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Zum Europa-Tag des Hochtaunuskreises singt der Liederkranz Dornholzhausen - im Regencape.

Europatag

Vom Sirtaki bis zum Alphorn

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Hartgesottene feiern ein kleines, buntes, nasses, fröhliches Europa im Hessenpark. Auch über die Europawahl wird geredet, aber eher am Rande.

Natürlich wird auch über die Europawahl in knapp zwei Wochen geredet. Über die Richtungswahl, wie sie allenthalben genannt wird. Bei der sich entscheidet, ob ein vereinigtes oder ein gespaltenes Europa mit dem Rest der Welt kommuniziert. Die Menschen, die bei Dauerregen, kaltem Wind und herbstlichen Temperaturen zum „Europatag“ ins Freilichtmuseum Hessenpark gekommen sind, haben sich längst für die Richtung des gemeinsamen Weges entschieden. Sind fast alle überzeugte Europäer, die Partnerschaft, Freundschaft und nachbarschaftliche Beziehungen in ihr Leben integriert haben.

Klein-Europa im Freilichtpark ist gut behütet, beschirmt und nass. Der historisch nachgebaute Marktplatz, umgeben von einer mittelalterlichen bis frühzeitlichen Architektur-Kulisse, wirkt mit der überschaubaren Menge der Menschen in ihren blauen, gelben und roten Ganzkörpercapes wie ein Basislager der europäischen Idee. „Ein bisschen zu viel Mittelalter auf der Bühne und in der Kulisse“, findet eine Kritikerin angesichts der Herausforderung, vor der Europa stehe.

„Die Geschichte des Taunus ist immer auch eine Europäische Geschichte gewesen“, kontert Historiker Gregor Maier, der den Fachbereich Kultur und Geschichte beim Hochtaunuskreis leitet. Dass sie sich positiv fortsetzt in der Moderne wollen alle die zeigen, die hier für Europa werben. Das Fest im Park soll den Kommunen und den vielen Partnerschaftsvereinen eine Plattform bieten, über ihre Arbeit zu informieren und neue Mitstreiter für ihre Projekte zu gewinnen.

Eine Woche vor der Wahl laden die Stadt Oberursel und die Europa-Union für Samstag, 18. Mai, zum Europafest unter dem Motto „Europa unsere Zukunft“. Gefeiert wird von 15 bis 19 Uhr auf dem Rathausplatz.

„Königsteiner für Europa“ heißt es am gleichen Tag von 11 bis 14 Uhr auf dem Kapuzinerplatz in Königstein. Veranstalter des „Europafestes“ sind die Stadt, Partnerschaftsvereine und die Europa-Union. jüs

Natürlich wird auch über die Europawahl am 26. Mai geredet. Aber eher am Rande, der Auftritt politischer Parteien spielt nur eine untergeordnete Rolle. In der Scheune aus Hadamar, fern vom Festplatz, haben sie von den Veranstaltern des Kreises, der Kommune Neu-Anspach und des Hessenparks ihre Standplätze bekommen. Zum einträchtigen Beisammenstehen gezwungen, die Vertreter der sogenannten Volksparteien zwischen AfD und Piraten. Mit viel Zeit für parteiübergreifende Gespräche.

Die Hartgesottenen, die Regen und Kälte trotzen, zieht es mehr zu den bunten Ständen und zur Bühne, die vom griechischen Sirtaki bis zum Alphornblasen und Beatles-Liedern aus dem Mund von gestandenen Germania-Sängern reichlich zu bieten hat. Ohne politische Statements weitgehend, selbst Landrat Ulrich Krebs und Staatsministerin Lucia Puttrich (beide CDU) halten sich bei der Eröffnung dezent zurück.

Kleines Europa, vielfältiges Europa. „Freundschaften zu pflegen, Partnerschaften, Verbindungen von Menschen über jegliche Art von Grenzen hinweg zu leben, darum geht es doch“, sagt Susanne Odenweller aus Wehrheim. Sie lädt zum Kosten von Spezialitäten aus dem Taunusdorf mit integriertem Apfelwein im Dialog mit Salami aus Pilisvörösvàr in Ungarn ein. Seit 35 Jahren wächst die Freundschaft der beiden Kommunen, da war noch lange nicht vom Orbán-Land die Rede, dessen Chef jetzt eine andere Idee von Europa hat.

Die Menschen aus Wehrheim und Pilisvörösvàr werden ihre Liebe verteidigen. Und die aus Kronberg ihre Freundschaft mit Aberysthwyth, auch wenn die Brexit-Fanatiker Wales mit aus der Europäischen Union kegeln.

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