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„Sonst sind wir alle überfordert“

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum.
Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum. © Michael Schick

Oberursels Bürgermeister Brum findet auf dem Neujahrsempfang der SPD klare Worte zur Flüchtlingssituation. Es sei höchste Zeit, dass die Bundesregierung den unkontrollierten Zuzug nach Deutschland verhindert. Ansonsten drohe eine Überforderung.

Mit ungewohnt scharfen Worten hat der Oberurseler Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung kritisiert. Auf dem Neujahrsempfang der Sozialdemokraten am vergangenen Freitag im Rathaus mahnte Brum, es sei Zeit, den unkontrollierten Zuzug nach Deutschland zu mindern. „Sonst sind wir alle überfordert, das muss man klar sehen“, warnte Brum. „Es läuft aus dem Ruder.“ Es sei der Stadt Oberursel „humanitäre Pflicht“, die Menschen gut aufzunehmen. Die Ehrenamtlichen aber würden über Gebühr belastet. Mit den Kommunen träfen die zahlreichen Flüchtlinge zudem auf ohnehin „beanspruchte Strukturen“, so Brum, der den ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz dankte.

Über Jahre seien aber den Städten und Gemeinden von Bund und Ländern Aufgaben übertragen worden, ohne für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen, fügte Brum hinzu.

Die Kreisbeigeordnete Katrin Hechler sagte mit Blick auf Straftaten in der Silvesternacht in Köln und weiteren Städten, es brauche „Ehrlichkeit, um Probleme anzusprechen.“ Mit der Wiedereinführung von Passkontrollen in der EU aber werde der europäische Gedanke „kaputtgemacht“. Vieles der Errungenschaften Europas in den vergangenen Jahrzehnten stünden nun auf dem Spiel.

Jahreskulturpreis für Oberurseler Verein "Windrose"

Das Land Hessen sei mit dem Zustrom an Neuankömmlingen sichtlich überfordert.

„Menschen können hier keinen Asylantrag stellen, sondern werden registriert und warten dann“, sagte Hechler. Das sei auf Dauer so nicht akzeptabel, den Flüchtlingen müsse geholfen werden. „Es kommen da dann nachts um 2 Uhr Menschen mit kleinen Kindern auf dem Arm. Vor diesen Menschen müssen wir keine Angst haben“, betonte Hechler. Sie halte es angesichts der gleichbleibend hohen Flüchtlingszahlen mit Max Frisch: „Eine Krise ist ein produktiver Zustand.

Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“, zitierte Hechler den Schweizer Schriftsteller. Es seien sicherlich in der Vergangenheit Fehler bei der Flüchtlingsunterbringung gemacht worden. Der Neubau einer Sammelunterkunft An den Drei Hasen werde zeigen, dass der Hochtaunuskreis aus diesen Fehlern gelernt habe.

Noch Kapazitäten frei

Das betreffe bauliche Aspekte, aber auch Bereiche des persönlichen Umgangs und der Hygiene: „Jeder Flüchtling unterschreibt inzwischen vor dem Einzug eine Hausordnung“, so Katrin Hechler. Der Jahreskulturpreises „Jakob“ des SPD-Stadtverbandes geht in diesem Jahr an die Flüchtlingsfamilienhilfe des Oberurseler Vereins Windrose.

Der Arbeitskreis setzt sich intensiv für Migranten ein, unter anderem durch die Vermittlung von Informationen und Kontakten. Beim Arbeitskreis gibt es für die Neuankömmlinge zudem Unterstützung in Behördenangelegenheiten. Auch wird für die Flüchtlingsintegration durch Patenschaften (Flip) geworben. Katharina Lorch von der Flüchtlingsfamilienhilfe sagte, sie als Ehrenamtliche könne von einer Überlastung nicht berichten. Es mache ihr großen Spaß und die Freiwilligen hätten auch noch Luft, bekräftigte sie bei dem Empfang.

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