1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Sich kleiden wie die Römer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Torsten Weigelt

Kommentare

Museumsmitarbeiterin Anja Koehlers im Gewand einer Römerin zeigt, wie eine Wollspindel benutzt wird.
Museumsmitarbeiterin Anja Koehlers im Gewand einer Römerin zeigt, wie eine Wollspindel benutzt wird. © Renate Hoyer

Das Römerkastell Saalburg zeigt in einer Sonderausstellung "Vom Schaf zur Tunika" auch antike Unterwäsche. Zum Auftakt bietet das Museum einen Thementag an.

Wer möchte, kann am Ende des Rundgangs überprüfen, ob er oder sie als Römer oder Römerin vor 2000 Jahren bella figura gemacht hätte. In einem Umkleidezimmer warten Tuniken und andere Kleidungsstücke auf die Besucher, auch ein Spiegel für den kritischen Blick auf das Ergebnis der Anprobe steht bereit.

Immer wieder habe sich das Römerkastell Saalburg bei Thementagen oder Vorträgen bereits in der Vergangenheit der Welt der antiken Kleidung gewidmet, berichtet Direktor Carsten Amrhein. Erstmals wird das Thema nun aber umfassend in einer Sonderausstellung dargestellt, die ab sofort bis November in dem rekonstruierten Kastell zu sehen ist. Titel: „Vom Schaf zur Tunika“

Originale Kleidungsstücke seien leider kaum erhalten, bedauert Carsten Amrhein. Schließlich seien sie im Gegensatz zu Vasen und Waffen aus vergänglichem Material hergestellt worden – Gleiches gelte für das Handwerkszeug wie Spindeln und Webrahmen.

Immerhin: In einem Brunnen der Saalburg konnten Seilreste gesichert werden, die nun in einer Vitrine zu sehen sind. Ebenso wie die Überreste von Sandalen und ein erstaunlich gut erhaltener Schuh. Ein kleines Etikett aus Blei verweist auf die weiträumigen Handelsbeziehungen während der Römerzeit: Das Etikett stammt aus dem Gebiet der heutigen Türkei, gefunden wurde es bei Groß-Gerau.

Erhalten sind auch mehrere Webgewichte und ein verwittertes Holzstück. „Das könnte ein Webschwert gewesen sein“, sagt Amrhein bewusst im Konjunktiv. Sollte es stimmen, wäre die Saalburg im Besitz des einzigen vergleichbaren Objekts weltweit, wissenschaftlich belegen lasse es sich aber nicht, bedauert Amrhein.

Die Ausstellung richtet sich allerdings auch nicht in erster Linie an Fachleute, sondern soll vor allem Familien und Kindern etwas bieten. Deswegen bemüht sich das Museumsteam, möglichst anschaulich die Herstellung eines römischen Gewands vom Rohstoff Wolle bis zur fertigen Tunika zu präsentieren.

Da gebe es einige Wissenslücken zu füllen, sagt Museumspädagogin Karin Verbis-Glasbrenner. Wenn sie Kinder frage, woraus römische Kleidung bestehe, komme sie regelmäßig die Antwort: „Polyester“. Deswegen bekommen nicht nur die kleinen Besucher während des Rundgangs durch die Sonderausstellung mehrfach die Gelegenheit, selbst Hand anzulegen. Wer möchte, kann beispielsweise in einen Korb mit frisch geschorener Schafswolle fassen oder verpuppte Seidenraupen berühren.

Aber auch einige Kuriositäten gibt es zu entdecken. So benutzten die Römer gelegentlich lebende Igel, um die Wolle aufzurauhen und sie so für das Spinnen vorzubereiten. So ist es jedenfalls von Plinius dem Älteren überliefert. In der Ausstellung ist allerdings nur ein ausgestopftes Exemplar zu sehen.

Außerdem wird die Frage, ob die Römer Unterwäsche getragen haben, beantwortet. Und zwar mit Ja. Das belegt zum einen die Abbildung eines Mosaiks aus einer sizilianischen Villa, auf der knapp bekleidete „Bikinimädchen“ zu sehen sind. Zum anderen aber auch die Replik einer Art Lendenschurz aus Leder, der bei einer Ausgrabung in Mainz gefunden wurde – eine antike Unterhose.

Aber auch neue Kleidung soll während der Zeit der Ausstellung entstehen. Dafür hat die Saalburg eigens einen originalgetreuen Webstuhl anfertigen lassen, an dem erfahrene Handwerkerinnen während der Thementage ihr Können demonstrieren werden. Dabei solle am Ende eine Tunika entstehen, kündigt Karin Verbis-Glasbrenner an. An einem etwas einfacheren Webstuhl können sich auch die Besucher selbst versuchen.

Passend zum Thema sind an den Wänden der Ausstellungsräume Gemälde der Schauspielerin Barbara Focke zu sehen: Sie hat sich auf die Porträts von Schafen spezialisiert. Nach dem Abschluss auf der Saalburg wird die Schau „Vom Schaf zur Tunika“ vom Museum Schloss Fechenheim in Dieburg übernommen.

Auch interessant

Kommentare