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Horst Gabor ist der dienstälteste Taxifahrer in Oberursel.

Interview zu Taxi-Branche

"Der Markt ist übersättigt"

Der alteingesessene Taxifahrer Horst Gabor über Dumpingpreise und eine zu freigebige Stadtverwaltung in Oberursel.

Herr Gabor, die SPD will den Oberurseler Taxifahrern Arbeit verschaffen. Sie hat vorgeschlagen, dass die Droschken abends den ausgedünnten Stadtbusverkehr auf den Linien vom Bahnhof nach Bommersheim und Oberstedten übernehmen. Wie finden Sie die Idee?

Davon halte ich gar nichts. Das wird nichts.

Wieso?

Weil zu wenig Publikum die Strecke fahren will. Oberursel können Sie nach 21 Uhr vergessen. Da klappen die Bürgersteige hoch. Und auf die Betrunkenen, die dann noch unterwegs sind, können wir verzichten. Die übergeben sich ins Auto - ich sage es Ihnen gerade so, wie es ist. Ich fahre seit 50 Jahren in Oberursel Taxi und weiß, wovon ich spreche. In Bad Homburg ist es übrigens nicht viel besser.

Kein Wunder, dass man abends Probleme hat, spontan ein Taxi zu bekommen.

Wir fahren von morgens um sechs bis abends um 23 Uhr, andere Unternehmen fahren noch länger. Wenn einer um ein Uhr nachts fahren will, ist das auch kein Problem. Wenn man den Wagen vorbestellt.

Leider gibt es in der Stadt keine Rufzentrale für alle Unternehmen.

Ja, leider. Ich bin seit 15 Jahren dran. Ich habe eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet, eine Taxi-Satzung gemacht. Das hat fünf Jahre gehalten, dann sind die Handys aufgekommen und die Fahrer haben ihre Kunden selbst akquiriert. Damit war das Projekt kaputt. Die Konkurrenz ist zu groß. Einer hackt dem anderen die Augen aus. Das wird einfach nichts.

Gibt es zu viele Taxis in der Stadt?

Der Markt ist übersättigt. Und die Stadt vergibt immer noch neue Konzessionen.

Konkurrenz drückt die Preise. Für Kunden ist das vorteilhaft.

Es gibt Unternehmen, die fahren zehn bis 15 Euro billiger als andere. Deswegen geht alles kaputt. Viele Unternehmen werden über den Jordan gehen, weil sie mit diesen Preisen nicht überleben können.

Die Sozialdemokraten haben noch eine andere Taxi-Idee. Sie schlagen vor, die Wagen auf Gas-Betrieb umzustellen. Die Stadt könne das mit Tankgutscheinen fördern. Mit diesem Vorschlag wird sich demnächst der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigen.

Das ist ein Witz. Ich weiß davon nichts. Auch wegen des Bus-Ersatzverkehrs haben wir noch nichts gehört.

Ihr Kollege Klaus Schütz, der Betriebsleiter des größten Taxiunternehmens in Oberursel, hat sich bitter über die Stadtverwaltung beklagt. Es sei nicht in Ordnung, dass der städtische Tarif seit vier Jahren nur bis zur Stadtgrenze gelte. Früher sei er für die ganze Rhein-Main-Region gültig gewesen.

Stimmt. Wir brauchen einen verbindlichen Nachttarif. Und wir müssen das Pflichtfahrgebiet mit ebenfalls verbindlichen Preisen bis zum Flughafen erweitern.

Kann die Taxibranche nicht selber einen Mindestpreis festsetzen?

Der Tarif wird oft ignoriert. Die Fahrer, die am Oberurseler Bahnhof auf Kunden warten, unterbieten sich gegenseitig. Eine Fahrt von Oberursel-Nord zum Flughafen kostet regulär 45 bis 50 Euro. Es gibt aber Einzelunternehmer oder Neulinge, die fahren für 30 Euro. Sie lassen sich von den Kunden im Preis drücken. Die Leute fahren für 6000 Euro in den Urlaub und fangen dann an, am Taxi zu sparen.

Halten sich die Unternehmen denn wenigstens bei Stadtfahrten an den offiziellen Tarif?

Nicht unbedingt. Da gibt es welche, die von Oberursel-Nord bis Bommersheim nicht zwölf, sondern fünf bis sechs Euro nehmen. Die interessiert es nicht, dass wir einen Tarif haben. Die könnten die Uhr ausbauen. Die stellen sie sowieso nicht an.

Das wäre doch ein Fall für das städtische Ordnungsamt.

Die Kommunikation funktioniert nicht. Wir wurden auch nicht informiert, als die Bauarbeiten an der Adenauerallee anfingen und der Taxen-Standplatz beim Tengelmann einfach gesperrt wurde. Wir mussten erst intervenieren, um wieder Platz zu finden. Überhaupt brauchen wir dringend ein Taxengespräch mit der Stadt. Früher lud sie die Unternehmen jedes Jahr zu einem Gespräch ein. Aber dieses Jahr ist es wohl ausgefallen. Warum auch immer.

Interview: Klaus Nissen

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