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Stadt vergrault Wildschweine

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Von: Andrea Herzig

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Hier findet die Wildsau Würmer und Larven. Susanne Kahler von der Stadt und Förster Mathias Brand gefällt das gar nicht.
Hier findet die Wildsau Würmer und Larven. Susanne Kahler von der Stadt und Förster Mathias Brand gefällt das gar nicht. © M. Schick

In Stierstadt macht die Stadt das Gelände für Wildschweine unattraktiv. Die Tiere vermehren sich derzeit gut. Die milden Winter tragen dazu bei. Den Menschen freut dies nicht, er muss schauen, wie er die Wildschweine vergrault.

Mit der Stiefelspitze dreht Förster Mathias Brand ein Stück Grassoden um und tritt es fest. Das halbe Feld nahe der Weingärten-Umgehung ist umgepflügt. Starke Schnauzen haben hier nach Engerlingen, Larven und Würmern gesucht. Pünktlich zum Frühjahr stellen die Wildschweine ihre Nahrung von pflanzlichem auf tierisches Eiweiß um, dieses finden sie unter der Feldkrume.

Rotten mit bis zu 16 Tieren wurden hier gesehen. Die Wildschweine sind nicht nur hier, in den Randgebieten von Stierstadt ein Problem. Wo immer sie Schlafplätze finden und möglichst ungestört sind, werden sie bleiben. Die Tiere vermehren sich gut. Die milden Winter tragen dazu bei, sie haben keine natürlichen Feinde und an die Menschen, deren Gerüche und Geräusche, haben sie sich längst gewöhnt, auch wenn sie den Zweibeinern aus dem Weg gehen.

Die einzige Möglichkeit, die Zahl der Tiere im Zaun zu halten, ist, es ihnen ungemütlich zu machen. Deshalb haben die Stadt und mehrere private Grundstücksbesitzer nun um die 8000 Quadratmeter entbuscht, wie es im Fachjargon heißt.

Viel Brombeer- und Schwarzdorngesträuch ist entfernt oder gestutzt worden, Büsche wurden zurückgeschnitten. Baum- und Sträuchergruppen sehen jetzt wieder transparenter aus. Alles, wo man durchgucken kann, mag die Wildsau nicht, da kann sie sich tagsüber nicht verstecken. Auch die Wechsel von einer Straßenseite auf die andere konnten im Schutz wild wuchernder Büsche natürlich besser vonstatten gehen. Werden sie irgendwo leicht gesehen, ziehen sich die Tier aus dem Gelände zurück.

Entbuschungsaktion nicht billig

Die Entbuschungsaktion, die die Stadt in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde unternommen hat, ist nicht billig. Allein in diesem Jahr, schätzt Susanne Kahler, bei der Stadt Oberursel zuständig für das Thema, sind bislang rund 10 000 bis 15 000 Euro aufgelaufen. Im Herbst geht es weiter, bis Oktober darf außerhalb der Ortschaft nichts beschnitten werden, aus Rücksicht auf brütende Tiere.

Die Aktion gefällt nicht allen. Ende Januar veranstaltete die Stadt ein Informationstreffen für Anwohner, deren Grundstücke man als wildschweingefährdet einstufte. Da seien dann unterschiedliche Auffassungen recht emotional aufeinander geprallt, erzählt Brand. Da gibt es Menschen, die haben Angst vor den Tieren. Schüler nutzen in der Morgendämmerung die Wege zum Radfahren. Eine echte Gefahr gehe von den Wildschweinen aber nicht aus, sagt Brand. Manche Anwohner wollen am liebsten alle Tiere abschießen oder sogar vergiften lassen. Andere wiederum haben noch nie ein Borstenvieh selbst gesehen, zweifeln an den Angaben und möchten alle Brombeerhecken als Lebensraum für Kleintiere retten.

Was die Stadt nun gemacht hat, ist ein Kompromiss. Für Kleintiere und Vögel bleibt ausreichend Lebensraum, aber Wildschweine können sich nicht mehr so gut verstecken. Das Bejagen, erklärt Brand, sei ja auch keine Lösung. In einem Gelände, in dem auch nachts noch Jogger auftauchten, sei dies sehr gefährlich. Auch eine Treibjagd sei schwer berechenbar, die Tiere liefen womöglich in die Wohngebiete, die Bahnlinie müsse gesperrt werden.

Noch bleiben den Tieren Verstecke, nicht überall kann die Stadt entbuschen, viele Grundstücke sind privat. Am Rand eines eingezäunten Grundstücks mit Bäumen und Büschen zeigt Brand auf ein Stück vom Boden hoch gebogenen Maschendrahtzaun, keine 50 Meter von der Bebauung und den entbuschten Arealen am Ende der Urseler Straße entfernt. Da ist die Sau durch. Ein solcher Zaun ist für Wildschweine kein Hindernis. Vier Wochen später wird man keine fünf Meter weit in das Gelände hineinsehen können. Wildschweine sind schlau, sie lernen schnell.

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