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Auf Spurensuche

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Von: Andrea Herzig

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Auf dem Mahnmal steht auch der Name von Yitzhak Tzuriels Urgroßmutter Bertha.
Auf dem Mahnmal steht auch der Name von Yitzhak Tzuriels Urgroßmutter Bertha. © Angelika Rieber

Yitzhak Tzuriel besucht die Heimat seiner Urgroßmutter Bertha Hammelburg. Sie war Jüdin und wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Yitzhak Tzuriel ist auf Spurensuche.

In der vergangenen Woche begleitete die Historikerin Angelika Rieber den Besuch eines Nachfahrens der Oberurselerin Bertha Hammelburg. Sie war Jüdin und wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Yitzhak Tzuriel reiste aus Israel nach Europa, um dort den Spuren seiner Vorfahren nachzugehen. Nach Oberursel kam er, um den Geburtsort seiner Urgroßmutter Bertha Hammelburg zu besuchen. Deren Schicksal hat Angelika Rieber in ihrem Gedenkbuch zu den Lebensgeschichten der Verfolgten des Nazi-Regimes in Oberursel bereits beschrieben.

Der Ururgroßvater Yitzhak Tzuriels, Isaac Vos, wird in den Geburtsanzeigen seiner Kinder als Handelsmann bezeichnet. Yitzhak und Isaak, erklärt Rieber, sind derselbe Name. Wo Isaac geboren wurde, ist nicht bekannt, wohl aber, dass seine erste Ehefrau, Margarete Hess, genannt Gretchen, aus Oberursel stammte. Die Familie lebte in der Ackergasse 34, heute 22.

Das Ehepaar hatte sechs Kinder. Gretchen Vos starb im Alter von nur 39 Jahren. Isaak heiratete wieder. Mit seiner Frau Mina Rothschild hatte er zwei weitere Töchter, Bertha, 1886 geboren, und Johanna. Über die weiteren Lebenswege der Familienmitglieder gibt es wenig Informationen. Mina und Isaac Vos sind nicht auf dem jüdischen Friedhof in der Altkönigstraße beerdigt.

Yitzhak Uriel wusste, dass seine Urgroßmutter Bertha in Frankfurt geheiratet hatte, es gab wohl verwandtschaftliche Bande dorthin. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Ururgroßeltern von Yitzhak Tzuriel von Oberursel nach Frankfurt gezogen waren und dort beerdigt wurden.

Die Söhne Leopold und Albert sowie die Töchter Bertha und Johanna haben kein Grab, weder in Oberursel noch in Frankfurt. Sie wurden Opfer der NS-Herrschaft. Albert und Leopold Vos hatten versucht, ihre jüdische Herkunft zu verbergen. Dies gelang ihnen nicht. Albert Vos, der in Hamburg mehrere Monate im Gefängnis und im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert und worden war, starb 1944 an den Folgen von Misshandlungen. Sein Bruder Leopold starb 1945 im KZ Buchenwald.

Bertha und Johanna Vos heirateten zwei Brüder aus Holland und lebten dort mit ihren Familien. Sie erlebten im Mai 1940 den Überfall der deutschen Truppen auf die Niederlande. Ab Mai 1942 wurde die Kennzeichnung der Juden mit dem gelben Stern verordnet. Wenige Wochen später begannen die Deportationen.

Über das Durchgangslager Westerbork wurden die holländischen Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Von Amersfoort aus, wo Bertha Hammelburg mit ihrer Familie lebte, wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich am 19. November 1942 ermordet.

Yitzhak Uriels Weg durch Oberursel führte nicht nur an den früheren Wohnhäusern der Familie vorbei, sondern auch zum Denkmal für Oberurseler Opfer des Nationalsozialismus. Dort sind auch Bertha und ihre Geschwister genannt.

Dank eines Gedenkblattes in Yad Vashem, der zentralen Gedenkstätte in Israel, war bekannt, dass es einen Sohn Berthas gab, dem die Flucht nach Israel gelungen war. Dessen Enkel Yitzhak hat sich auf den Weg gemacht, um die Spuren seiner Vorfahren zu suchen. Von Oberursel aus reiste er nach Amersfoort, wo seine Urgroßmutter gelebt hatte.

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