Bad Homburg

Tennis in Bad Homburg: „Größtes Sportereignis in Hessen“

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Die Verträge für ein Turnier des Weltverbandes WTA sind unterschrieben. Im Stadtparlament gibt es viel Lob, aber auch Kritik an mangelnder Transparenz.

Die Verträge sind unterschrieben. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) hat am Freitag seine Unterschrift unter die insgesamt drei Abkommen gesetzt, die Bad Homburg ab dem kommenden Jahr zum Standort eines internationalen Frauen-Tennisturniers machen sollen. Einer der Verträge ist nun auf dem Weg nach Wimbledon zum All England Lawn Tennis Club Limited (AELTC), dem Ausrichter des wichtigsten Tennis-Ereignisses der Welt. Der will das Bad Homburger Turnier gemeinsam mit der Agentur Perfect Match des Ex-Tennis-Profis Markus Günthardt und dem Management von Spitzenspielerin Angelique Kerber organisieren. Ausgetragen werden soll die erste Auflage vom 20. bis 27. Juni 2020 als direkte Vorbereitung für Wimbledon.

Von einer „einmaligen“, ja „historischen Chance“ sprachen die meisten Redner am Donnerstagabend im Stadtparlament, das den Plänen mit breiter Mehrheit zustimmte. Oberbürgermeister Hetjes nannte das Angebot aus Wimbledon ein „Geschenk für unsere Stadt“. Jürgen Stamm (SPD) sagte voraus, das WTA-Turnier werde sich zum „größten Sportereignis in Hessen“ entwickeln.

Es gab aber auch kritische Stimmen. So bemängelte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Daniela Kraft, mangelnde Transparenz bei der Finanzierung des Tennisereignisses. Konkrete Zahlen gibt es bislang nur für den Bau der sechs vorgeschriebenen Rasenplätze. Danach wird die AELTC den Löwenanteil der insgesamt gut 1,4 Millionen Euro übernehmen. Das Land Hessen will einen Zuschuss von 300 000 Euro geben. Die Stadt selbst müsste die restlichen 250 000 Euro stemmen, die aus den wieder kräftig sprudelnden Einnahmen der Spielbank entnommen werden sollen.

Unklar ist aber noch die Summe, die für die beiden Ersatzplätze fällig wird, die der Tennisclub (TC) Bad Homburg als Kompensation erhalten soll. Und auch über weitere Folgekosten gebe es allenfalls „vage Aussagen“, so Kraft. Hinzu komme, dass der TC für den Winterbetrieb auf den Ersatzplätzen eine Traglufthalle errichten will. Das sei „ökologisch indiskutabel“, bemängelte Kraft.

Der Fraktionschef der Bürgerliste Bad Homburg (BLB), Armin Johnert, forderte darüber hinaus ein Verkehrskonzept und eine Begrenzung von Parkplätzen. Infrage stellte er auch, ob in Bad Homburg überhaupt die weltbesten Spielerinnen antreten werden. Schließlich gebe es parallel bereits ein hochdotiertes Turnier im englischen Eastbourne. Die BLB enthielt sich denn auch wie ein Teil der Grünen der Stimme. Andere Grüne stimmten sogar gegen die Verträge, darunter auch Oberbürgermeister-Kandidat Alexander Unrath.

Amtsinhaber Hetjes verwies auf die Expertise der AELTC und von Markus Günthardt, der bereits das renommierte WTA-Turnier in Stuttgart organisiert. Gleichzeitig gestand er ein, dass die Tennis-Pläne unter „immensem Zeitdruck“ geschmiedet worden seien. Deswegen hätten noch nicht alle Kosten detailliert ermittelt werden können.

Unterstützung erhielt er von Philipp Herbold (FDP). Das Turnier biete eine „große Chance“, den Bekanntheitsgrad Bad Homburgs erheblich zu steigern, sagte der neue FDP-Fraktionschef. Hetjes sprach davon, dass eine Fernsehübertragung in weltweit 120 Länder geplant sei.

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