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Aus Südafrika zum Frühdienst

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Von: Fabian Böker

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Melanie Allen (rechts) demonstriert an ihrer Kollegin Erste Hilfe für die Seminarteilnehmer.
Melanie Allen (rechts) demonstriert an ihrer Kollegin Erste Hilfe für die Seminarteilnehmer. © Landsaid

Die Krankenschwester Melanie Allen geht mit einer Hilfsorganisation nach Kapstadt und Johannisburg. Sie nimmt dort an einem Projekt über „Erste Hilfe unter erschwerten Bedingungen“ teil.

Tafelberg statt Kurpark, Löwen-Safari statt Opel-Zoo, Seminare geben statt im OP stehen. Für zehn Tage hat Melanie Allen ihre Heimatstadt Bad Homburg mit Südafrika getauscht und dort für eine Hilfsorganisation Einheimische in Erster Hilfe ausgebildet. Zurückgekehrt ist sie mit zahlreichen Eindrücken und der Bestärkung, sich weiterhin auf diesem Gebiet zu engagieren.

Von der großen weiten Welt war Melanie Allen zunächst weit entfernt. Sie wuchs in Hildburghausen auf, einer Kleinstadt im Süden Thüringens. Ihre Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte die heute 27-Jährige im nahe gelegenen Coburg. Als sie damit fertig war, wollte sie unbedingt an eine Uni-Klinik wechseln. Ihre Wahl fiel auf Frankfurt am Main, wo sie seit nunmehr sechs Jahren arbeitet.

Doch ihre große Leidenschaft gilt schon seit Längerem den Einsätzen im Ausland. Sie war und ist beseelt von der Idee, Menschen in ärmeren Regionen zu helfen, ihr Wissen dort zu vermitteln, wo es dringend benötigt wird. So wie in Südafrika, wo sie zwischen dem 5. und dem 15. Oktober an einem Projekt über „Erste Hilfe unter erschwerten Bedingungen“ teilgenommen hat.

Vor Ort standen zwei Seminare in Kapstadt und Johannisburg auf dem Programm. Überschrieben waren beide mit dem Thema Kindertraumata. Während Mitglieder einer weiteren Hilfsorganisation den psychischen Aspekt beleuchteten, kümmerten sich Allen und Aracelli Sandersfeld, eine weitere Krankenschwester aus Deutschland, um die Praxis der Ersten Hilfe.

„In Deutschland können damit ja schon viele Menschen nicht richtig umgehen. Aber was ist, wenn selbst elementarste Hilfsmittel dafür fehlen, so wie hier in Südafrika?“, beschreibt Allen das Dilemma, in dem sich viele Lehrer, Kindergärtner und Sozialarbeiter befinden. Diese zählten zu den Teilnehmern der Kurse, und sie seien vollauf begeistert gewesen von dem, was ihnen gezeigt wurde.

Leere Flasche stabilisert Bruch

Das Schienen von Brüchen, wenn medizinisches Zubehör fehlt? Kein Problem. Melanie Allen nimmt zu Anschauungszwecken den Arm ihrer Kollegin, stülpt eine leere 0,5-Liter-Getränkeflasche drüber, schon ist der Arm stabilisiert. Eine blutende Wunde, aber keine Mullbinden zur Hand? Auch kein Problem, Ein Taschentuch, Schal oder sonstige Klamotten können ebenfalls prima als Druckverband dienen. Verletzte, die abtransportiert werden müssen, ganz ohne Trage? Melanie Allen bastelt einfach selbst eine, aus Bambusrohren und einigen Pullovern.

Bevor es für die Krankenschwester jedoch nach Südafrika ging, stand eine Fortbildung zum Thema Tropenmedizin, die Melanie Allen 2011 besucht hat. Während der Kurse lernte sie jemanden kennen, der über die Organisation LandsAid bereits in Haiti aktiv war. Melanie Allen war begeistert von den Möglichkeiten, die die Organisation bot und stellte den ersten Kontakt her.

Der nächste Schritt waren zwei dreitägige Vorbereitungskurse im bayerischen Kaufering. Und dabei „ging es schon zur Sache“, erinnert sich die 27-Jährige. Das Lesen von Karten sei noch harmlos gewesen, ebenso die Übungen, wie man sich in einer Gruppe zu verhalten habe. Zum Kursprogramm zählten jedoch auch ein Minentraining mit einem Soldaten oder das Durchspielen eines Rebellenangriffs.

Abschreckend wirkte das alles nicht auf Melanie Allen. Sie kam in die engere Auswahl für ein Projekt in Pakistan, wurde schließlich aber ausgewählt für Südafrika. Nachdem der entscheidende Anruf kam, „musste ich schnell meinen Stationsleiter anrufen und zehn Tage frei nehmen“, so Allen. Sie stieß auf Verständnis, und keine sechs Wochen später saß sie im Flieger nach Kapstadt.

Von diesem Verständnis hat sie auch in der Vergangenheit schon profitiert, denn Südafrika war nicht ihr erster humanitärer Aufenthalt im Ausland. Im vergangenen Jahr hat sie vier Wochen in Ghana verbracht, zu Beginn diesen Jahres zog es die Wahl-Homburgerin nach Tansania in ein Krankenhaus. Und Südafrika wird auch nicht ihr letzter Aufenthalt sein. „Nächstes geht es für sechs Monate nach Südamerika. In Argentinien und Peru will ich dann mindestens vier Wochen wieder aktiv sein“, blickt Allen schon nach vorne.

Wieder in Bad Homburg angekommen von ihrem Südafrika-Trip ist Melanie Allen übrigens an einem Dienstagabend. Am Mittwoch ging es direkt zum Frühdienst.

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