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Schüler als Terror-Forscher

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Schüler der Altkönigschule beleuchten die Rolle von Nachrichtendiensten.
Schüler der Altkönigschule beleuchten die Rolle von Nachrichtendiensten. © ddp

Viel spannender kann Unterricht nicht sein: An der Kronberger Altkönigschule befassen sich Oberstufenschüler mit Terroranschlägen und deren möglicher Inszenierung. Von Marcus Klöckner

Von MARCUS KLÖCKNER

Diese Schüler-Arbeitsgemeinschaft ist in Deutschland wohl einzigartig: Die Altkönigschule befasst sich in der Oberstufe mit verdeckter Kriegsführung. Schüler und Lehrer fragen: Gibt es staatlich inszenierten Terror? Gab es bereits Akte von inszeniertem Terror und wie sahen diese aus?

Auf der Suche nach Antworten beschäftigt sich die Schülergruppe, die jeweils für eine Stunde in der Woche zusammenkommt, unter anderem mit den Studien von Daniele Ganser. Der Schweizer Historiker untersucht die Instrumente transatlantischer Machtpolitik.Trotz des komplexen Themas zeigen sich die 19 Schüler der AG sehr interessiert: "Man beginnt einfach bestimmte politische Ereignisse und Verhältnisse mit einem kritischeren Auge zu betrachten", sagt etwa Johannes aus der zehnten Klasse.

Zeitnahe Themen diskutieren

Wie kam der Lehrer Christian Schmeiser (44) auf die Idee, mit seinen Schülern über verdeckte Kriegsführung zu sprechen? Er sagt: "Meine Aufgabe als Lehrer ist es auch, mit den Schülern über zeitnahe politische Themen zu diskutieren. Im normalen Unterricht hat man dazu natürlich kaum Zeit. Deshalb die AG."

Wie intensiv sich die Schüler des Themas annehmen, zeigen ihre Interviewanfragen an neun Geheimdienste, darunter auch der Bundesnachrichtendienst (BND) und die Central Intelligence Agency (CIA). Schmeiser betont, dass die Briefe an die Dienste in der jeweiligen Landessprache verfasst wurden: "Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 und das Bundesamt für Verfassungsschutz haben uns bereits geantwortet. Die Interviewanfragen lehnten sie aber ab", erklärt Schmeiser. Den Historiker Daniele Ganser luden die Schüler zu einem Gespräch an die Altkönigschule. Eine Antwort steht noch aus.

In ihrer jüngsten Sitzung befasste sich die AG mit den Nachforschungen von Michael Buback, Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Er wirft den Bundesanwälten vor, die Ermittlungen blockiert zu haben. Die Bundesanwaltschaft nahm die Jahrespressekonferenz letzten Freitag zum Anlass seine Vorwürfe zu entkräften.

"Damit wird auch das kürzlich erschienene Buch von Michael Buback zu dem Fall für uns als Lektüre interessant", sagt Schmeiser. Einem E-Mail-Interview mit der Schüler AG stimmte Michael Buback zu.Zurzeit arbeitet die AG,die bis zu den Sommerferien existieren wird, am Aufbau einer Webseite. Dort soll die Arbeit der Gruppe dokumentiert werden. Die Schule bietet die AG zusätzlich zum regulären Unterricht an.

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