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"Im Mai soll der Rohbau fertig sein"

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Thomas Kanter ist Bauleiter am Louisencenter.
Thomas Kanter ist Bauleiter am Louisencenter. © FR/Nissen

Louisencenter-Bauleiter Thomas Kanter spricht im FR-Interview über Stützknochen, Erdanker und Betonlogistik.

Herr Kanter, Sie haben mit Ihren Arbeitern seit dem vorigen August ein riesiges Loch an der Louisenstraße und Kisseleffstraße gebuddelt. Immer noch fahren Laster mit Erde hinaus. Wann sind Sie damit fertig?

Wir haben noch etwa ein Drittel der Erde drin. Im Februar werden wir sie komplett hinaus bekommen. Es ist ein schwerer Boden. Das Kehrfahrzeug fährt ständig, um die Straße zu reinigen. Die Bürgersteige haben auch gelitten. Wir werden sie am Ende erneuern.

Monatelang sieht man die Arbeiter an den Grubenwänden basteln. Was tun die da eigentlich?

Wir müssen komplizierte Verbau-Arten anwenden. Weil wir auf einem Heilquellenschutzgebiet bauen, dürfen wir die Bohrpfähle nicht zehn Meter tief in den Boden rammen. Damit sie stehen bleiben, bohren wir durch sie und dahinter zehn Meter tief ins Erdreich und bringen Erdanker ein, die wir miteinander verspannen. Das ist aufwendig. Wir müssen auch das Fundament einiger Nachbarhäuser unterfangen, damit sie nicht ihn die Baugrube fallen.

Wie macht man das?

Wir müssen mit einer großen Lanze per Hochdruck eine Betonemulsion in den Baugrund spülen. Das nennt man HDI: Hochdruck-Injektionsverfahren.

Sie betonieren also die Nachbargrundstücke von unten?

Nur bei den Gebäuden, die uns gehören und bei Nachbarn, mit denen wir eine Vereinbarung getroffen haben.

An der Fußgängerzone verbindet ein schwebendes Horizontalgerüst über die Baustelle hinweg die beiden alten Nachbarhäuser. Wollen Sie damit verhindern, dass die Giebel umkippen?

Ja. Wir wissen ja nicht, wie diese Nachbargebäude gebaut sind. Ob sie in der Lage sind, alleine zu stehen. Deshalb haben wir die Wände der Häuser Louisenstraße 84b und 92 gegeneinander "ausgesteift". Wir nennen es Knochen.

Macht Ihnen der Winter Schwierigkeiten?

Wenn es richtig kalt wird, schon. Alles, was mit Beton zu tun hat, ist ein Problem. Wir müssen dann einzelne Bauteile anheizen. Und Zuschlagstoffe frieren beim Lieferanten ein. Die starken Niederschläge haben auch den Wasserspiegel steigen lassen. Darauf müssen wir uns einstellen.

An der Kisseleffstraße haben die Arbeiter schon die ersten Betonwände in der Grube hochgezogen. Daneben steht ein riesiger Metalltank. Betanken Sie da die Baustellenfahrzeuge?

Nein. Das ist ein Druckluftkessel. An der Stelle liegt der tiefste Punkt des Einkaufszentrums, das dritte Untergeschoss. Dort ist die Rampe zur Ein- und Ausfahrt. Unter die Rampe kommt der Kessel in einen Hohlraum.

Wozu brauchen Sie Druckluft in einem Einkaufszentrum?

Die Sprinkleranlage muss unter Druck stehen. Wir hoffen aber, dass dieses Bauteil nie genutzt wird.

Momentan werkeln Sie noch in einem Loch. Wann beginnt der Hochbau?

Im Februar werden wir nach oben kommen. Es geht relativ fix, sobald die Grubenwände gesichert sind. Dann werden die drei Kräne aufgestellt - und die Rohbauer können loslegen.

Für die Bodenplatte und die Wände wird viel Beton gebraucht. Wie kommt er dorthin?

Auf der Route, die auch die Lastwagen mit der Erde nehmen: über die Ferdinandstraße und an der Englischen Kirche vorbei. Aber der Verkehr bleibt überschaubar. Wenn die Fundamentplatte gegossen wird, stehen maximal drei, vier Laster in der Warteschlange.

Wie viele Arbeiter setzen Sie ein? Und wie lange wird auf der Baustelle gearbeitet?

Es sind zirka 80 Arbeiter. Die setzen wir von 7 bis 20 Uhr ein, in zwei Mannschaften. Wir wollen die Zeit ausnutzen, damit auch mal ein Ende ist mit der Baustelle.

Wann ist der Rohbau fertig?

Im Mai soll die letzte Betonage im obersten Stock durch sein. Sobald eine Decke nach 28 Tagen Trocknung tragfähig ist, beginnt der Ausbau.

Interview: Klaus Nissen

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