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Selbstversuch am Übungsfels

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Eschbacher Klippen
Eschbacher Klippen © Rolf Oeser

Ungeübte kommen beim Klettern an den Eschbacher Klippen nur langsam voran und sollten auf ihre Beine achten. FR-Mitarbeiter Jonathan Vorrath hat's ausprobiert.

Von Jonathan Vorrath

Meine Hände fangen an zu schwitzen. Meine Füße finden wenig Halt in der steilen Wand und ich frage mich, ob ich weiter hoch oder doch lieber wieder runter klettern soll. Zum Glück bin ich mit Seil und Klettergurt gesichert und von unten werden mir unablässig hilfreiche Tipps zugerufen. Trotzdem komme ich nur langsam voran. Dann eine kurze Unaufmerksamkeit. Ich rutsche ab und hänge im Seil.

Die Eschbacher Klippen sind mit zwölf Metern für Bergsteigerverhältnisse zwar niedrig, aber für mich reicht es schon, um meinen Adrenalinspiegel nach oben schnellen zu lassen. „Das ist aber ganz normal und dafür machen wir die Kletterei ja auch“, beruhigt mich Siegfried Nitsch. Der 62-Jährige ist Übungsleiter bei der Sektion Frankfurt des Deutschen Alpenvereins. Er hat mich eingeladen, mit der Jugendgruppe des DAV an den Quarzsteinfelsen hinter Usingen meine Kletterkünste zu erproben.

Da hänge ich nun und versuche wieder Halt an der Felswand zu finden. Zuvor hat mir Nitsch noch die Vorzüge des modernen Klettergurts erklärt, die ich jetzt erst richtig zu schätzen weiß. „Bei meiner ersten Klettertour in den Bergen 1964 haben wir uns noch einfache Seile um den Bauch gebunden. Viele Kletterer sind in dieser Zeit gestorben, weil ihnen das Seil bei einem Sturz das Blut abgedrückt hat“, erinnert sich Nitsch. Auch habe es damals nicht diese sicheren Haken gegeben, die jetzt an vielen Kletterstandorten fest installiert sind. Hier an den Eschbacher Klippen wurden die eingebohrten Haken erst vor wenigen Wochen erneuert.

„Klettern ist wie Treppensteigen. Du musst mehr mit den Beinen klettern und nicht nur auf die Arme achten“, ruft mir Claudia Leemhuis zu. Die Jugendleiterin ist es gewohnt, Neulinge bei ihren ersten Klettererlebnissen zu begleiten. „Wir üben einmal die Woche und freuen uns immer, wenn neue Leute kommen. Das ist auch das Schöne an diesem Sport. Man kann auf unterschiedlichem Niveau sein und trotzdem zusammen Spaß haben“, erklärt Leemhuis. Denn während der eine klettert, wird er vom anderen gesichert. Dann wird gewechselt.

An den Eschbacher Klippen gibt es unterschiedlich schwere Routen. „Es gibt flachere Steinplatten mit vielen Ritzen, die sind am leichtesten zu klettern. Schwerer wird es an der zerklüfteten Blockwand auf der anderen Seite mit vielen kleinen Spalten und Vorsprüngen. Am schwersten ist natürlich der große Überhang in der Mitte. Da muss man schon einige Erfahrung haben, um fast kopfüber klettern zu können“, sagt Übungsleiter Nitsch.

Ich habe natürlich die vermeintlich leichteste Route gewählt. Dennoch bin ich skeptisch, den „Gipfel“ zu erreichen. Dann sehe ich die rettende große Spalte, die sich bis nach oben zieht. Mit einem Klimmzug erreiche ich sie und dann die Querung an der Spitze der Klippen. Dort wartet bereits Siegfried Nitsch, der ungesichert hochgeklettert ist.

Während ich im Sitzen das Seil vom Gurt löse, um es zum Abseilen am Karabinerhaken zu befestigen, steht er weiter ungesichert vor mir an der Felskante. Er überprüft meinen Knoten und hilft mir an der Wand in die richtige Position zu kommen. Dann gleite ich am Seil sanft zurück auf den sicheren Boden. Geschafft!

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