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Andrea Pfäfflin und Sybille Winkelhaus (von links) setzen sich für naturbelassene Wälder ein.

Hochtaunus

Der Taunus als Klimaspeicher

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Für zwei Jahre war der Hochtaunuskreis eine von fünf Modellregionen für das bundesweite Projekt „Speicherwald“. Nabu und Kreis ziehen Bilanz.

Für das Treffen haben Sybille Winkelhaus und Andrea Pfäfflin ein Waldstück bei Wehrheim vorgeschlagen. Und das nicht nur, weil die Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Hochtaunus und ihre Stellvertreterin in der Gemeinde hinter dem Taunuskamm leben. Wehrheim ist für sie auch ein Vorbild für andere Kommunen, wenn es um das Projekt „Speicherwald“ geht.

Erst jüngst hätten die Lokalpolitiker beschlossen, einige weitere Flächen des Gemeindewalds aus der wirtschaftlichen Nutzung herauszunehmen, sagt Andrea Pfäfflin, die für die SPD im Parlament sitzt. Damit können sich nun acht Prozent des Wehrheimer Walds ohne menschlichen Eingriff entwickeln. Im Hochtaunuskreis beträgt die unbewirtschaftete Fläche nach Angaben von Dieter Selzer, dem Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, derzeit 1800 Hektar.

Insgesamt sind zwischen Königstein und Grävenwiesbach 23 800 Hektar von Wald bedeckt, das ist die Hälfte des Kreisgebiets. Damit gehört der Hochtaunus zu den waldreichsten Regionen Hessens.

Das Projekt 2016haben der der Naturschutzbund Deutschland und der Verein Klima-Bündnis das bundesweite Projekt „Speicherwald“ ins Leben gerufen. Ziel ist, die Bedeutung unbewirtschafteter Wälder für den regionalen Klimaschutz stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Modellregionensind neben dem Hochtaunuskreis die Städte Rostock, Hannover, Tübingen und Saarbrücken.

Finanziertwurde das Projekt über den Waldklimafonds, der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) getragen wird.

Die Abschlussveranstaltungist am 18. und 19. September in Erfurt.

www.speicherwald.de

Dass auch hier der Klimawandel zunehmend seine Spuren hinterlässt, sieht jeder, der derzeit rund um den Feldberg unterwegs ist. Besonders die Fichten leiden unter der Trockenheit und dem Befall durch den Borkenkäfer. „Es wird zu einem großen Wandel kommen“, sagt Dieter Selzer. Ziel müsse es sein, in den kommenden Jahren den Wandel zum Mischwald weiter voranzutreiben, aber auch zusätzliche Flächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen.

Genau das ist das Ziel des Projekts „Speicherwald“, bei dem der Hochtaunuskreis als eine von fünf Modellregionen in Deutschland fungiert. Im Rahmen des Projekts sei es vor allem darum gegangen, ein Bewusstsein für die Bedeutung von naturbelassenen Waldgebieten zu schaffen, erläutert die Nabu-Vorsitzende Sybille Winkelhaus. Deshalb hat der Nabu Workshops für Lehrer und Naturparkführer angeboten und einen Flyer entwickelt, in dem die Vorteile von Naturwäldern für Klima- und Artenschutz aufgelistet werden. So speichert ein naturbelassener Wald deutlich mehr Kohlendioxid als ein Wirtschaftswald, weil die Bäume dichter wachsen und es mehr Totholz gibt. Dieses bietet wiederum zahlreichen Tierarten einen Lebensraum.

Wenn es nach dem Nabu geht, sollte im Hochtaunus eine zusammenhängende Fläche von 1000 Quadratmetern zum Naturwald erklärt werden. Sybille Winkelhaus schwebt auch schon ein konkretes Areal zwischen Glashütten und dem Feldberg vor. Allerdings räumt sie selbst ein, dass das schwierig wird. Schließlich dient der Taunus als Naherholungsgebiet für die gesamte Rhein-Main-Region.

Durch das „Speicherwald“-Projekt sei vielen Menschen das Thema bewusster geworden, ist Andrea Pfäfflin überzeugt. Der Nabu will aber auch mit Vorträgen und Führungen weitermachen, wenn das Programm im September offiziell ausläuft. Zumal der Naturwald auch dabei helfen kann, den Wald der Zukunft zu identifizieren. Derzeit seien selbst die Experten ziemlich ratlos, welche Baumarten die neuen Klimabedingungen am besten verkraften, schildert die studierte Biologin Winkelmann. Im Naturwald könnten sich möglicherweise je nach Standort spezielle Genlinien entwickeln, die mit der Trockenheit besser klarkämen.

Ganz ohne menschliche Eingriffe kommt aber auch ein Naturwald nicht aus. Ein großes Thema sei das Wild, sagt Andrea Pfäfflin. Eine zu große Population von Rehen und Hirschen verhindere, dass junge Bäume nachwachsen könnten. Deswegen sei es manchmal nicht zu vermeiden, mit der Flinte nachzuhelfen.

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