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Michael Krietsch möchte den Passanten am Bahnhof die Angst nehmen.

"Schutzmann vor Ort" in Bad Homburg

Mehr Sicherheitsgefühl am Bahnhof

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Der "Schutzmann vor Ort" in Bad Homburg zieht eine Zwischenbilanz.

Immer wieder komme es vor, dass sich Mitarbeiter aus den Firmen im Gewerbegebiet hinter dem Bahnhof nicht in die Unterführung trauen, die von dort aus zu den Gleisen führt. „Das ist zwar eine gut ausgeleuchtete, aber etwas unübersichtliche Ecke“, sagt Hauptkommissar Michael Krietsch, der in Bad Homburg als „Schutzmann vor Ort“ im Einsatz ist.

Hinzu komme, dass sich der Walter-Lübke-Platz vor der Unterführung zu einem Treffpunkt von jungen Menschen entwickelt hat. Dadurch könne es auch einmal etwas lauter werden und zu Rangeleien zwischen den Jugendlichen kommen. Übergriffe auf Passanten habe es aber noch keine gegeben, versichert Krietsch.

Dennoch sei sogar schon vorgekommen, dass sich Leute ein Taxi bestellt haben, um sich zum Haupteingang des Bahnhofs fahren zu lassen, berichtet die hauptamtliche Stadträtin und Ordnungsdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD).

Um für ein besseres Sicherheitsgefühl zu sorgen, hat die Stadt nun auf Vorschlag von „Schutzmann“ Krietsch auf der Rampe in Richtung Unterführung einen Spiegel anbringen lassen. So könnten die Menschen, die sich dem Bahnhof nähern, schon von weitem sehen, was an der Unterführung los ist. „Es gibt keinen toten Winkel mehr“, sagt der 59-Jährige.

Seit September ist Michael Krietsch in Bad Homburg als „Schutzmann vor Ort“ im Einsatz – als ein Ergebnis des Landesprogramms „Kompass“, das für eine bessere Zusammenarbeit von Polizei, kommunalen Verwaltungen und Bürgern sorgen soll. Ganz neu in der Stadt ist der Hauptkommissar allerdings nicht. Schon seit 1980 arbeitet er in verschiedenen Funktionen in der Polizeidirektion Hochtaunus. Als „Schutzmann“ soll er als direkter Ansprechpartner für die Bürger dienen.

Dennoch sei er am Anfang oftmals „kritisch beäugt“ worden, schildert Krietsch. Auch hätten manche Menschen noch eine Hemmschwelle, ihn auf der Straße direkt anzusprechen. Um sich und seine Tätigkeit bekannter zu machen, werde er in der kommenden Woche die Ortsbeiräte besuchen. Dabei soll es unter anderem um die Situation am Rathausplatz und auf der Ochsenwiese in Ober-Erlenbach gehen.

Die Lage am Rathausplatz hat sich nach Angaben von Lucia Lewalter-Schoor deutlich beruhigt. Im vergangenen Jahr hatten junge Leute durch Pöbeleien und Angriffe auf Sicherheitsdienst-Mitarbeiter am Rathaus und auch am Kurhaus für Ärger gesorgt. Mit einer Mischung aus aufsuchender Jugend- und Sozialarbeit und vermehrten Streifen von Ordnungsamt und Polizei habe man die Lage ganz gut in den Griff bekommen, teilt Lewalter-Schoor mit. Im Laufe des Jahres soll zudem eine zweite Stelle in der aufsuchenden Jugendarbeit hinzukommen, allerdings extern über das Zentrum für Jugend- und Suchtberatung.

Was die Ochsenwiese angeht, seien im vergangenen Jahr regelmäßig Beschwerden von Anwohnern bei der Stadt eingegangen, weil junge Leute dort bei gutem Wetter bis spät in die Nacht laute Partys feiern würden, berichtet die Ordnungsdezernentin. Ziel sei es deshalb, einen anderen Platz zu finden, an dem die Jugendlichen sich aufhalten könnten, wo sie aber niemanden störten. Dafür soll der Aufenthalt an der Ochsenwiese unattraktiver werden, indem die Bänke dort verschwinden und der Platz besser beleuchtet wird, kündigt Lucia Lewalter-Schoor an.

Im Rahmen des Projekts „Kompass“ hat Bad Homburg darüber hinaus Seniorenberater ausbilden lassen, die ältere Menschen über die neuesten Maschen von Betrügern aufklären – vom Enkeltrick bis zum falschen Mitarbeiter der Stadtwerke. Die Seniorenberater sollen als Multiplikatoren dienen und über ihren     Bekanntenkreis oder Vereine auch Menschen erreichen, zu denen die Polizei mit ihren Präventionskampagnen nicht in Kontakt kommt.

Michael Krietsch bietet als „Schutzmann vor Ort“ zwei Mal pro Woche eine Sprechstunde im Rathaus an, dienstags und freitags, jeweils von 10 bis 13 Uhr.

Bad Homburg gehört zusammen mit Schwalbach am Taunus, Hanau und Maintal zu den vier Modellkommunen für das landesweite Kriminalpräventions-Projekt „Kompass“. 

Das hessische Innenministerium hat die Initiative vor einem Jahr begonnen, um in Zusammenarbeit von Polizei, Kommunen und Bürgern die Sicherheit und das subjektive Sicherheitsgefühl in den einzelnen Städten und Gemeinden zu verbessern.

Inzwischen beteiligen sich 25 Städte und Gemeinden mit mehr als 950.000 Einwohnern an „Kompass“. Innenminister Peter Beuth (CDU) rechnet damit, dass im Laufe dieses Jahres 28 weitere Kommunen hinzukommen. Das Kürzel steht für „Kommunalprogramm Sicherheitssiegel“. twe/lhe

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