Bad Homburg

Kurstift braucht weiter Pflege

Auf Druck der SPD bekommt der Betriebsrat des Altenheims neben den Louisenarkaden jetzt einen Sitz im Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens.

Von ANDREAS KRAFT

Ursula Jungherr (CDU) ist als Oberbürgermeisterin von Bad Homburg nicht nur die Chefin im Rathaus, sie ist auch die Vorsitzende eines kleinen Konzerns. Denn die Stadt ist an insgesamt 24 Unternehmen beteiligt. Sechs davon gehören allein ihr. Darunter auch das Kurstift. Das Altenheim neben den Louisenarkaden machte der Konzernchefin in den vergangenen Jahren aber immer mehr Sorgen. Von Jahr zu Jahr wuchsen die Verluste - zuletzt auf 780 000 Euro im Jahr 2007.

Es war höchste Zeit umzusteuern. Auf Druck der SPD bekommt der Betriebsrat des Altenheims nun einen Sitz im Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens. Dafür hat sich nach dem Aufsichtsrat gestern Abend auch der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt ausgesprochen. Die Zustimmung des Stadtparlaments dürfte damit nur noch Formsache sein. Die SPD erhofft sich von dem neuen Aufsichtsratsmitglied eine bessere Kommunikation zwischen Betriebsrat und Heimbeirat.

Konzernchefin Jungherr dürfte in den vergangenen Wochen schon aufgeatmet haben. Denn neben den strukturellen Veränderungen sprechen auch die ersten Abrechnungen für das Geschäftsjahr 2008 dafür, dass es dem Kurstift Schritt für Schritt gelingt, sich aus der Krise frei zu strampeln.

Denn statt den erwarteten 400 000 Euro wird das Altenheim wohl nur knapp 300 000 Euro Verlust machen, wie Stiftsdirektor Klaus Brandl der Frankfurter Rundschau sagte. "Wir haben gut gewirtschaftet und an vielen Stellen gespart", sagt der Geschäftsführer. "Aber so, dass es zu keinen Leistungseinschränkungen für die Bewohner kam." Stattdessen habe sich die gesamte Belegschaft stark diszipliniert und nach Einsparmöglichkeiten gefahndet. So habe man im vergangenen Jahr etwa darauf verzichtet, einen Gärtner zu engagieren. Stattdessen hat sich die Haustechnik um den Garten gekümmert. "Da gebührt meinem Team auch ein großes Dankeschön", sagt Brandl.

Neben zu hoch verzinsten Bewohnerdarlehen - sie bekamen vier Prozent Zinsen, die am freien Markt aufgrund der Finanzkrise nicht zu erzielen sind - wurde auch der Mietvertrag für das Haus immer als ein wesentlicher Grund für das hohe Defizit angeführt. Das Gebäude gehört nämlich nicht der Stadt, sondern der Immobilien-Firma Jupiter, die im Lauf der Jahre auch die Miete erhöhte.

Zudem streiten seit Sommer 2008 Jupiter und Jungherr darüber, ob der Mieter oder der Vermieter die Modernisierungen bezahlen muss. Daher verhandeln Stadt, Stift und Immobilienfirma seit geraumer Zeit über einen neuen Vertrag. Ein Ergebnis scheint indes noch nicht in Sicht. Brandl will lieber noch keine Schätzung abgeben, wie lange die Verhandlungen noch dauern werden. Und auch das Rathaus hält sich da bedeckt.

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