Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gastbeitrag der Historikerin Rieber

Zum Todesschuss nach Kowno

Angelika Rieber ist treibende Kraft der Initiative Opferdenkmal hinter der Hospitalkirche in Oberursel. Die Historikerin schreibt seit vielen Jahren gegen das Vergessen, organisiert Begegnungen von Zeitzeugen des Nationalsozialismus und Jugendlichen.

Von Angelika Rieber

Nach Riga sollte der Transport gehen, der am 22. November 1941 in Frankfurt abfuhr. In Wirklichkeit traf der Deportationszug am 24. November in Kowno ein. Dort wurden alle Deportierten am folgenden Tag ermordet.

Alfred Grünebaum gehörte zu der Gruppe von Frankfurter Juden, die 1941 nach Kowno verschleppt wurden. Der Frankfurter lebte einige Jahre in Oberursel, 1924 heiratete er Liesel Dreydel, zwei Jahre später wurde die Tochter Anneliese geboren. In dieser Zeit lebte die Familie in der Lessingstraße in Oberursel.

Der Ehe war kein Glück beschert. Sie wurde 1937 geschieden. Die elfjährige Anneliese wurde in die USA geschickt, die Mutter folgte ein Jahr später. Alfred Grünebaum blieb in Deutschland und wurde wie sein Bruder Arthur im November 1938 verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht, wo er am 3. Februar 1939 wieder entlassen wurde. Seine geplante Auswanderung nach England scheiterte an den restriktiven Bestimmungen der Behörden, die den Aufbau einer neuen Existenz behinderten. Möglicherweise blieb Alfred Grünebaum auch in Deutschland, weil er seine Eltern nicht alleine lassen wollte.

Zwei Tage vor dem Beginn der Deportationen im Oktober 1941 starb der Vater. Zur selben Zeit wurde ein generelles Auswanderungsverbot erlassen. Innerhalb eines Jahres wurden fast alle damals noch in Deutschland lebenden Juden „in den Osten“ verschleppt und ermordet. Nur wenige überlebten den Holocaust. Während der erste Deportationszug am 19. Oktober nach Lodz ging, der zweite am 11. November nach Minsk, sollte der dritte Transport vom 22. November 1941 nach Riga gebracht werden.

Früh morgens an jenem Freitag wurde Alfred Grünebaum von Gestapobeamten zur Frankfurter Großmarkthalle gebracht, von wo aus der Zug startete. Der Zug kam nie in Riga an, sondern wurde nach Kowno umgeleitet. Als Begründung wurde die Überfüllung des Ghettos in Riga genannt. Nach drei Tagen Fahrt kam der Zug an.

Was nach der Ankunft in Kowno geschah, wird in dem Katalog der Ausstellung „Und keiner hat für uns Kaddisch gesagt…“ beschrieben. Sechs Kilometer mussten die fast tausend Menschen durch die Stadt zum Fort IX laufen. Bei diesem Fort handelt es sich um eine ehemalige Festung aus dem Jahre 1883, die in der Zeit der lettischen Republik als Haftanstalt diente. Einen Monat zuvor waren dort mehr als 10 000 litauische Juden erschossen worden.

Die Verschleppten aus Frankfurt verbrachten die Nacht in den Zellen der Festung. Am folgenden Tag, am 25. November, zwangen die Bewacher die Menschen zum „Morgensport“ in der eiskalten Luft. Im Dauerlauf mussten sie später in bereits von russischen Kriegsgefangenen ausgehobenen Gruben außerhalb der Umfassungsmauer des Forts laufen. In den bewaldeten Hügeln versteckte Schützen eröffneten das Feuer aus Maschinengewehren. Keiner der Verschleppten aus Frankfurt konnte diesem Massaker des Einsatzkommandos 3 entkommen.

Bis zum Sommer 1944 wurden mehr als 50 000 Juden in den Befestigungsanlagen von Kowno erschossen. Unter den Opfern sind neben Alfred Grünebaum mehrere Personen, die jahrelang in Taunus-Orten gelebt hatten, in Königstein, Bad Homburg und Wehrheim. Zusammen mit ihren drei in Königstein geborenen Söhnen wurde Fanny Steinberg im November 1941 nach Kowno deportiert. Ihr Sohn Helmut war damals 14 Jahre alt, sein Bruder Heinz war 12 Jahre alt, Günther, der Jüngste, wurde nur 7 Jahre alt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare