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Der Teufel raucht Zigarre

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Von: Olaf Velte

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Im Gustavsgarten: Die Villa Wertheimber zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Im Gustavsgarten: Die Villa Wertheimber zu Beginn des 20. Jahrhunderts. © Stadtarchiv

26 Mitteilungsbroschüren sind bereits unter Federführung der Stadtarchivare erschienen. Der neue Band aus dem Stadtarchiv versammelt fünf Vorträge zur lokalen Historie.

Wenn einer mit der Eisenbahn gen Homburg reist, jedoch mitten im schönen Monat Juni in Felle und Pelze gekleidet ist – dann ist höchste Vorsicht angebracht. Es wird Abd–el–Scheïtan sein, der da den gesunden Quellen des Taunus entgegendampft. Ein Mann – durchaus seriös – mit dunklem Bart, rotem Fes und glühender Zigarre. Dieser „Teufel im Bade“ ist eine jener Figuren, die durch das aktuelle Vortrags-Büchlein des Stadtarchives geistern – mithin unter die lokalhistorische Forscherlupe genommen werden.

26 Mitteilungsbroschüren sind bereits unter Federführung der Stadtarchivare erschienen, in ihrer Gesamtheit ein vortreffliches Nachschlagewerk zur Geschichte des Ortes darstellend. Da dürfen die Zeiten und Themen purzeln, sich Fernes und Nahes zueinander gesellen, die Anmerkungen in Detailfülle häufen. Dass der Autoren tiefere Einsichten auf dokumentenharten Fundamenten gründen, darf vorausgesetzt werden.

Da offenbart der Sporthistoriker Heiner Gillmeister in der aktuellen Ausgabe, warum die „Wiege des Tennisspieles“ und „The Home of Golf“ unterm Limeskamm zu finden sind. Eine Gründerliste des Homburg Golf Clubs von 1899 ist abgedruckt – eine von vielen sehenswerten, den Band bereichernden Ansichten. Auf Seite 139 blickt man auf das Schema eines Positive Infinitely Variable-Getriebes. Und ist mitten drin in der von Helmut Landerer erzählten Geschichte des Unternehmers und Stifters Werner Reimers. Was der 1965 Verstorbene hinterließ, lässt sich am Homburger Wingertsberg nachvollziehen.

Gustavsgarten und Villa Wertheimber sind weitere prägnante Plätze innerhalb der Ortsgrenzen. Ihnen widmet Stadtarchiv-Leiterin Astrid Krüger eine grundlegende Einlassung, die letzten Spuren folgt und keine Umwege scheut.

Zu den vortrefflichen Begriffen „Meier“ und „Meierei“ führt uns schließlich der studierte Landwirt und Gutachter Wolfgang Bühnemann. Von der Worterklärung ausgehend, spannt sich ein ins 18. Jahrhundert ausgreifendes Panorama zu den Gutsbetrieben der Landgrafen. Zur Darstellung kommt die existentielle Bedeutung der agrarischen „Urproduktion“.

Nicht verschwiegen werden daneben Streitigkeiten, Missgunst, Veruntreuung. Hessen-Homburg war im Besitz von mehreren Hofhaltungen, Gemarkungsteile in Homburg, Oberstedten, Seulberg, Kirdorf, Gonzenheim und Dillingen standen zur Verfügung. Eine große Rolle kam voreinst den Schafherden und Schäfern zu, auch stand die Wolle noch „verhältnismäßig hoch“ im Kurs. Geblieben ist fast nichts: Zumindest erinnert der Name „Meiereiberg“ an vergangene Domäne-Zeit.

Ob der Teufel im Bade noch aktiv ist? Klaus-Dieter Metz hat sich auf literarische Suche begeben, um den „ersten Homburg-Roman“ dingfest zu machen. Dessen Verfasser Carl Spindler war 1851 nachweislich Kurgast, sein zwei Jahre danach veröffentlichter Roman „Der Teufel im Bade“ ist beredtes Zeugnis dieses Aufenthalts. Am Ende wird der Erzähler nicht wegen der Quellen genesen – „das Weib allein wird Dich heilen, Dich beseligen“.

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