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Der Sonnenkönig geht – und kommt wieder

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Er war der „Mister Stadtwerke“:  Bernd Eller.
Er war der „Mister Stadtwerke“: Bernd Eller. © Monika Müller

Fast ein Drittel der Zeit über die Geschicke gelenkt: Bernd Eller wird als Stadtwerkedirektor verabschiedet, zieht aber als CDU-Stadtverordneter ins Bad Homburger Parlament.

Von Martina Propson-Hauck

Die Bad Homburger Stadtwerke sind jetzt gut 150 Jahre alt. Fast ein Drittel dieser Zeit hat ein Mann ihre Geschicke begleitet und gelenkt, den man mit vielen Namen bedenkt. Er ist der „Mister Stadtwerke“, „der Mann mit dem Holzkreuz“ oder schlichtweg „der Sonnenkönig“. Mit dem verglich ihn zumindest Stadtrat Peter Vollrath-Kühne (FDP) in seiner Abschiedsrede. Wie Louis XIV sei Eller „ein komplexer Charakter“, mit scharfem Verstand, guter Menschenkenntnis, professioneller Einstellung zu seinen Aufgaben und Arbeitseifer, der alle übertreffe. Zudem könne er aber auch äußerst „hart und unnachgiebig“ sein.

Dass er sein Christentum mit dem von ihm immer demonstrativ getragenen Holzkreuz aus dem Sankt Hildegardkloster deutlich zeige, sei bemerkenswert in einer Zeit, in der das Bekenntnis zum Glauben nicht unbedingt im Trend liege, sagte Constantin H. Alsheimer, der Vorstandsvorsitzende der Mainova, beim Festakt gestern im Kurhaus.

44 Jahre arbeitete Eller bei den Stadtwerken, seit 1986 als Direktor. Unter seiner Regie ist das Seedammbad mehrfach umgebaut worden. Und sie ist zur beliebtesten Freizeiteinrichtung im Hochtaunuskreis geworden. 450 000 Besucher kommen jährlich. In einer kurzen Bilanz zeichnete sein Nachfolger Ralf Schroedter einen Erfolgsweg nach: Eller hat in seiner Amtszeit das Stammkapital der Stadtwerke verdoppelt, die Rücklagen verzehnfacht und den Eigenkapitalanteil von unter 30 Prozent auf 83 Prozent fast verdreifacht. Die Wasserpreise seien seit zwölf Jahren stabil.

Kritik und bundesweite Bekanntheit hatte Eller durch die sogenannten Homburger „Gaspreisrebellen“ erfahren. Die unterlagen im November, also noch kurz vor Ende seiner Amtszeit, auch vor der letzten juristischen Instanz. Überall sonst in Deutschland seien die Gasversorger unterlegen, sagte Schroedter. Das zeige, dass die Gaspreise in Bad Homburg richtig kalkuliert würden. Größter Kritiker Ellers und der Gaspreise im Stadtparlament war immer Waldemar Schütze (SPD). Dass beide nun am selben Tag aufhören (siehe Artikel auf der nächsten Seite), mag eine Ironie des Schicksals sein. Doch im Gegensatz zu Schütze hört Eller nun zwar im Beruf auf, will aber in der lokalen Politik erst so richtig durchstarten.

Erstmals wird Eller für die CDU in die Stadtverordnetenversammlung einziehen und in der Politik mitmachen. Die politische Einmischungen der Stadtverordneten in seine Arbeit hatte er nicht immer goutiert. Nun wird er vielleicht selbst in die Betriebskommission der Stadtwerke einziehen. Oder er spannt seine Ziele noch höher. Die Arbeit eines Stadtrats, so lässt er noch nicht „ganz öffentlich“ verbreiten, wäre ja schließlich auch ganz interessant.

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