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Stadtteilkultur vor dem Aus

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Entspannen vom Schulstress beim Tischtennis.
Entspannen vom Schulstress beim Tischtennis. © Götz Nawroth

Gleich zwei Einrichtungen für Jugendliche sollen schließen. der Haushaltsentwurf des Magistrats für das Jahr 2014 sieht vor, dem Verbund IB-Behindertenhilfe -Internationaler Bund (IB) als Träger die Zuschüsse zu streichen. Doch der kämpft um den Erhalt.

Wer Zweifel daran hat, was mit engagierter Jugendarbeit geleistet werden kann, der sollte hören, was Günay zu sagen hat. Er ist 19, seine Mutter ist alleinerziehend. Günay sagt von sich: „Ich habe immer viel Mist gebaut.“ Aber das war früher. Günay macht demnächst Abitur, danach will er studieren. Seit der fünften Klasse besuchte er regelmäßig den Jugendtreff in Weißkirchen. „Ich wurde hier erzogen. Ohne die wäre ich auf der Straße gelandet.“

Die, das sind die Betreuer im Jugendtreff. Menschen wie der Weißkirchener Gruppenleiter Refik Türkmen und der IB-Pädagogin Stefanie Wastl vom Jugendzentrum in Stierstadt. Unterstützung bei den Hausaufgaben, Hilfe bei jeglichen Problemen, ein warmes Essen, Spiele. All das bekommen Schüler in den Jugendtreffs, und das unabhängig von Herkunft, Hautfarbe. Trennungskind oder behüteter Kindheit – das spielt hier keine Rolle. Willkommen sei grundsätzlich jeder in den Anlaufstellen, betont Türkmen. Noch.

Zuschüsse streichen

Denn der Haushaltsentwurf des Magistrats für das Jahr 2014 sieht vor, dem Verbund IB-Behindertenhilfe -Internationaler Bund (IB) als Träger die Zuschüsse zu streichen.

Die Einrichtung in Weißkirchen steht vor dem Aus, ebenso wie das angeschlossene Stadtteilbüro und ein weiterer Jugendtreff in Stierstadt. 17 Mitarbeiter sind dort insgesamt tätig. Es herrschen Ratlosigkeit und Verzweiflung. „Hier sollen lebendige Häuser dicht gemacht werden“, sagt IB-Bereichsleiterin Susanne Köpp. Rund 200 Besuche im Monat registriert der IB nach eigenen Angaben in Weißkirchen, wenn nicht gerade Ferien sind. „Es geht uns darum, den Stadtteil zu unterstützen“, sagt Köpp. Der Treff sei ein Netz, das Menschen auffängt.

Man bekommt beim Besuch in Weißkirchen auch diesen Eindruck. Die Einrichtung hält den Stadtteil ein Stück weit zusammen. Wie ein sozialer Kitt. In Weißkirchen gibt es neben der Anlaufstelle für Schüler auch Angebote speziell für Frauen, für Senioren, ein Müttercafé.

Bisherige Arbeit vertrauensvoll

Die bisherige Arbeit mit der Stadt sei stets sehr vertrauensvoll gelaufen. Weil der IB in diesem Jahr bereits zugesagt hatte, 100 000 Euro einzusparen, wähnte Susanne Köpp ihre Einrichtungen auf der sicheren Seite. Es wären harte Einschnitte bei den Sachkosten gewesen, doch der Fortbestand schien nicht gefährdet. Doch dann kam der neue Haushaltsentwurf und damit das nun drohende Aus. Das Oberurseler Stadtparlament hat als letzte Instanz über die geplanten Kürzungen zu entscheiden. Doch der IB will nicht so leicht aufgeben, und die letzte Chance für die Einrichtungen mit Überzeugungsarbeit nutzen.

Für die Stadtverordneten und alle Interessierten gibt es nun bis zum 21. November die „Wochen der offenen Tür“, wie Susanne Köpp sagt. Hereinkommen, sich selbst ein Bild machen. Und sich überzeugen lassen, dass das hier sinnvolle Arbeit ist. Die Bürger sollen es so sehen und ihren Fraktionen im Stadtparlament schreiben. Vielleicht kommt ja auch ein Politiker zum IB. Und hört Günay zu, oder einem anderen mit einer solchen Geschichte. Es sind genug da.

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