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Tankstelle für die Seele

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Die Autobahnkirche Medenbach an der A3 Köln-Frankfurt bei Wiesbaden.
Die Autobahnkirche Medenbach an der A3 Köln-Frankfurt bei Wiesbaden. © epd

Vor zehn Jahren wurde Hessens erste Autobahnkirche eingeweiht: Die Kirche Medenbach an der A3 Köln-Frankfurt feiert Jubiläum.

Seine Existenz verdankt der Klinkerbau mit der markanten Pultdachkonstruktion dem früheren Wiesbadener Unternehmer Alfred Weigle. Obwohl dieser aus der evangelischen Kirche ausgetreten war, spendete er 1,8 Millionen Mark, um die erste „Tankstelle für die Seele“ in Hessen zu ermöglichen.

„Seitdem haben mehr als 400 000 Menschen die Kirche besucht“, bilanziert der Medenbacher Pfarrer Utz Machert. Pro Tag machten rund 150 Menschen dort Station, um innezuhalten, ein Gebet zu sprechen, eine Kerze anzuzünden oder einen Eintrag im Anliegenbuch zu hinterlassen. „Inzwischen sind 26 dieser Bücher vollgeschrieben, vor Kurzem wurde das 27. begonnen“, sagt Machert. Die zu Papier gebrachten Gedanken, Wünsche und Fürbitten würden während der monatlichen Andachten vorgelesen.

Darüber hinaus feiere die Gemeinde jährlich am „Tag der Autobahnkirche“ einen Gottesdienst, bei dem er den Reisesegen spende, ergänzt Machert. Ansonsten überließen er und die Medenbacher Gemeinde den Sakralbau den Reisenden, denn die suchten dort in erster Linie Stille und keinen Pfarrer.

Gleichwohl werde die Kirche gerne von Kollegen aus benachbarten Gemeinden, der Notfallseelsorge und der Polizei zu Andachten genutzt. Auch der Stifter der Kirche sei dort immer wieder anzutreffen. Weigle wohne inzwischen in Medenbach und gehöre zu seiner Gemeinde. „Vor fünf Jahren ist er wieder in die Kirche eingetreten“, berichtet Machert.

Geplant wurde die Autobahnkirche von dem Mühltaler Architekten Hans Waechter. Der zehn mal zehn Meter große Klinkerbau wird dominiert von einer zwölf Meter hohen Glasdachkonstruktion, die im 45-Grad-Winkel in den Himmel ragt. Dafür entwarf der Langener Glaskünstler Johannes Schreiter ein Auferstehungsmotiv, das ganz in Blautönen gehalten ist. Als Altar dient ein mehr als sieben Tonnen schwerer Granitquader, der von dem Bildhauer Nikolaus Gerhart bearbeitet wurde. Für die künstlerische Gestaltung stellten die hessen-nassauische Kirche und das Bistum Limburg jeweils 50 000 Mark zur Verfügung.

Derzeit gibt es in Deutschland 38 Autobahnkirchen und -kapellen, davon zwei in Hessen. Die älteste wurde 1958 im bayerischen Adelsried eingeweiht. (epd)

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