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Egal, wer neuer Rathauschef wird – der Widerstand gegen die „Josefstadt“ wird weitergehen

Politik

Offenes Rennen ums Rathaus in Steinbach

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Die „Josefstadt“ will keiner der drei Kandidaten. Trotzdem ist sie eines der zentralen Themen vor der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag.

Nein, Mike Josef (SPD) steht am kommenden Sonntag nicht zur Wahl. Trotzdem ist der Name des Frankfurter Planungsdezernenten im Steinbacher Bürgermeisterwahlkampf in aller Munde. Die nach ihm benannte „Josefstadt“ treibt Bürger und Politiker der Nachbarkommune gleichermaßen um. Wie sich der beiderseits der A5 geplante neue Frankfurter Stadtteil für bis zu 30 000 Menschen noch verhindern lasse, dürfte eine der häufigsten Frage an die drei Kandidaten sein.

Eine Patentlösung können seriöserweise aber weder Astrid Gemke (FDP) noch Moritz Kletzka (SPD) und Steffen Bonk (CDU) bieten. Schließlich wird die Entscheidung über den Bau der „Josefstadt“ nicht im Steinbacher Rathaus gefällt. Allerdings geben sich alle drei kämpferisch, wenn es darum geht, den Bau von Häusern westlich der Autobahn zu verhindern. Dass die derzeit laufenden Untersuchungen für den neuen Stadtteil, der bis dicht an die Steinbacher Bebauung heranrücken soll, so „ergebnisoffen“ verlaufen, wie von den Frankfurter Verantwortlichen angekündigt, glaubt in Steinbach jedenfalls niemand.

Auch „Lockangebote“ wie den Ausbau der U6 bis Steinbach wollen die drei Bürgermeisterkandidaten nicht akzeptieren. Unterschiede zeigen sich allerdings bei der Wahl der Protestformen. Brennende Heuballen werde es mit ihm nicht geben, sagte SPD-Mann Moritz Kletzka nun bei einer Podiumsdiskussion der „Taunuszeitung“, er setze auf Dialog. Die Mahnfeuer hatte die Steinbacher FDP zusammen mit der Initiative „Heimatboden“ im vergangenen Herbst entzünden wollen, musste aber wegen der anhaltenden Trockenheit darauf verzichten. Stattdessen verteilten sie Luftballons. Die Hochtaunus-CDU hatte derweil mit einem Sternmarsch gegen die Frankfurter Stadtteilpläne für Aufmerksamkeit gesorgt.

Dass die Steinbacher bereits vier Jahre nach der jüngsten Bürgermeisterwahl wieder zu den Urnen gerufen werden, ist dem Wechsel des bisherigen Rathauschefs Stefan Naas (FDP) in den Landtag zu verdanken. Der 45-Jährige ist nun in Wiesbaden wirtschafts- und kulturpolitischer Sprecher seiner Partei.

Das Rennen um Naas‘ Nachfolge erscheint offen. Selbst langjährige Beobachter der politischen Szene in Steinbach trauen sich keine seriöse Prognose zu. Dass es einer der drei Bewerber bereits im ersten Wahlgang schafft, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

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Sowohl CDU als auch SPD und FDP haben schon Bürgermeister in Steinbach gestellt. Wobei seit einigen Jahren die Freien Demokraten die wichtigste politische Kraft vor Ort sind – und das ausgerechnet in einer Stadt, die manchem immer noch als „Armenhaus des Vordertaunus“ gilt.

Die Stärke ihrer Partei ist denn auch ein Pfund, mit dem Astrid Gemke wuchern kann, die seit 2014 Vorsitzende der zwölfköpfigen FDP-Fraktion ist. Gleichzeitig möchte sie aber auch für eine Premiere sorgen: „Die Stadt ist reif für eine Bürgermeisterin“, findet die 51-Jährige.

Inhaltlich will sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken, etwa durch flexiblere Betreuungszeiten in den Kindertagesstätten. Während des Wahlkampfs sei ihr aber auch bewusst geworden, wie sehr den Bürgern das Thema Verkehr auf den Nägeln brennt. Deswegen will sich Gemke für eine Verkehrsberuhigung vor allem an der Kronberger Straße starkmachen. Außerdem kann sie sich vorstellen, einen „Winkebus“ durch Steinbach fahren zu lassen, in den man nicht nur an festen Haltestellen, sondern auch auf Zuruf einsteigen kann.

Als kaufmännische Angestellte kann Gemke bislang allerdings keine Verwaltungserfahrung vorweisen. Im Gegensatz zu dem Kandidaten der CDU, Steffen Bonk, der seit 2011 Hauptamtsleiter im Steinbacher Rathaus ist.

Sollte er gewählt werden, könne er bei vielen Themen für einen „nahtlosen Übergang“ sorgen, wirbt der 38-Jährige für sich. Das sei vor allem bei einigen anstehenden Großprojekten wie der Sanierung von Rathaus und Feuerwehrgerätehaus ein Vorteil. Was die Finanzierung angeht, setzt Bonk – wie seine Konkurrenten auch – auf die Zuschüsse aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“, das noch bis 2023 läuft.

Als CDU-Politiker hätte Steffen Bonk im Fall seiner Wahl eine Mehrheit im Stadtparlament gegen sich. Das würde für Moritz Kletzka nicht gelten. Allerdings stellt sich mancher bei dem 26-Jährigen die Frage, ob er nicht ein wenig zu jung ist für den Chefsessel im Rathaus. „Für gute Politik gibt es kein richtiges Alter“, hält Kletzka dagegen.

Inhaltlich will er sich mit seinem „Steinbacher Modell“ profilieren, das vor Ort für bezahlbaren Wohnraum sorgen soll. Darin schlägt er unter anderem vor, Investoren auf eine feste Quote vergünstigter Wohnungen zu verpflichten, wie es in einigen Nachbarstädten schon geschieht. Außerdem möchte er mit den in Steinbach aktiven Wohnungsbaugesellschaften bestehende Quartiere weiterentwickeln. Darauf setzen auch Gemke und Bonk, die ihrerseits ankündigen, den bestehenden Stadtentwicklungsplan zusammen mit den Bürgern weiterzuentwickeln zu wollen.

Die Wahl

6700 Wahlberechtigte sind am kommenden Sonntag, 24. März, aufgerufen, einen neuen Rathauschef für Steinbach zu wählen. Eine mögliche Stichwahl wäre zwei Wochen später am Sonntag, 7. April.

Bei der Bürgermeisterwahl 2015 lag die Wahlbeteiligung bei lediglich 37,9 Prozent. Allerdings gab es seinerzeit mit Stefan Naas (FDP) auch nur einen Kandidaten.

Die Ergebnisse der Wahl werden am Sonntag öffentlich im Feuerwehrgerätehaus, Am Rathaus, präsentiert. Einlass ist ab 18 Uhr. (twe)

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