1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Sommerrodelbahn sorgt für Ärger

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

In St. Goarshausen in Rheinland-Pfalz haben sie ihre Sommerrodelbahn schon - bald auch in Schmitten?
In St. Goarshausen in Rheinland-Pfalz haben sie ihre Sommerrodelbahn schon - bald auch in Schmitten? © dpa

Der Bau einer Sommerrodelbahn sorgt in Schmitten schon seit längerem für Aufruhr. Sie soll die Taunus-Gemeinde für Besucher attraktiver machen, doch als ruhigen Wohnort nicht gefährden. Die Bewohner sind gespalten.

Der Bau einer Sommerrodelbahn ist seit gut fünf Jahren ein großes Thema in Schmitten im Hochtaunus. „Wir wollen den Tourismus etwas ankurbeln, der in den 1960er und 1970er Jahren ein wenig eingeschlafen ist“, sagte Uwe Appel, Leiter der Initiative „Pro Rodelbahn“. „Sie soll den Ort attraktiver machen, so dass mehr Familien hierher ziehen, die heimische Gastronomie gestärkt und eventuell auch die Verkehrsanbindung, besonders nach Frankfurt, ausgebaut wird“, berichtete er.

Die Idee hatte ein Restaurantbetreiber, der zusammen mit dem Investor Josef Wiegand im Jahr 2008 einen entsprechenden Bauantrag stellte. Das Konzept sah auf den ersten Blick gut aus, und CDU, FDP und FWG stimmten laut Appel dafür. Die FDP bemühte sich ohnehin schon seit langem um ein Tourismuskonzept. Bürgermeister Markus Kinkel (FWG) war allerdings gegen das Projekt, musste sich dem Entschluss der Gemeindevertreter bei einer Abstimmung aber beugen.

Kinkel spricht von einem regelrechten „Kasperletheater“: „Das sind alles dorfpolitische Machtspielchen, zu denen ich mich nicht äußern möchte“, sagte er resigniert. „Ich denke, der Bevölkerung in Schmitten ist es ziemlich egal, ob die Sommerrodelbahn gebaut wird oder nicht.“ Dem hält Bahn-Verfechter Appel entgegen, dass 40 Prozent der Bewohner sich in einer Unterschriften-Aktion für den Bau ausgesprochen hätten.

Auch beim geplanten Standort der Sommerrodelbahn gibt es zahlreiche Probleme. Derzeit tendiert man zu einem Bau am Feldberg zum Windeck, südlich von Schmitten, mit zusätzlich geplanter Liftanlage. „Der zuerst geplante Standort bei der Nordbahn würde die Anwohner von Oberreifenberg mit starkem Verkehr belästigen“, sagte Steffen Stohrer, Mitvorsitzender der gemäßigten „Feldberginitiative“, die Bürgerinteressen sowie Natur- und Umweltschutz unter ein Dach bringen will. Anders als die stark oppositionelle, in Oberreifenberg gegründete „Feldberginitiative 21“ würde seine Bürgerinitiative den Bau am Windeck akzeptieren, aber weiterhin alles mit einem kritischen Auge beobachten, sagte er.

Limes-Pufferzone

„Es gibt einige ungeklärte Punkte“, sagte Stohrer. „Erstens gehören Waldabschnitte des jetzigen Standorts nicht Schmitten allein, sondern auch den Nachbarorten Königstein und Glashütten. Zweitens befindet sich der Standort ebenfalls in der Limes-Pufferzone, wenn auch nicht so stark wie bei der ersten Wahl“ an der Nordbahn, berichtete er. Dabei verwies er auf das den Bau einer Sommerrodelbahn auf der Loreley in diesem Jahr, deren Abbau vom Welterbekomitee der Unesco gefordert wird. „Ich würde raten, vorher eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Unesco einzuholen“, sagte er.

Ihm stelle sich die Frage, ob Schmitten von der Wohnbevölkerung oder Tagesgästen lebe, sagte Stohrer. „Der Investor zielt auf Tagesgäste aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet“, erklärte er. „Aber viele Berufstätige aus Frankfurt ziehen hierher, um die Ruhe und die Natur zu genießen. Da brauchen sie doch keine Sommerrodelbahn und Halligalli für 25.000 Euro Pacht im Jahr“, sagte er. Nach seiner Einschätzung würde bei dem Projekt ansonsten nicht viel herauskommen - keine Arbeitsplätze und kaum Gewerbesteuereinnahmen, da der Investor auch Hersteller sei und die Kosten von ein bis zwei Millionen Euro an sich selber zurückzahle.

Letztlich haben laut Stohrer die Parteien dazu gedrängt, endlich eine Absichtserklärung mit dem Investor abzuschließen. „Wir hätten uns einen größeren Informationsaustausch gewünscht“, sagte Karl-Heinz Bös von der CDU Schmitten. Ein Runder Tisch sollte in der vergangenen Woche für Klärung sorgen. Daran sollte auch der Investor Josef Wiegand teilnehmen. Ergebnisse der nicht-öffentlichen Sitzung wurden bislang nicht bekannt.

„Es war ein konstruktives Gespräch“, erklärte Volker Lehwalder (FWG), Vorsitzender der Gemeindevertretung. „Die genauen Vorgehensweisen werden derzeit noch in den Fraktionen besprochen.“ Wie es weitergeht, ist daher noch ungewiss.

Auch interessant

Kommentare