Bürger-Solaranlagen

Anteile sind der Renner

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Statt in wackelige Aktienfonds können die Taunus-Bürger jetzt wieder in die Zukunft investieren. Die Stadtwerke Oberursel eröffnen ihre sechste Bürgersolaranlage. Von Detlef Sundermann

Statt in wackelige Aktienfonds können die Bewohner des Hochtaunuskreises jetzt wieder über die Stadtwerke Oberursel in die Zukunft investieren. Heute geht die sechste Bürger-Solaranlage ans Netz. Die 46 Photovoltaikmodule auf 75 Quadratmeter Dachfläche des Feuerwehrgerätehauses in Köppern produzieren bei ungetrübten Sonnenschein bis zu 10.000 Watt Strom. Genug Energie, um drei bis vier Haushalte mit vier Personen zu versorgen, so die Stadtwerke. Eine siebte Anlage entsteht derzeit unter Bürgerbeteiligung auf einer Wehrheimer Kindertagesstätte. Dort hat der Versorger bereits Ende 2007 auf 68 Quadratmeter des Daches 28 Module verlegt. Planungen gibt es für Kronberg auf der Tagungs- und Kongressstätte Altkönig und in Schmitten.

Knapp 300 Personen haben bislang Geld in das Projekt der Stadtwerke investiert. "Die Anteile gegen zügig weg", sagt Gert Vieweg, Kaufmännischer Leiter und Projektleiter. Fast alle Anlagen sind voll finanziert, sagt er. Lediglich für das zweiten Sonnenkraftwerk in Wehrheim gebe es noch ein paar Anteile. Das geliehene Geld wird auf 20 Jahre mit drei Prozent Zinsen auf den Restbetrag zurück gezahlt.

Die Oberurseler Agenda-Gruppe hatte im Jahr 2003 das Projekt mit einer Anfrage initiiert. "Das Problem bestand darin, ein Modell zu finden, das für eine Dauer von 20 Jahren tragfähig ist", so Gert Vieweg. Die Lösung: Die Stadtwerke kaufen und warten die Anlagen, der Bürger streckt in Anteilen von je 500 Euro dem kommunalen Betrieb das Geld vor. 2004 entstand so das erste Feld aus Photovoltaikpaneels auf dem Dach der Stadtwerke. Bald darauf fragte die Stadt Kronberg an. Dort wurde 2007 eine 17,4 Kilowatt-Anlage installiert, die von 80 Bürger mit unterschiedlichen Anteileerwerb vorfinanziert wurde. Bei allen bisherigen Anlagen sind die Kommunen auf die Stadtwerke Oberursel zugekommen

Derzeit noch ein Vorbildprojekt

Für die Stadtwerke hat sich mit den Bürger-Solaranlagen eine neue und offenbar erfolgreiche Sparte geöffnet. Strom wurde bislang nicht verkauft. Trotz hoher Einspeisungsvergütung spricht Vieweg nach Abzug aller Ausgaben und der Tilgung von einer eher bescheidener Rendite. Die Stadtwerke sehen das Projekt mehr als Vorbildfunktion. Denn der Betrieb kann für sich kaum die Öko-Fahne hissen: Im Oktober gab man die umstrittene Beteiligung am Kohlekraftwerk Brunsbüttel in Höhe von einer viertel Million Euro bekannt.

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