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Der Eichwäldchentunnel verbindet Oberursel und Bad Homburg.

Feldbergzubringer

Heute nutzen alle die Straße

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Vor 20 Jahren entzweite der Bau der Umgehungsstraße die Oberurseler. Doch der Riss in der Bürgerschaft ist inzwischen gekittet. Von Jürgen Streicher

"Auch Grüne benutzen diese Straße." So ist das, zehn Jahre danach. Was für den Grünen-Realpolitiker Christoph Fink heute normal ist, konnten sich seine Parteifreunde und rund 11 000 weitere Gegner des Projekts "Feldbergzubringer" vor etwa 20 Jahren nicht vorstellen. Vom "Tatort Wald" war die Rede, vom "Frevel an der Natur", weil viele Bäume fallen mussten für die Nord jugend und andere Organisationen zusammengeschlossen hatten.

Wald-Andachten wurden ins Leben gerufen, noch heute treffen sich Menschen der "Waldgemeinde " allmonatlich zum Gebet vor einer Hütte am Franzoseneck in der Nähe der Trasse. Einige Wochen nach dem Stadtverordnetenbeschluss vom Dezember 1989, dem Land die für die Trasse benötigten zwölf Hektar Wald zu übereignen, wurden die Bäume eines frühen Morgens gefällt. Das Teilstück zwischen Kronberg und der Hohemark mit der 300 Meter langen und 15 Meter hohen Brücke über das Urselbachtal wurde auf Weisung des damaligen Bundesverkehrsministers Krause umgehend zu Ende gebaut, die Verpflichtung zum Bau eines Lärmschutztunnels im Bereich Eichwäldchen als Gegenleistung zum Verzicht auf weitere Klagen verzögerte nur noch den Bau des Reststücks.

Waldverlust contra Verkehrsentlastung

"Unbestritten" sei die Entlastung für den Oberurseler Norden und die Innenstadt, sagt der Grüne Christoph Fink heute. Trefflich streiten ließe sich trotzdem, ob sich der Waldeinschlag dafür gelohnt habe. Zumal ein Ausgleichsversprechen, der Rückbau der alten Königsteiner Chaussee, nicht eingehalten wurde, weil SPD und Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG) kurz vor Toresschluss umschwenkten. Mit dem aktuellen Bau des Kongress-Hotels im Gewerkschaftspark dürfte das Thema endgültig vom Tisch sein. Seit 1960 war die Straße in Planung. Den Namen Feldbergzubringer bekam sie, weil eine Variante der frühen Zeit war, die A 661 von der Anschlussstelle Oberursel-Nord nur bis zur Hohemark am Ortsrand von Oberursel zu verlängern. Von dort führt die Kanonenstraße (L 3004) zum Großen Feldberg. Der Ausflugsverkehr in den Taunus hätte so an der Stadt vorbeigelenkt werden können. Doch im Bundesverkehrswegeplan war die Straße als B 455 neu ausgewiesen.

"Ganz oder gar nicht" lautete die Devise, auch mit Blick auf die Finanzierung durch den Bund. Die Innenstadt sollte vom Durchgangsverkehr entlastet werden, die alte B 455 von Bad Homburg kommend führte mitten durch Oberursel in Richtung Kronberg und Königstein. "Zehn Jahre? So lange ist das schon her?" Die Überraschung darüber teilen Befürworter und Gegner heute. Der Feldbergzubringer ist bei Allen angekommen, er hat das Verkehrsleben erleichtert. Auf dem Tunnel, dem letzten Streitobjekt jahrzehntelanger Planungen, haben sich moderne Oberurseler auf von der Stadt gekauften Grundstücken ihr neues Zuhause eingerichtet.

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