Gewinner und Verlierer

Genervte Anwohner

  • schließen

An Kerstin Denfelds Haus in der Oberhöchstädter Straße fahren täglich etwa 17.500 Kraftfahrzeuge vorbei. Sie ist eine Verliererin des Feldbergzubringers.

An Kerstin Denfelds Haus in der Oberhöchstädter Straße fahren täglich etwa 17.500 Kraftfahrzeuge vorbei - rund 8000 raus aus der Stadt, der Rest rein in die Stadt. Die Zahlen stammen aus der jüngsten, etwa zwei Jahre alten Verkehrsuntersuchung. Sie belegen eine Vermutung von Kerstin Denfeld und anderen Anwohnern der Oberhöchstädter Straße: Der Verkehr auf ihrer Straße ist nach Öffnung der Weingärtenumgehung vor zehn Jahren nicht, wie versprochen, um 30 Prozent geringer, sondern "viel, viel mehr" geworden.

An Jutta Schmidts Haus in der Nassauer Straße vor dem Bahnhof fahren täglich fast 20.000 Kraftfahrzeuge vorbei. Die Lärmbelastung liegt schon heute oft über den Grenzwerten. Und es werden noch mehr Autos, wenn die Hauptverbindungsachse mit der Weingärtenumgehung verknüpft wird - so der derzeitige Planungsstand. Jutta Schmidt und andere Anwohner der Nassauer Straße wollen das nicht mehr hinnehmen. Sie haben die "Interessengemeinschaft lebenswertes und sicheres Umfeld rund um den Oberurseler Bahnhof" als Bürgerinitiative gegründet. So lange wie die Menschen in der Oberhöchstädter Straße auf die Komplettierung der Weingärtenumgehung warten, haben die Anwohner rund um den Bahnhof auf das einst geplante Tunnelprojekt am Bahnhof gehofft. Haben wie jene ein Stück weiter westlich ihre Lebensplanung beim Kauf ihrer Häuser auf Ankündigungen von Stadtplanern ausgerichtet.

Kein Tunnel unter dem Bahnhofsvorplatz

Die Denfelds und die Schmidts gehören zu den Verlierern in der Folge der Fertigstellung des "Feldbergzubringers" B 455 neu, denn von der versprochenen Entlastung der Innenstadt vom Durchgangsverkehr profitieren sie nicht. Die Menschen in der Oberhöchstädter Straße werden erst entlastet, wenn die Verbindung der Weingärtenumgehung mit der Nassauer Straße erfolgt. Die Anwohner am Bahnhof wohl nie, weil das "Jahrhundertprojekt" Untertunnelung des Bahnhofsvorplatzes ad acta gelegt wurde.

Drei Verkehrszählungen hat die Stadt zwischen 1997 und 2006 vorgenommen. Sie belegen, dass die Menschen an der Hohemarkstraße vor allem im oberen Teil ab Lahnstraße seit Eröffnung des Feldbergzubringers vom Verkehr entlastet wurden. Der Ausflugsverkehr am Wochenende ist praktisch weg. Bis zu 40 Prozent weniger Autos wurden im Jahr 2000 in Teilabschnitten gezählt, zwischen 16 und 28 Prozent weniger waren es 2006. Nur ganz oben am Rosengärtchen sind die Zahlen wieder wie vor zehn Jahren. Im ehemaligen Camp King und auf dem früheren Südzucker-Gelände wurden rund 1800 Neubürger angesiedelt.

An der kaum bewohnten alten Königsteiner Chaussee (B 455 alt) hat der Verkehr bis 2006 gar um rund 70 Prozent abgenommen. Der Marktplatz profitiert von der Entlastungsfunktion der Umfahrung, die Füllerstraße, die Lahnstraße mit 35 Prozent weniger Kraftfahrzeugen ebenfalls. Die Denfelds, die Schmidts und ihre mitleidenden Nachbarn wird das kaum trösten. Konkrete Schritte zur Verbindung von Nassauer Straße und Weingärtenumgehung werde es vor 2011 nicht geben, hatte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) ihnen im Herbst gesagt, als sie eine Protestnote bei der Stadt einreichten. Dann sollen ein Abrücken der Nassauer von der Wohnbebauung, Lärmschutzwände und andere "aktive und passive Schallschutzmaßnahmen" die Belastung für die Anwohner erträglich machen. In der Oberhöchstädter Straße dürfte es dann auch ruhiger zugehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare