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Schwitzen unter bunten Trachten

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Ein Fahnenschwenker des Trachtenvereins Linsengericht.
Ein Fahnenschwenker des Trachtenvereins Linsengericht. © M. Müller

Vorgeschmack auf 2011: Der "Hessentag der kleinen Leute" vereinigt in Oberursel Brauchtum, Moderne und Fußball. Von Jürgen Streicher

Von Jürgen Streicher

Ein Feiertag für den Ersten Stadtrat Dieter Rosentreter. Endlich einmal im vollen Ornat bei einem offiziellen Anlass auftreten, im feinsten bayerischen Sonntagsstaat mit Lederhose, Spitzenhemd und Gamsbart am Hut. Mit ihm an der Spitze hat Oberursel die Generalprobe für den Hessentag 2011 bestanden, trotz des landesfremden Stylings gehörte der Niederbayer zu den Top-Models, die sich gestern auf dem langen Laufsteg vom Rathausplatz zur Bleiche präsentieren.

Die Fahnenschwinger aus Linsengericht hatten mit ihren Schwing- und Wurfübungen das zweitägige Landeskindertrachtentreffen eröffnet, mit der sogenannten "Deutschen Reihe". Es war das erste Zeichen, das die Trachtenkultur lebt, und zur Freude von Kultusministerin Dorothea Henzler auch unter jungen Menschen, die sonst "ganz normal" gekleidet seien, wie es einer der jungen Burschen mit gegelter Frisur ausdrückt. "Tanzen macht intelligent", behauptete die Ministerin, als die Wehrheimer Mädchen in der blau-weiß-rot-grün-lilafarbenen evangelischen Sonntagstracht von Hessen-Nassau über die Bühne wirbelten.

Die Organisatoren vom Hessentagsbüro haben die Feuertaufe bestanden, vor eine große logistische Herausforderung waren sie mehr bei der Vorbereitung des Festes mit der Unterbringung von rund 800 Kindern und Jugendlichen und des Rahmenprogramms gestellt als beim großen Festzug. Bisweilen klang auch beim Mitveranstalter Bund kultureller Jugend (BkJ) schon ein bisschen Enttäuschung darüber durch, dass mehr Menschen in bunten Trachten durch die Straßen zogen als Zuschauer am Wegesrand standen. "Da muss Oberursel noch üben bis zum Hessentag", hieß es da öfter im Publikum.

Den Interessenten hingegen erschloss sich eine Welt, in der die Tracht, ihre Farbe, die Form des Hütchens und manches andere kleine Detail ebenso viel über den Status ihres Trägers oder Trägerin aussagt wie T-Shirt, Base-Cap, Frisur, Piercing und Tattoo über die Träger solcherart zeitgenössischer Tracht. Bis hin zum Bommel am Strumpfband, der dem Galan beim Griff unter den Rock an der Anzahl anzeigt, mit wie viel Hektar Land er bei einer Eheschließung rechnen kann. Gute Zeiten.

Moderne Zeiten, Fußballzeit. Da kommt auch das Landeskindertrachtentreffen nicht dran vorbei. Mit Fußball als Motto über dem Spielefest, deutschen Fähnchen beim Umzug zur bunten Tracht und Achtelfinale live auf dem Epinay-Platz.

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