+
Johannes Janssen hat das Ausstellungshaus geprägt.

Museum Sinclair-Haus Bad Homburg

Das Fest des Kurators

  • schließen

Abschied mit Ausstellung: Johannes Janssen verlässt das Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg.

Es ist seine letzte Tat für Bad Homburg, für die gesamte Region. Wenn sich am 9. Dezember die Tür des Sinclair-Hauses nach neunmonatiger Techniksanierung wieder auftut, heißt es Abschied nehmen. Abschied von Johannes Janssen, der das Museum seit 2012 als Direktor geführt und maßgeblich geprägt hat.

Mit Beginn des neuen Jahres wechselt der Kunsthistoriker nach Hannover, übernimmt dort die Leitung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung. Sein Abschiedsgeschenk wird in dem denkmalgeschützten und nahe der Schlossmauer stehenden Gebäude bis zum 3. März 2019 zu erleben sein: „Aussicht – Einsicht“ gewinnt dem Thema „Fenster“ neue Aspekte ab, eröffnet Perspektiven des Innen, des Außen. Und trägt die mittlerweile unverwechselbare Janssen’sche Ausstellungs-Handschrift.

Mit einigem Aufwand wurde die Kunst- und Kulturstätte am oberen Ende der Dorotheenstraße nun für künftige Nutzungen hergerichtet. Klima-, Licht- und Audiotechnik sind nun auf modernem Stand, Heizkörper nicht mehr sichtbar, die Räumlichkeiten für Veranstaltungen größer. Noch immer aber herrscht im Sinclair-Haus jene besondere Aura, die Johannes Janssen als „das Kleine und Konzentrierte“ bezeichnet. Trotz starker Konkurrenz im Frankfurter Ballungsgebiet hat sich der stiftungsgetragene Präsentationsort zu einer unverwechselbaren Marke entwickelt.

Nicht geringen Anteil hat daran die etwa zehnköpfige Mannschaft der einstigen Altana Kulturstiftung. Auch nach der Eingliederung in die süddeutsche, ebenfalls von Susanne Klatten initiierte Stiftung Nantesbuch bleibt selbstständiges Arbeiten gewährleistet. „Die Zusammenführung“, so Janssen, „bietet großes Potenzial für alle Beteiligten“. Faustpfand ist jedenfalls die im Hessischen eingelagerte und rund 700 Werke umfassende Kunstsammlung. Ab dem kommenden Frühjahr treten Ina Fuchs und die frühere Museumsleiterin Andrea Firmenich als Homburger Kuratoren-Duo in Erscheinung.

„Die Lust am Diskurs, am Dialog wird bleiben“, sagt Janssen, der sich nach 18 Jahren im Ausstellungsmetier und kurz vor seinem 50. Geburtstag eine persönliche Zäsur erlaubt. Bleiben wird auch der Rhythmus von drei Präsentationen pro Saison. Es sind die weitgeschwungenen, besucherstarken Themenausstellungen wie „Still bewegt“, „Nach der Natur“ oder, zuletzt, „Buchwelten“, deren mutige Kombinationen neue Maßstäbe gesetzt haben. „60 Prozent der dort präsentierten Künstler waren wenig bekannt.“

Gewagt wurde ein „Denken in Räumen“, das abseits jeder Hermetik stets das Risiko des Scheiterns in sich trug. Erstaunen erfasste zuweilen auch die Macher – „wir waren selbst Besucher!“ Und: „Mit der Eröffnung einer Ausstellung ist es nicht getan.“ Ein Paket an Führungen, Begleitterminen, Kursen und Workshops rahmt wie selbstverständlich das Sinclair-Kunsterlebnis. Weil der Janssen-Stil – „Ausprobieren, Zulassen, Inszenieren“ – keinen Erfolgs- und Trendmodellen folgen muss, sind authentische, spannungsgeladene Einlassungen garantiert.

Mit Hilfe seines „tollen Teams“ gibt der gebürtige Ostfriese am 9. Dezember eine weitere, diesmal jedoch letzte, Schauprobe. Schon lange ist das Fenster-Motiv ein Bestandteil seines „Themen-Ordners“. Was romantisch grundiert ist, wird mit allen verfügbaren Kunsttechniken ins 21. Jahrhundert geholt: Gemälde, Fotografien, Installationen, Zeichnungen, Scherenschnitte. „Darauf freue ich mich sehr.“

Entscheidende Stunden stehen zuvor aber in den Zimmern und Geschossen des ehrwürdigen Sinclair-Hauses an. „Die Hängung ist das Fest des Kurators“, sagt Johannes Janssen. Obendrein ein Ereignis mit „Panikmomenten“, mit Ratlosigkeit, mit dem Mumm, eigene Konzepte über den Haufen zu werfen. Kurzum: ein Abschied mit Schmiss.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare