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Vom Taunus nach Tiflis

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Von: Fabian Böker

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Der Förderverein Taunus-Tiflis existiert seit fast 20 Jahren. Seine erste Aufgabe war die Sanierung der Patenschule, des 2. Georgischen Gymnasiums.

Kaputte Fensterscheiben, rausgerissenes Parkett, feuchte Kellerräume, fehlende Lampen, dazu ein übler Gestank – die Eindrücke, die Mitglieder zweier Chöre aus Bad Homburg und Oberursel 1996 in einer Schule der georgischen Hauptstadt Tiflis wahrnahmen, haben sie nachdrücklich geprägt. Schon kurz nach ihrer Rückkehr war für sie klar: Wir gründen einen Förderverein. Der ist nun seit 19 Jahren aktiv, zwischen dem Taunus und Tiflis.

„Förderverein Taunus-Tiflis“, so lautet dann auch der naheliegende Name. Seinen Ursprung hat der Verein im evangelischen Kirchenchor in Gonzenheim, dessen damaliger Leiter auch einen Chor in Oberursel hatte. Dieser war auf der Suche nach Kontakten in Ländern des ehemaligen Ostblocks. Da traf es sich gut, dass Angelika Keishold – Mitglied des Gonzenheimer Chores – schon lange eine Brieffreundin in Georgien hatte.

1996 waren dann erstmals Bürger aus Bad Homburg und Oberursel in Tiflis, besuchten unter anderem die Schule, an der Keisholds Brieffreundin unterrichtete – und sammelten noch vor Ort untereinander erste Spenden.

1997 folgte die Gründung des Fördervereins, dessen erste Aufgabe die Sanierung der Patenschule, des 2. Georgischen Gymnasiums, war.

Mit Hilfe von Spendengeldern wurden die Toiletten erneuert, die Fenster ausgetauscht, Turngeräte angeschafft. Manche Tafel von damals tut noch heute ihren Dienst. Ganze Lastwagen voller Möbel wurden nach Georgien gefahren, sie stammten aus dem Bestand mehrerer Schulen im Hochtaunuskreis. Beteiligt war unter anderem Achim Wacker, Ehemann der heutigen Vorsitzenden Renate Wacker und damals Lehrer an der IGS in Stierstadt. Er war es auch, der später den Schüleraustausch initiierte. Bis heute eine der tragenden Säulen des Vereins. Seit 2004 fahren im Zwei-Jahres-Rhythmus Schüler der IGS nach Tiflis, im Jahr darauf folgt der Gegenbesuch.

„In diesem Jahr“, erzählt Achim Wacker, der mittlerweile in Pension ist, „werden es 18 Schüler sein, die im Herbst nach Georgien fliegen“. Den Flug der Georgier übernimmt der Förderverein ebenso wie einen Zuschuss für die deutschen Schüler. Auch eine Schulband war schon zu Besuch in Bad Homburg. Und vor einigen Jahren, erinnert sich Vorsitzende Renate Wacker, schaffte man es mit Geld und Kontakten, einem beinahe gehörlosen Jungen medizinisch zu helfen. „Das Strahlen in seinem Gesicht, als er das erste Mal etwas hörte“, so Wacker, „werde ich nie vergessen.“

Um die Aktivitäten zu stemmen und bekannter zu machen, steht auch hier vor Ort viel an. Der Verein organisiert Lesungen, Vorträge und Ausstellungen, georgische Musiker kommen in die Kurstadt. Einmal im Jahr wird zur georgischen Tafel geladen, dann kommen rund 100 Besucher und genießen Essen, Wein und Musik aus der Kaukasus-Republik.

Nach all den Jahren haben sich persönliche Freundschaften entwickelt, manche Mitglieder waren schon über ein Dutzend Mal in Georgien, sie kennen sich mit der dortigen Kultur aus. Und freuen sich, wenn es heute nicht mehr wie vor 20 Jahren heißt: „Georgien? Wo liegt denn das?“

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