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Sprengstoffexperten und Beamte der Spurensicherung durchsuchen die verdächtige Wohnung in Oberursel.
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Sprengstoffexperten und Beamte der Spurensicherung durchsuchen die verdächtige Wohnung in Oberursel.

Salafismus

Terror-Verdächtiger an Rennstrecke gesehen

  • Fabian Böker
    VonFabian Böker
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  • Hanning Voigts
    Hanning Voigts
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Ein Spezialeinsatzkommando hat in Oberursel eine Wohnung durchsucht und eine Bombe gefunden. Die Polizei nimmt einen 35 Jahre alten Mann und eine 34-jährige Frau fest. Möglicherweise hatte das Paar einen Anschlag auf das Radrennen am 1. Mai geplant.

Die hessische Polizei hat offenbar einen terroristischen Anschlag mit möglichem islamistischem Hintergrund verhindert. Wie Stefan Rojczyk, stellvertretender Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, der Frankfurter Rundschau bestätigte, seien in der Nacht zum Donnerstag ein 35-jähriger Mann und seine 34-jährige Ehefrau in Oberursel im Hochtaunuskreis festgenommen worden. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung habe man eine Rohrbombe, Bauteile für ein Sturmgewehr und 100 Schuss scharfe Munition gefunden, so Rojczyk. Außerdem habe man insgesamt drei Liter Wasserstoffperoxid sichergestellt. Konkrete Anschlagspläne des Paares seien bisher allerdings nicht bekannt.

Halil und Senay D. waren den Sicherheitsbehörden den Angaben zufolge aufgefallen, weil sie Ende März in einem Frankfurter Baumarkt das Wasserstoffperoxid gekauft hatten – angeblich, um damit einen Teich zu reinigen. Wasserstoffperoxid kann auch zum Bau von Sprengstoff verwendet werden. Halil D. hat dem Vernehmen nach Chemie studiert. Wie Rojczyk weiter sagte, hat das Ehepaar zwei Kinder, sie seien zwei und vier Jahre.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach davon, dass mit der Festnahme des Ehepaars in Oberursel ein Terroranschlag verhindert worden sei. Es gebe den Verdacht eines salafistischen Hintergrunds, sagte der CDU-Politiker im Landtag in Wiesbaden. Auch Roger Lewentz (SPD), Chef der Innenministerkonferenz, sprach davon, dass mit der Polizeiaktion ein Terroranschlag vereitelt worden sei. "Gratulation nach Hessen, dass es gelungen ist, einen Terroranschlag zu verhindern", sagte der rheinland-pfälzische Innenminister in Mainz.

Der festgenommene Senay D. soll sich in den letzten Tagen vermehrt an der Strecke des bevorstehenden Radrennens rund um Frankfurt am 1. Mai aufgehalten haben. "Die Verdachtslage hatte sich zugespitzt", sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Albrecht Schreiber, am Donnerstag in Wiesbaden. Deshalb sei es zu der Durchsuchung der Wohnung des Ehepaars gekommen. Noch sei aber unklar, ob es gezielte Pläne gegen das Rennen gegeben habe, so Schreiber. Der Mann habe Verbindungen zur radikalislamistischen Szene im Rhein-Main-Gebiet, erklärte Schreiber. Er sei mit verschiedensten Delikten bereits polizeilich bekanntgeworden.

Nachbarn hören hohe Schreie

Beamte eines Spezialeinsatzkommandos sowie des hessischen Landeskriminalamts durchsuchten in der Nacht die Wohnung in der Hohemarkstraße in Oberursel und ein Auto und nahmen den 35 Jahre alten Mann und seine 34 Jahre alte Frau fest. Der Mann soll deutscher Staatsbürger mit türkischen Wurzeln sein, die Frau Türkin. Die Frau sei nach Angaben von Nachbarn stets tief verschleiert aus dem Haus gegangen. "Sie war komplett verhüllt. Sogar Handschuhe hat sie getragen", sagte Claudia D., eine Nachbarin, die gegenüber der durchsuchten Wohnung wohnt.

D. sagte, sie hätten von der Polizeiaktion in der Nacht zu Donnerstag nur wenig mitbekommen. Sie hätte zur fraglichen Zeit fünf bis sechs hohe Schreie aus der Wohnung kommen hören. Sie habe aber geglaubt, eines der Kinder des Paares habe geschrien. Ihr Sohn, Jan B., berichtete, er sei gegen 23.30 Uhr nach Hause gekommen und habe Polizisten in der Wohnung des Paares gesehen. Die Festgenommenen seien in der Straße zuvor nicht besonders aufgefallen. Die Frau habe er mit den Kindern öfters auf dem benachbarten Spielplatz gesehen.

Polizei sperrt Waldstück ab

Ein Polizeisprecher sagte auf Anfrage am Vormittag, es seien weitere Durchsuchungen in der Region Oberursel noch im Gange, die mit den Festnahmen in Verbindung stünden. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes sagte, ihre Behörde sei mit Sprengstoff- und Tatortexperten an den Ermittlungen vor Ort beteiligt. Noch am Mittag waren Sprengstoffexperten und Beamte der Spurensicherung in der Wohnung des Paares. Ein Polizist hob unter einer Treppe an dem Haus Erde aus. Des Weiteren sperrten Polizisten ein Waldstück in Richtung Feldberg großräumig ab. Dort soll der festgenommene Mann in den Tagen vor dem Polizeizugriff mehrmals gesehen worden sein. Es soll in der Nähe der Rennstrecke für das Radrennen liegen.

Die festgenommenen Mann und Frau schweigen nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Der Mann habe vor Jahren Verbindung zu der Sauerland-Gruppe gehabt. Ob es aktuelle Verbindungen zur Salafisten-Szene gebe, sei unklar

Radrennen als Ziel

Nach ebenfalls offiziell nicht bestätigten Informationen des Privatsenders Hitradio FFH soll das traditionelle Radrennen rund um Frankfurt am 1. Mai Ziel eines Anschlags gewesen sein.

Wasserstoffperoxid ist ein Grundstoff für die Herstellung von Sprengstoff. Auch die 2007 aufgeflogene sogenannte Sauerland-Gruppe hatte Wasserstoffperoxid verwendet. Der festgenommene Mann soll demnach über Kontakte zum Terrornetzwerk Al Kaida verfügen. (mit rtr/afp/dpa)

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