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Die Auffahrt zum Waldkrankenhaus Köppern.

Friedrichsdorf

Das Waldkrankenhaus soll bleiben

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Die Friedrichsdorfer wollen ihr Waldkrankenhaus behalten. Der Landeswohlfahrtsverband denkt aber weiter über einen Neubau am Kronenhof nach. Von Olaf Velte

Das Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus, besser bekannt unter dem Namen Waldkrankenhaus Köppern, soll nach Meinung von Patienten, Beschäftigten, Friedrichsdorfer Bürgern und Politikern nicht nach Bad Homburg verlegt werden. Einstimmig haben die Teilnehmer einer Info-Veranstaltung im Friedrichsdorfer Rathaus den geplanten Neubau am Kronenhof abgelehnt.

Der Landeswohlfahrtsverband (LWV) erwägt, das geplante Kreiskrankenhaus und die Psychiatrie zusammenzulegen. Der Bebauungsplan sieht das "Sondergebiet Medizinisch-Klinisches Zentrum" zwischen der Bad Homburger Zeppelinstraße und den Zubringer-Schnellstraßen vor. Für einen Nachfolger des Waldkrankenhauses sind dort Investitionen von 30 Millionen Euro veranschlagt - der Umbau in Köppern könnte für 20 Millionen Euro realisiert werden.

Zur Infoveranstaltung eingeladen hatte der Betriebsrat des Waldkrankenhauses. Mitglied Michael Deichert sagte, dass weder Patienten noch Mitarbeiter an den Randbezirk der Kurstadt wollten. Der Standort zwischen Industriegebiet und Verkehrsadern sei denkbar ungeeignet, die zulässigen Lärmgrenzwerte für Krankenhäuser würden dort "erheblich überschritten". Problematisch auch die Anbindung: Nur per Bus sei die Innenstadt sicher zu erreichen. Außer Frage stehen dagegen die therapeutischen Vorzüge der naturnahen Umgebung im Taunuswald.

Ende der Laienhilfe

Im Falle eines Umzugs wird auch das seit vierzig Jahren bestehende ehrenamtliche Engagement der Laienhilfe zu Ende gehen. Dies machte Sprecherin Eva Bablick-Hoffmann deutlich. Eine Integration der psychisch Kranken, die derzeit in Köppern bestens funktioniere, werde dann fraglich. Schon die Angliederung an den konventionellen Krankenhausbetrieb sei schwierig, wie Werner Bierschenk, der ehemalige Geschäftsführer des Waldkrankenhauses, sagte. Oft gehe das Pflegepersonal auf Distanz zu den psychisch Kranken. In die Waagschale wurden auch die Therapie-Abbruchquoten geworfen, die in Köppern niedriger als in vergleichbaren hessischen Einrichtungen sein sollen.

Derzeit prüft die Vitos GmbH, eine Tochter des LWV, an welchem der möglichen Standorte die Vorteile überwiegen. In die Entscheidung eingebunden ist auch das hessische Sozialministerium. Vitos-Sprecherin Martina Garg sagte, dass die Fachklinik als Gesellschaft auch in Bad Homburg wirtschaften könne. Pläne für eine Privatisierung bestünden keine. Die endgültige Entscheidung soll schon im Mai fallen.

Die erhofften Synergie-Effekte des geplanten Klinikzentrums sind für Werner Bierschenk bloße Augenwischerei: "Es gibt bislang noch kein tragfähiges Konzept - zuerst muss ein Konzept da sein, dann kann man entscheiden." Auf welche Zahlen die Analysten bei Vitos sich stützen, sei schleierhaft, aus Köppern habe man keine angefordert. "Es existiert keine Wirtschaftlichkeitsanalyse", sagte Betriebsratsmitglied Deichert.

Die lokalen Politiker haben ihre Entscheidung bereits gefällt. Bad Homburgs Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) sieht am Kronenhof nur Platz für das Kreiskrankenhaus und lehnte eine Ansiedlung der Psychiatrie ab. Für den Erhalt am alten Platz plädierte die Landtagsabgeordnete und Friedrichsdorfer Bürgerin Petra Fuhrmann (SPD). Nägel mit Köpfen haben die Stadtverordneten aus Friedrichsdorf gemacht: Sie stimmten einhellig gegen die Umverlegung und schlossen eine mögliche andere Nutzung in dem Waldareal aus. Erster Stadtrat Norbert Fischer (CDU): "Wir wollen mit ihnen kämpfen."

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