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Schüssel bewegt

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Der Kabarettist hilft Menschen, die in Not geraten sind.
Der Kabarettist hilft Menschen, die in Not geraten sind. © Hoyer

Tue Gutes und rede darüber: Der Oberurseler Entertainer Peter Schüssler organisiert Hilfe für in Not geratene Menschen.

Von Jürgen Streicher

Menschen zum Lachen zu bringen, ist sein Lebenselexier. Als Kabarettist, Comedian, Kleinkünstler, Fastnachter – was auch immer. Die Frohnatur in dem rundlichen kleinen Mann mit den am liebsten lachenden Augen wirkt ansteckend. Den Blick auf die andere Seite des Lebens hat Peter Schüßler aber nicht aus den Augen verloren. Der Mann, der als „Schüssel“ so viele Menschen erfreut, weil er laut sagt, was andere nur denken, versucht auch, eine andere Art Freude zu vermitteln.

Tue Gutes und rede darüber, heißt es. Aber bei kaum jemand anderem wirkt das so natürlich und ungekünstelt wie bei „kleines dickes Schüssel“, wie manche den Ur-Orscheler nennen. Peter Schüßler ist kein Gutmensch, der ab und zu für gute Publicity seine soziale Ader entdecken müsste. Er nutzt einfach seine lokale Prominenz und sein gewinnendes Lächeln, um andere zu motivieren, sein Projekt zu unterstützen. Eigentlich ist Peter Schüßler in diesem Fall ein Menschensammler. „Schüssel und Freunde helfen“ nennt er sein Projekt, fast 50 Unterstützer tragen ihren Teil zum Gelingen der Hilfsaktion bei.

„Wir müssten was bewegen in Oberursel“, sagt der 62-Jährige da etwa zum Edeka-Chef. Der wirft dann nach Weihnachten oder nach Ostern übriggebliebene Nikoläuse und Osterhasen in den großen Topf und hängt einen Kasten an der Leergut-Annahme auf, in den jeder seinen Bon werfen kann. Ein Gegenwert von 1221 Euro ist in diesem Jahr aufgelaufen, Herr Edeka rundet auf 1400 Euro auf, mit Lebensmittelgutscheinen kommt eine kleine Familie da schon recht weit.

Es gibt Situationen, da bleiben einer Mutter plötzlich nur die zwei kleinen Kinder, sonst nichts. Unverschuldet in Not geratenen Oberurseler Familien mit Kindern wollte Peter Schüßler ein schönes und sorgenfreies Weihnachtsfest bereiten, als er vor acht Jahren die Aktion startete. Längst ist es mehr geworden, geht die Hilfe weit über die anfangs gesteckten Ziele hinaus. Wurden Jobs vermittelt, Kindergarten- und Hortplätze, mal eine neue Wohnung, mal die Renovierung der alten.

Das freut „Schüssel“, den Trommler für die Weihnachtsaktion. „Wenn die Familie danach wieder auf eigenen Füßen steht.“ Wie die alleinerziehende Mutter mit den vier und sechs Jahre alten Kindern, die diesmal von der Aktion profitiert. Nicht von Geldspenden, sondern von aktiver Hilfe des Schreiners, der seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt, des Möbelhauses, das für die Einrichtung sorgt, der Friseurin, die übers Jahr die Haare der Kinder schneidet, des Reiseunternehmens, das einen kleinen Urlaub sponsert.

„Wir haben schon eine Rücklage für nächstes Jahr“, freut sich Peter Schüßler. Es dürfen trotzdem noch mehr Helfer werden, vielleicht gibt es dann auch eine Osteraktion für unverschuldet in Not geratene Oberurseler.

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