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Schule der Zukunft

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Grün ist die Hoffnung (und die Farbe der neuen Spinde im neuen Gymnasium).
Grün ist die Hoffnung (und die Farbe der neuen Spinde im neuen Gymnasium). © Martin Weis

Aufbruch in eine neue Zeit: Das Gymnasium Oberursel hat für 60 Millionen Euro einen Neubau bekommen. Passend zum 100-jährigen Bestehen des Gymnasiums haben Schüler und Lehrer die Arbeit in der schönen neuen Lernwelt aufgenommen.

Von Jürgen Streicher

Aufbruch in eine neue Zeit: Das Gymnasium Oberursel hat für 60 Millionen Euro einen Neubau bekommen. Passend zum 100-jährigen Bestehen des Gymnasiums haben Schüler und Lehrer die Arbeit in der schönen neuen Lernwelt aufgenommen.

Unter dem Pflaster geht das Schulleben weiter. Genau gesagt, unter dem Schulhof mit begehbaren Oberlichtern. Dort wird geturnt und Ball gespielt, die Sporthalle des neuen Gymnasiums wurde in den Untergrund verlegt, zehn Meter unter die Erde, weil der Platz oberirdisch fehlt.

Unbedingt sollte die Schule in der Stadt bleiben, als „integraler Bestandteil der Stadtgesellschaft“, wie Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) beim Festakt zur offiziellen Eröffnung schwärmt. Also musste alles zusammenrücken, um Raum für rund 1600 Schüler und weit über 100 Lehrer zu schaffen.

„Der städtebauliche Akzent ist sicherlich gelungen“, formulierte Landrat Ulrich Krebs (CDU) vorsichtig. Der Schulbau zu Oberursel, rund 60 Millionen Euro teuer, sei ein „Aufbruch in eine neue Zeit“. Nur möglich, weil durch das Konjunkturprogramm des Landes 17 Millionen Euro in die Kreiskasse geflossen seien. Landrat und Bürgermeister haben den Streit um den komplexen Baukörper nicht vergessen, schon gar nicht die Aufregung über die Fassadengestaltung, die weit über die direkte Nachbarschaft hinausging.

Wie eine Trutzburg

Von außen wirkt das neue Gymnasium wie eine Trutzburg. Viel Inhalt musste auf wenig Fläche untergebracht werden, um alle Ansprüche von Schule, Stadt und Kreis zu erfüllen. Einen langgezogenen Riegel bilden die Räume der Naturwissenschaften entlang der Berliner Straße. Zwischen den Klassenraum-Trakten an der Zeppelinstraße gibt es zwar Lücken für „Schulgärten“, doch die Fassaden der einzelnen jeweils dreistöckigen „Finger“, beinahe unmittelbar an der Straßenlinie gelegen, sind fensterlos. Das stand so in der Ausschreibung, die Anwohner hatten das bei der Vorplanung ausdrücklich gewünscht. Geschockt waren sie dennoch, als die Fassade wuchs, vom „Schwarzbau“ war die Rede, die negativen Assoziationen wie FBI-Zentrale, Jugendvollzugsanstalt häuften sich mit jeder anthrazitfarbenen Platte, die angebracht wurde.

Nach Protesten der Anwohner und der örtlichen Politik wurden zusätzliche farbige Elemente eingefügt, zuletzt auch einige Bäume entlang der Straße gepflanzt. „Das wird ganz schick“, ist sich Jens Frowerk sicher. Der Leiter des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften hat das komplette Projekt vom Start der Planungsphase 2006 bis zur Fertigstellung im Bauausschuss der Schule begleitet und sich mit den Ideen der Architekten identifiziert. Graue Schule? „Nein, die Farbe bringen die bunten Menschen auf den Hof und in das Gebäude“, sagt Frowerk und schwärmt vom „Lichtvorhang“ entlang des großzügig angelegten Umgangs im ersten Obergeschoss. Er verbindet alle Gebäudeteile miteinander. Die versetzt angeordneten Folienstreifen auf der Verglasung erwecken den Eindruck eines sich bewegenden Glas-Vorhangs. „Orientierung ist an jeder Stelle möglich, man weiß immer, wo man ist“, lobt Frowerk das Konzept.

Der Bürgermeister findet's schon "wunderbar"

Von den Dimensionen konnten sich die Festgäste am Wochenende einen Eindruck verschaffen. Etwa von der für eine Schule gigantisch anmutenden Aula, die trotz Hunderter geladener Gäste kaum halb gefüllt war oder vom riesigen Foyer auf der einen Flanke und der Mensa auf der anderen Seite. Letztere gewinnt angesichts des zunehmenden Nachmittagsprogrammes auf dem Weg zur Ganztagsschule immer mehr Bedeutung.

„Es ist etwas Wunderbares gelungen“, sagte der Bürgermeister in seinem Grußwort. Für die Stadt, die Schüler und die Kinder zukünftiger Generationen. Einen „Platz zum Lernen und zum Leben“ nannten alle Festredner das Projekt, das nach der Grundsteinlegung binnen zweieinhalb Jahren realisiert wurde.

Auch die Baustelle Außenanlagen soll bis nächstes Jahr erledigt sein, kündigte Schulleiter Volker Räuber an.

Die ersten Risse

Dann feiert das Gymnasium passend zur Vollendung seines Jahrhundertbauwerks das 100-jährige Bestehen der Lehreinrichtung. Im Februar 1913 war Einweihung des Gebäudes mit neun Klassenräumen für 290 Schüler. Mit 101 Knaben als Schülern begann der Unterricht, die Anerkennung als Oberrealschule folgte 1916. In den 1920er Jahren kamen die ersten Mädchen dazu, obwohl die Lehranstalt noch 1936 als „Städtische Oberschule für Jungen“ bekannt war. Zum „Realgymnasium“ wurde sie 1954, heute befinden sich im Altbau noch Unterrichtsräume für die Oberstufe.

Die neue Zeit hat ein Stück unterhalb begonnen, Dass die ersten Oberlichter über der tiefer gelegten Sporthalle schon Risse haben und geflickt werden müssen, wird als Kinderkrankheit verbucht. Genau wie das im Sommer noch nicht so richtig funktionierende Luft-Erdwärme-Tauschsystem, das den Schülern heiße Tage beschert hat.

Der Gewinn an Funktionalität wiegt das auf, die Ausrüstung der Schule rechtfertigt den Anspruch von der Schule der Zukunft.

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