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Die Bühne ist da, wo der Teppich liegt: Mike Eckert vor einem Blues-Konzert in Köppern.
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Die Bühne ist da, wo der Teppich liegt: Mike Eckert vor einem Blues-Konzert in Köppern.

Friedrichsdorf

Ein Teppich für den Blues

  • VonOlaf Velte
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Kelleratmosphäre und Freundschaften: Der Privatmann Mike Eckert holt musikalische Hochkaräter nach Friedrichsdorf.

Mehr als eine halbe Hundertschaft an Konzerten hat Mike Eckert in den vergangenen fünf Jahren organisiert. Unter seiner Regie gastierten Musiker aus vielen Weltgegenden in Friedrichsdorf: Australier, Italiener, Engländer, Kanadier, Amerikaner, Deutsche. Alle hatten sie den Blues im Gepäck, diese aus zwölf Takten gebaute und existenziell so aufgeladene Musik.

Dem 54-Jährigen, gebürtig vom Niederrhein, stehen dabei keine Vereinsstrukturen oder Geldgeber zur Verfügung. Hier herrscht die Leidenschaft, ein privates Engagement, das mit dem Begriff „Hobby“ kaum zu charakterisieren ist. Zuletzt hat er „Die bluesige Seite von Rhein-Main“ auf Facebook eingerichtet, wo fortan jede regionale Regung des geliebten Musikstils verzeichnet wird.

Sein Konzertkalender für das laufende Jahr hat mittlerweile famose Gestalt angenommen; im monatlichen Abstand finden sich Juwelen vom Schlage Jordan Matthew Young mit seinem texanischen Southern-Wumms oder die von Andreas Kümmert begleiteten The Ron Lemons oder die finnischen Blues-Magier des Tomi Leino Trios. „Fast nur Acts, die zum ersten Mal hierher kommen“, sagt der Einzelhandelskaufmann und Familienvater.

Eigentlich ein Novum. Schließlich werden hier Freundschaften gepflegt, die sich der Hingabe an eine Kunstform verdanken, deren Grundlage die Arbeit hinter einem Maultier gewesen sein soll. So hat es jedenfalls Altmeister Bukka White einst formuliert. In der Rückschau auf das seither initiierte Bühnengeschehen spricht Mike Eckert von seinen „Wiederholungstätern“. Immerhin acht Mal hat sich – nur ein Beispiel – Kai Strauss mit den Electric Blues Allstars in der Taunuskommune eingefunden.

Wie fängt so etwas an, woher dieser Wille? Das Musikalische wächst während des Plattenauflegens in einem heimischen Bistro, in einem kleinen Münsteraner Club formt sich die entscheidende Idee. Bassist Erkan Özdemir spielt eine Schlüsselrolle, die Session-Atmosphäre nicht minder. Kurzum wird das Erlebnis in den Raum Friedrichsdorf transferiert, die Begeisterung auch zu Anlässen wie Hugenottenmarkt und Kulturnacht entfacht. Verbürgt ist der Auftakt, nach dem es keinen Stopp mehr gibt: Memo Gonzales & The Bluescasters bringen 140 Besucher im Hof des ehemaligen Mädcheninstituts in Schwung.

Für einige Zeit wird die von Mitstreiter Olaf Ludwig damals geführte „Impuls“-Bar zum Ort der Erweckung. Auf kleiner Empore agieren Sänger, Gitarristen, Bassleute, Mundharmonikabläser und Schlagwerker, trotz beengter Verhältnisse regiert der Groove. Nicht selten beginnen die sonntäglichen Konzerte bereits um 15 Uhr. „Nur Facebook und Mund-zu-Mund“, sagt der Friedrichsdorfer, wenn er auf seine Werbestrategie angesprochen wird. Rekrutierte sich die Gästeschar anfangs noch aus dem nahen Umland, reist die Blues-Gesellschaft heute aus dem ganzen Frankfurter Ballungsraum, sogar aus dem Saarland, an.

Weil Gastronom Ludwig den Wirkungsbereich in das „Forum“-Restaurant des Stadtteils Köppern verlegte, zog auch die musikalische Karawane weiter. Seit zwei Jahren ist „Ludwigs Keller Bar“ eine Spielstätte, deren intime Übersichtlichkeit – 80 Besucher bedeuten „ausverkauft“ – von den Musikern gelobt wird. „Das erinnert sie an die Anfangstage, ein willkommener Wohnzimmer-Effekt.“ Nur ein Teppich markiert das Bühnenrechteck, allenthalben gilt die Akustik als „sehr gut“.

Hinter dem ausschwingenden Tresen lagern zudem jene Flüssigkeiten, ohne deren Wirkung das mächtige Auftrumpfen von Black Market III oder John Campbelljohn’s Slide-Feinheiten nur halb so schön wären. Dass sich die blues-basierte Bandbreite von Boogie und Swing bis zu Rock oder Jump ausschwingt, ist dem Eckert’schen Spürsinn zu verdanken.

Die Organisationsarbeit wird mit „Schreiberei, Werben, Bedienen von Foren“ bezeichnet, längst sind die Kontakte weitreichend. „Als Privatmann darf ich eine Auswahl nach eigenen Kriterien vornehmen.“ Ausländische Musikanten könnten nur gebucht werden, wenn sie sowieso hierzulande auf Tournee seien. Es findet jedenfalls Anklang, dass die Hotelbetten in unmittelbarer Nähe der Bühne stehen. Eckert will ein gewisses finanzielles Risiko nicht verhehlen. Immerhin sind feste Gagen in Friedrichsdorf garantiert. „Wenn es null auf null ausgeht, ist es okay.“

Im März wird der Mann, der selbst kein Instrument bedient und derzeit wöchentlich bis zu drei Konzertanfragen bekommt, wieder eine Blues-Nacht auf die Beine stellen. Ein schon mehrfach erprobtes Konzept: „Eine regionale Band, eine überregional bekannte und eine international aufsteigende“.

Wenn die Begeisterung überschäumend ist, werden Mühen nicht gescheut. So hat sich Mike Eckert vor wenigen Monaten mit den Jungs von der aus Illinois stammenden Kilborn Alley Blues Band auf Tournee begeben. „Ein Sprung durch verschiedene Existenzen.“ Auch die Kilborn-Amerikaner können als Dauergäste im Taunus gelten. Einmal haben sie das Wohnzimmer der Veranstalter-Familie in eine Honky-Tonk-Bude verwandelt. – Wiederum eine dieser Geschichten. Wie von einem alten Bluesmann intoniert.

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