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Soll der Hindenburgring wieder umbenannt werden? Die Frage wird auch bei der Stadt durchaus diskutiert.

Bad Homburg

Namensdiskussion um den Hindenburgring

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Darf eine Straße noch nach Paul von Hindenburg benannt sein? In Bad Homburg gibt es einige, die das mit einem klaren Nein beantworten - und den Hindenburgring umbenennen wollen.

In diesem Jahr jährt sich zum 100. Mal der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Oft wird dieses einschneidenden Ereignisses gedacht, es erscheinen neue Bücher, Experten diskutieren die damaligen Ereignisse im heutigen Licht. Gerhard Herbert, ehemaliger Sozialarbeiter und Fachdienstleiter der Stadt Bad Homburg, nimmt das traurige Jubiläum zum Anlass, seine Idee zur Diskussion zu stellen: Der Hindenburgring soll umbenannt werden.

Herbert hat diese Idee Oberbürgermeister Michael Korwisi in einem Brief mitgeteilt. In diesem bezeichnet er gleich zu Anfang die Tatsache, dass Bad Homburg überhaupt einen Hindenburgring habe, als Skandal. Herbert macht Paul von Hindenburg verantwortlich „für millionenfaches Töten und Sterben“ und unterstellt dem ehemaligen Obersten Heeresleiter und Reichspräsidenten, „nie Einsicht und Reue“ gezeigt zu haben. Nicht zuletzt habe er Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler gemacht.

Lesen Sie auch: Mit einer Protesaktion will die Initiative zur Umbenennung des Hindenburgrings die Diskussion um die umstrittene Straße in Bad Homburg neu beleben.

Für Gerhard Herbert Gründe genug, die Straße umzubenennen. Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Für Eva Ruppert, ehemalige Lehrerin in Bad Homburg, steht Hindenburg vor allem für Faschismus und Krieg. Eine weltoffene Stadt könne sich daher einen solchen Straßennamen nicht erlauben.

Unterstützung erhält Herbert von Ulrich Hummel, der seine Sichtweise auch wissenschaftlich untermauern kann. 2002 erschien ein Aufsatz von ihm in den Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde. Darin befasste er sich mit dem Zwei-Kaiser-Treffen, bei dem der österreichische Kaiser Karl I. am 3. April 1917 in Bad Homburg mit seinem deutschen Pendant Wilhelm II. zusammentraf. Karl wollte Möglichkeiten ausloten, den Krieg zu beenden. Er schlug Deutschland vor, auf Elsass-Lothringen zu verzichten. Treibende Kraft auf deutscher Seite, dies zu verhindern, soll Paul von Hindenburg, der spätere „Steigbügelhalter“ für Adolf Hitler, gewesen sein. Für Ulrich Hummel ist damit klar: „Der Hindenburgring muss umbenannt werden.“

Bei der Stadt ist das Thema bekannt. Wie Sprecher Andreas Möring mitteilte, werde die Idee der Umbenennung „immer mal wieder diskutiert innerhalb der Verwaltung“, ohne jedoch bislang konkret geworden zu sein. Gespräche mit den Anliegern würden geführt; es gelte, diese von einer möglichen Umbenennung zu überzeugen. Vorbehalte gebe es auch bei den dort angesiedelten Firmen – angesichts der Kosten, die eine neue Adresse für jeden Anwohner mit sich brächte.

Der Hindenburgring in Bad Homburg hieß nicht immer so, erst 1933 erhielt er seinen Namen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ring dann Teil des Hessenrings. Doch nur neun Jahre später wurde erneut das noch heute gültige Straßenschild angebracht. Über die Gründe gibt es keine Informationen mehr. Die Entscheidung fiel geheim im Magistrat der Stadt, das Protokoll dazu ist nicht auffindbar.

Beispiele aus anderen Städten, wie dort mit dem Namen Hindenburg umgegangen wird, gibt es. So war es in Münster erst der 16. Antrag – in diesem Fall durch die SPD – seit 1965, der 2012 schließlich dazu führte, den Hindenburgplatz in Schlossplatz umzubenennen. Auch im bayerischen Bad Tölz war es die SPD, die der Hindenburgstraße einen neuen Namen verpassen wollte. Der CSU-Bürgermeister verfolgte eher die Idee eines begehbaren Mahnmals entlang der Straße. Die Diskussion läuft noch.

Im fränkischen Coburg wurde die Straße unter Hinweis auf die praktischen Schwierigkeiten nicht umbenannt. Regelrecht absurd lief es in Garmisch-Partenkirchen ab. Dort beschloss der Gemeinderat die Umbenennung, musste sie aber nach einem Bürgerentscheid wieder zurücknehmen.

Es bleibt abzuwarten, wie Bad Homburg mit dem nur etwa 650 Meter langen Straßenabschnitt am Schlossgarten umgeht.

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