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Täter womöglich psychisch gestört

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Von: Jutta Rippegather

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Spurensuche: Der mutmaßliche Messerstecher vom Bad Homburger Schlosspark ist kein unbeschriebenes Blatt. Erst im vergangenen Sommer hatte der 24-Jährige eine Richterin angegriffen.
Spurensuche: Der mutmaßliche Messerstecher vom Bad Homburger Schlosspark ist kein unbeschriebenes Blatt. Erst im vergangenen Sommer hatte der 24-Jährige eine Richterin angegriffen. © ddp

Vergangene Woche soll ein 24-Jähriger eine ihm unbekannte Frau mit 40 Messerstichen getötet haben: Nun wird bekannt, dass der mutmaßliche Mörder aus dem Bad Homburger Schlosspark für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt ist. Von Jutta Rippegather

Der mutmaßliche Messerstecher vom Bad Homburger Schlosspark ist kein unbeschriebenes Blatt. Erst im vergangenen Sommer war der 24-Jährige zwangsweise in psychiatrischer Behandlung, sagt die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu, auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Damals hatte er eine Richterin in Bad Homburg angegriffen, die über den Antrag entscheiden sollte, ihn unter Betreuung zu stellen.

Der 24-Jährige steht im Verdacht, am vergangenen Dienstag im Schlosspark eine ihm völlig unbekannte 78-Jährige mit mehr als 40 Stichen getötet zu haben. Der Haftrichter hatte ihn nicht in Untersuchungshaft geschickt, sondern in die Klinik für psychisch kranke Straftäter in Haina. "Es gibt Anhaltspunkte, dass er schuldunfähig ist", sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Möller-Scheu.

Die Rede ist von Schizophrenie. Die Krankheit Schizophrenie ist die häufigste Diagnose in der forensischen Psychiatrie Hessen. In der Regel bleibt es nicht die einzige: "Fast alle Patienten haben mehrere psychiatrische Diagnosen", sagt Rüdiger Müller-Isberner, ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie in Haina, zu der auch die Außenstelle Gießen gehört. Dort werden sämtliche psychisch kranken Straftäter aus Hessen behandelt - ob sie aus Frankfurt, Kassel oder Bensheim stammen.

Über den 24-Jährigen darf die Klinik keine Auskunft geben. Müller-Isberner kann nur allgemein informieren. Demnach ist der Fall nicht ungewöhnlich: 28 Prozent der Männer und Frauen in Haina und Gießen befanden sich in psychiatrischer Behandlung, als sie das Einweisungsdelikt begingen. Ob auch der mutmaßliche Messerstecher seine Medikamente nahm, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass die Richterin im Sommer die Unterbringung in die Psychiatrie im Waldkrankenhaus Köppern anordnete.

Hier kam das hessische Freiheitsentziehungsgesetz zur Anwendung, sagt Möller-Scheu. Es habe vorbeugenden Charakter, soll Menschen vor Aggressionen gegen sich selbst oder andere schützen. So lange keine Straftat begangen wird, sei das Wegsperren jedoch nur zeitlich begrenzt erlaubt. Und was nach der Entlassung aus der Klinik geschieht, stünde außerhalb der Macht von Ärzten und Richtern. "Man kann niemanden dazu zwingen, sich behandeln zu lassen."

Der 24-Jährige wird jetzt in Haina von einem Gutachter untersucht. Der entscheidet, ob er bis zur Verhandlung dort bleibt.

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