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Jaquelin Kosanke (links) und Alice Bouyer sind Initiatorinnen der „Wohnzimmerkonzerte“.

Oberursel

Oberursel: Schülerinnen organisieren Konzertreihe

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Mit den „Wohnzimmerkonzerten“ haben Alice Bouyer und Jacquelin Kosanke jungen Musikern ihre ersten öffentlichen Auftritte ermöglicht.

Bei uns muss es nicht perfekt sein“, sagt Jaquelin Kosanke. „Es ist nicht so gezwungen“, ergänzt Alice Bouyer. Die beiden 19-Jährigen sprudeln im Gespräch munter drauf los und wechseln sich immer wieder im fliegenden Wechsel ab. Ähnlich dürfte es zugehen, wenn die beiden Schülerinnen ein „Wohnzimmerkonzert“ moderieren, eine Reihe, die sie vor zweieinhalb Jahren gemeinsam mit Jakob Schorr ins Leben gerufen haben.

Dabei wollten sie jungen Musikern die Möglichkeit geben, ohne großen Druck ihre ersten Auftritte zu absolvieren. Wobei das „Wohnzimmer“ schon etwas größer ist als der Name vermuten lässt: Die Konzerte finden in der Regel in der Oberurseler Stadtbücherei statt. Eines verlegten sie als „Wohnzimmerkonzert plus“ sogar in die Musikhalle Portstraße.

Alice Bouyer und Jaquelin Kosanke sind dabei im wahrsten Sinne „Mädchen für alles“. Sie organisieren die Konzerte, moderieren, schmieren Brötchen und sind auch schon selbst aufgetreten. Bei ihrem allerersten Solo vor Publikum, sei sie „fast umgekippt vor Aufregung“, erzählt Jaquelin.

Entscheidend sei aber das Gemeinschaftserlebnis, betonen beide. Dabei sei es sogar ein Vorteil, dass es in der Stadtbücherei keine Bühne gebe. „So sind alle auf der gleichen Ebene“, sagt Alice. Buhrufe und Häme habe es noch nie gegeben. Wenn die ersten Töne nicht sitzen, könne man einfach noch mal von vorne anfangen. Und bei den „Singalongs“ am Ende, wenn Musiker und Publikum gemeinsam einen bekannten Pop-Song trällern, entstehe jedes Mal eine ganz besondere Atmosphäre. „Wie bei einer Familie“, schwärmt Jaquelin.

Jugendbüro Im Jugendbüro Oberurselarbeiten Jugendliche ab 13 Jahren unter der Leitung von Achim Hasselberg an verschiedenen Projekten. Es gibt unter anderem den BLUDS – Jugendleseclub, den Stadtschülerrat und die Organisationsgruppe Jugendforum. Achim Hasselberg ist unter Telefon 06171/ 62 87 14 zu erreichen. Weitere Infos: jugendbuero-oberursel.de

Das „Wohnzimmerkonzert Plus“am Samstag, 21. Juni, in der Musikhalle Portstraße, Hohemarkstraße 18, beginnt um 19.30 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. twe

Was die Musikstile angeht, „hatten wir schon alles“, sagt Jaquelin - vom Klassik-Trio bis zum Rap. Nur Rock sei etwas schwierig, wegen der E-Gitarren. In der Regel seien die Auftritte rein akustisch.

Mehr als 160 junge Leute seien bislang bei den „Wohnzimmerkonzerten“ aufgetreten. Sie stammten weitgehend aus dem eigenen Bekanntenkreis oder den örtlichen Schulen. Alice, die in Bad Homburg wohnt, hat gerade ihr Abitur am Gymnasium Oberursel gemacht, Jaquelin an der Feldbergschule.

Am kommenden Samstag laden Alice Bouyer und Jaquelin Kosanke zum vorerst letzten Mal zum „Wohnzimmerkonzert“, wegen des erwarteten großen Andrangs wieder in die Musikhalle Portstraße. In der Stadtbücherei sei nur Platz für 30 Stühle, erklären die beiden Schülerinnen. „Beim letzten Mal war kaum ein Durchkommen“, berichtet Jaquelin. Die Konzerte seien von Anfang an gut besucht gewesen. Insgesamt kamen rund 440 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Sie sei schon „sehr melancholisch“, dass es nun für sie zu Ende gehe, bedauert Jaquelin. Doch die beiden Mädchen haben feste Zukunftspläne, die sie aus Oberursel wegführen. Alice zieht es an eine Schauspielschule nach Frankreich. Jaquelin wird als Au-pair in die USA gehen und kann sich gut vorstellen, anschließend Radio- oder Fernsehmoderatorin zu werden. „Ich liebe es zu reden“, sagt sie.

Er sei natürlich ein wenig traurig, dass die beiden die Stadt verlassen, bedauert Achim Hasselberg vom Oberurseler Jugendbüro. Gleichzeitig ist er aber auch enorm stolz auf das erfolgreiche Engagement der beiden Schülerinnen. Schließlich ist die Idee zu den „Wohnzimmerkonzerten“ im Jugendbüro entstanden. Und habe bestens dessen zentrales Ziel erfüllt: Dass sich die jungen Oberurseler durch eigene Aktivitäten am Leben in ihrer Stadt beteiligen.

Zudem ist auch nicht ausgemacht, dass am Samstag tatsächlich das letzte „Wohnzimmerkonzert“ stattfindet. Unter den bisherigen Helfern und Musikern habe sich eine kleine Gruppe gebildet, die die Veranstaltungsreihe fortführen möchte, schildert Achim Hasselberg. Es habe auch schon ein paar Treffen dazu gegeben. Sehr zur Freude von Alice Bouyer und Jaquelin Kosanke. Ihr würde „das Herz sehr schwer werden“, wenn es nicht weitergehe, sagt Alice.

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