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Sich ins Leben boxen

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Boxen hilft, die Aggressionen abzubauen.
Boxen hilft, die Aggressionen abzubauen. © Rolf Oeser

Der Jugendclub Oberste Gärten in Bad Homburg will durch ein Sportprojekt Werte vermitteln - auch wenn es dabei handgreiflich zugeht.

Von Jonathan Vorrath

Laute Rufe von den umherstehenden Jugendlichen sind zu hören. Es herrscht dicke Luft in dem kleinen Kellerraum. In der Mitte schlagen zwei junge Männer aufeinander ein. Keiner will nachgeben. Beide stecken viele Treffer weg und versuchen, den Gegner immer im Blick zu behalten. Was zunächst wirkt wie eine Schlägerei unter Heranwachsenden, wird nach einigen Runden vom Trainer abgebrochen.

Es ist kein gewöhnlicher Kampf. Die jungen Männer sollen mehr lernen, als nur ihre Fäuste zu gebrauchen. Der Jugendclub Oberste Gärten in Kirdorf möchte Jugendlichen durch das Boxprojekt Werte wie Respekt und Toleranz vermitteln.

„Das Boxen hat hier schon Tradition. Vor etwa elf Jahren ging es mit ein paar Jugendlichen los, die unter Aufsicht in den Kellerräumen des Jugendclubs trainiert haben. Mit richtigen Trainern arbeiten wir erst seit September“, erinnert sich der stellvertretende Leiter des Clubs, René Krah.

Vorbild ist der Boxclub Offenbach Nordend, der auch aus einem Jugendzentrum entstand. „Vom Boxclub Nordend haben wir das Projekt quasi eingekauft. Sie schicken zweimal die Woche zwei Trainer hierher. Ein Training dauert zwei Stunden“, erklärt Krah. Das kostet den städtischen Jugendclub von September bis April 4000 Euro, auf diesen Zeitraum ist das Projekt zunächst befristet. Shervin Mogharrebi ist 23 Jahre alt, arbeitet derzeit an seiner Trainer C-Lizenz und boxt seit fünf Jahren. Den Jugendlichen steht er nicht nur als sportlicher Trainer zur Verfügung. „Wenn es Probleme außerhalb des Rings gibt, können sich die Jungs an mich wenden, anstatt sie mit Gewalt zu lösen. Unsere oberste Regel ist, wer außerhalb des Trainings die Fäuste hebt, fliegt raus“, sagt Mogharrebi.

Auch eine Hausaufgabenhilfe gehört zum Boxprojekt. „Wer Noten schlechter als vier hat, muss daran teilnehmen, wenn er weiter hier boxen möchte“, erläutert Krah und versichert: „Das funktioniert auch, denn hier nicht mitmachen zu können, tut den meisten Jungs richtig weh.“

Schmerzhaft und anstrengend waren die ersten Monate des Projekts. Die knapp 20 Jugendlichen, die bis auf wenige Ausnahmen alle in Kirdorf wohnen, mussten lange warten, bis sie zum ersten Mal die Boxhandschuhe anziehen durften.

„Als Erstes stand Kondition auf dem Programm. Ohne die geht’s nicht. Da muss am Anfang jeder durch“, berichtet der Trainer. Dann wurde endlich mit dem Boxen angefangen. Dafür braucht man Ausrüstung. „Jeder hat hier seine eigenen Boxhandschuhe. Die wurden vom Jugendclub angeschafft und gegen einen kleinen Obolus an die Nachwuchsboxer gegeben“, erklärt Krah.

Den Trainingsraum mit blauen Bodenmatten im Keller des Clubs haben die Jugendlichen in den letzten Jahren selbst hergerichtet. „Dadurch ist die Wertschätzung für die Ausrüstung und die Räume größer, und die Jungs passen besser darauf auf“, meint Krah.

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