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Stirlingmotor in der Kellerwerkstatt

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Von: Olaf Velte

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In einem Oberurseler Mehrfamilienhaus geht ein neues Mikro-Blockheizkraftwerk in Betrieb. Die Stadtwerke Oberursel fördern die Innovation mit einem Zuschuss.

Schon im November hatte Gregor Schildt eine böse Vorahnung, kurz vor Weihnachten war es so weit: Die Heizung des Oberurselers wollte nicht mehr, gab kurzerhand ihren Geist auf. Gemeinsam mit dem Stierstädter Installateur Florian Frey wurde während frostiger Nachtschichten Neues geschaffen.

Eine Innovation, die von den Stadtwerken Oberursel mit einem Zuschuss von 4000 Euro gefördert wurde und gestern offiziell in Betrieb genommen wurde. Im Keller des Hauses Aumühlenstraße 10 steht nun ein Mikro-Blockheizkraftwerk. Als Pionier im Einsatz für nachhaltige Energienutzung darf sich nicht nur Privatmann Schildt fühlen, auch die Stadtwerke haben Neuland betreten. „Die erste Anlage dieser Art, deren Anschaffung von uns unterstützt wird“, sagt Sandra Schmidt, Leiterin des Segments Energiewirtschaft & Marketing. Mit weitaus größeren Blockheizkraftwerken kennt man sich aus: Eines wurde im Bahnhof installiert, ein weiteres steht im Frauenhaus. Auch das im Bau befindliche Schwimmbad soll damit bestückt werden.

„Wir denken, dass kleinen dezentralen Systemen die Zukunft gehört.“ Im Rahmen der Energiewende sei es gewünscht, alte Brennwerttechnik peu à peu zu ersetzten. Als lokaler Versorger, so Schmidt, wolle man mit Anschubfinanzierungen das Ganze voranbringen. Ein Anreiz, der in Anbetracht hoher Anschaffungskosten sinnvoll erscheint. „Die Zuschüsse decken nur einen Bruchteil des investierten Volumens“, so Gregor Schildt, der für das 1901 erbaute Mehrfamiliengebäude in dritter Generation verantwortlich ist.

Auf engstem Raum kalkuliert

Das Kellerkraftwerk hat eine Leistung von sechs Kilowatt – „völlig ausreichend für das große Haus“. Rund um die Uhr surrt ein Stirlingmotor, der Heizwärme erzeugt und einen Generator antreibt. „Jedes Molekül Erdgas wird in Strom verwandelt.“ Laut Schildt werden zwei Drittel der gewonnenen Energie selbst verbraucht, der Rest wandert ins Netz. „Die Wärme für den Hausgebrauch“, sagt Florian Frey, „ist sozusagen das Abfallprodukt.“

Um die verschiedenen Teile der Anlage in der schmal geschnittenen Werkstatt installieren zu können, musste auf engstem Raum kalkuliert werden. Als zusätzliches Element findet sich neben Antriebsblock, Trinkwasserkessel und Ausgleichsgefäss noch ein Pufferspeicher, der 500 Liter fasst. Der Stirling läuft schallgedämmt. Nach sieben Jahren, so Frey, rechne sich die Investition – je nachdem, wie sich der Strompreis entwickeln werde.

Für Sandra Schmidt hat der Oberurseler Hauseigentümer eine Vorreiterrolle inne: „Das ist eine Energiewende im Kleinen.“ Bei vielen Interessierten könne der Preis des Mini-Blockheizers jedoch Widerstand hervorrufen. „Wir haben verschiedene Hilfsmodelle, um auch hier unterstützen zu können.“ Derzeit gebe es Gespräche mit mehreren Bürgern, die ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten wollten.

Seit einigen Monaten arbeitet ein weiteres Kleinkraftwerk im Keller eines Altstadthauses. Die 20.000 Euro teure Anlage wurde seinerzeit mit Hilfe des Versorgers Süwag realisiert.

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