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Schrei nach Wahrheit

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Von: Olaf Velte

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Anne Meier und Rainer Kremin proben mit Kästchen.
Anne Meier und Rainer Kremin proben mit Kästchen. © Monika Müller

Die Theatergruppe Friedrichsdorf bringt den Probenwahnsinn auf die Bühne. Ihr Stück „Gretchen 89 ff.“ zeigt sie auch in Bad Homburg und Neu-Anspach.

"Verschon’ mich mit dieser ganzen Theorie-Scheiße!“ Der Regisseur ist außer sich, zieht hastig an der Zigarette, bebt. Die Schauspielerin duckt sich weg, ist den Tränen nahe. Kurz vor der Premiere steht alles auf Messers Schneide. Die Theatergruppe Friedrichsdorf probt „Gretchen 89 ff.“ und ausgewählte Teile aus „Dramoletti“.

Was die vierzehn Szenen von Lutz Hübner vorschreiben, ist dem Team nicht fremd, Theateralltag sozusagen. Geprobt werden Varianten der Kästchen-Szene aus Goethe’s „Faust I“. Immer stehen Regisseur und Gretchen-Darstellerin im Mittelpunkt der kargen Bühne. Was passiert, wenn hysterische Erneuerer oder gemütvolle Streicher auf Diven, Verhuschte und Tourneepferde treffen?

Goethe muss viel einstecken, der Zuschauer aber darf sich freuen. „Wir wollten in diesem Jahr etwas Lustiges machen, gute Unterhaltung“, sagt Heidi Enslin, die seit 1963 zu dem Amateur-Ensemble gehört und mittlerweile als Spielleiterin „alle Fäden in der Hand hält“. Sie bürgt, zusammen mit den zwanzig Aktiven, für ein künstlerisches Niveau, das sich über Jahrzehnte entwickelt hat.

1957 begann der Theaterverein mit „Tartuffe“, Stücke von Büchner, Niebergall oder Hauptmann folgten. Die anspruchsvolle Richtschnur war gelegt. Eine Produktion mit fünf Aufführungen koste heute im Durchschnitt 5000 Euro, so Kassierer Rainer Henrici. Um Mieten, Lizenz- und Leihgebühren einzuspielen, bedarf es eines attraktiven Spielplans.

„Gretchen“, vor fünf Jahren bereits im Programm, ist als Wiederaufnahme erweitert und bietet den gesamten Bühnenwahnsinn in geballter Form. Da darf Uwe Jacobi nach „Wahrheit!“ schreien und mangelnde Lebenserfahrung beklagen: „Abi – Schauspielschule – Theater?“ Auf der Bühne, neben Tisch und Stuhl, die obligatorischen Bier-, Wein- und Schnapsflaschen. Und Kaffee, viel Kaffee. Theatermachen ist kein Zuckerschlecken.

Premiere ist am Samstag, 6. November, um 20 Uhr im Forum Friedrichsdorf in Köppern, Dreieichstraße 22. Weitere Aufführungen am 19. November im Bürgerhaus Neu-Anspach und am 20. November im Kurhaus Bad Homburg, jeweils ab 20 Uhr. Reservierungen: 06172/72952.

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