt

Lediglich ein schmales Absperrband ist im Abstand von etwa fünf Metern vom Kirchenhauptschiff gespannt, um Besucher fernzuhalten, die Totenkopf-Zettel zieren die verschlossenen Eingangstüren. Wie gering die Gefahr ist, soll auch dadurch belegt werden, dass der für heute Nachmittag geplante Gottesdienst mit Tiersegnung auf dem Kirchenvorplatz stattfinden kann. Vergiftungen, so Hans Brütting, seien nur bei Aufenthalt im begasten Raum zu befürchten.

Wirksam ist die Begasung nur, wenn alle Entwicklungsstadien der Schädlinge in allen Bereichen des betroffenen Raums abgetötet werden. Daher bleibt die Kirche fünf Tage lang luftdicht verpackt. Alle Fenster und sonstigen Öffnungen sind mit doppelt gewalzter und geschichteter Spezialfolie abgedichtet und verklebt. Vor dem ersten Einbringen der exakt auf die Raumgröße dosierten Gasmenge wird das gesamte Gebäude mit einem behördlich anerkannten Verfahren auf die erforderliche Dichtigkeit geprüft.

„So können wir jede Gefahr ausschließen“, sagt Brütting. „Es ist außerdem die einzige Möglichkeit, dass man alle erwischt. Denn die leben auch von Sauerstoff.“ Über computergesteuerte Messgeräte wird stündlich die Gaskonzentration außen und innen kontrolliert. Bis Montag wird das Verfahren angewendet, anschließend werden Absauganlagen eingesetzt. Schon ab Dienstag soll die Kirche wieder begehbar sein.

Die Begasung ist der Anfang der aktuellen Innenraum-Sanierung von St. Ursula. Danach müssen der feuchte Sockelputz erneuert werden und darunter liegende Leitungen neu verlegt werden.

Rund 410.000 Euro kostet die Hilfe für das Wahrzeichen der Stadt. Das Bistum Limburg und der Freundeskreis der Kirche finanzieren je 100.000 Euro, der Landesdenkmalschutz 70.000, die Stadt 50.000 Euro. Beim Rest hofft die Kirche auf Spenden.

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